Vom Kronkorken

Der Kronkorken an sich ist ein wichtiger, wenn auch oft verkannter Alltagsgegenstand. Mit festem Griff verschließt er Flaschen, erhält die Frische des Biers, das Prickeln der Limonade. Unerschütterlich schützt er das Getränk von der Abfüllung bis zum Konsum – nur um dann hastig vom Glas gerissen und achtlos fortgeworfen zu werden. Dem Erfindungsgeist des Öffnenden sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Ob mit einem (klassisch-schlichten oder originell bis ordinär verzierten) Flaschenöffner, einem Feuerzeug oder den Zähnen des Durstigen – es gibt wohl so viele Varianten des Kronkorkenentfernens wie es kronkorkenverschlossene Getränke gibt. Interessant wäre sicher eine Untersuchung über die Korrelation von Getränk und bevorzugtem Werkzeug – aber das würde hier den Rahmen sprengen. Hier geht es ja nicht um den Akt des Öffnens, der nur allzu oft das Ende der Nützlichkeit des Kronkorkens bedeutet, sondern um jenen vorzüglichen Verschluss selbst.

Wie vorzüglich er ist, sagt ja bereits sein Name: Kron-Korken, die Krone der Korken, Majestät unter den Flaschenverschlüssen. Er hat das Dichtungsvermögen eines Korkens, doch er ist edler als dieser, gekrönt quasi, der Kron-Korken eben, sichtbar schon an seinem edleren Material, besteht der profane Korken heutzutage doch meist aus schnödem Plastik. So vortrefflich der Kronkorken aber schließt, so einfach ist er doch – wiederum besonders im Vergleich zum gewöhnlichen Korken – zu öffnen. Bereitwillig gibt er die von ihm ebenso behütete wie gekrönte Frische preis, den Durstigen zu laben. Kein Herumgetue mit verschiedenen Korkenzieherpatenten ist nötig, ein schlichtes, immer griffbereites Feuerzeug genügt. Kein Brechen und Krümeln wir beim Kork – der Kronkorken löst sich als integres Ganzes. Kein Ausleiern, kein Verlust der Verschlussfähigkeit wie bei Plastik- und Gummiverschlüssen – der Kronkorken behält seine Flasche im Griff. Unangefochten von Zeit und Mode hält er die Stellung und das Getränk frisch.

Ja, ein wichtiger, ein wertvoller Alltagsgegenstand – ein Gegenstand, dem wir das nächste Mal, dass wir ihn achtlos wegwerfen, vielleicht einen dankbaren Gedanken widmen sollten.

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* Prosa * Sachtext * Humor *


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