Die Ballade von der Butterdose

Es war einmal ein Butterstück, das war ganz nackt und bloß.
Da war die Köchin ganz entsetzt: Ein nackter Butterkloß?
Ganz unbedeckt und unverschämt, so stand er in der Kammer!
"Das kann doch nicht – das geht doch nicht!", so tönte ihr Gejammer.
Der Butter war das furchtbar peinlich. "Lass doch dein Geschrei!
Bedeck mich lieber, wenn ich dich so stör als Nackedei!"
"Womit denn nur? Es gibt nun mal für Butter keine Hose."
"Ja, bist du doof? Bedeck mich halt mit einer Butterdose!",
So sprach das Stück. Die Köchin nickte. Ja, es hatte Recht.
Ne Dose musste her, und schnell, sonst ging's der Butter schlecht.
Schon nahte eine fette, ekelhafte Stubenfliege
Dem Kloß sich, sich zu setzen, da, genau in diese Biege,
Die doch die Köchin selber einst mit ihrem Messer strich.
"Nein, weg da, dumme Fliege! Diese Butter ist für mich!
Dir werd ich's zeigen, Tier, dich schlag ich tot." Doch weh, schon nah'n
Der Fliegen vierundachtzig, mindestens, ein ganzer Schwarm!
Das ist zu viel. Die Köchin packt die Butter flugs am Kragen
Und trägt sie an den Ort, an den sich keine Fliegen wagen:
"So, hier im Kühlschrank bist du erst einmal vor Fliegen sicher.
Werd nicht zu hart, und tratsch nicht mit dem Käse – wenn ich dich er-
wische, wie du seinen Schimmel teilst, schmeiß ich dich weg."
Das Butterstück versprach: "Bin brav und rühr mich nicht vom Fleck."
Die Köchin ging darauf zu einem Töpfer, dem sie traute,
Auf dass er ihr und ihrer Butter eine Dose baute.
"Groß muss sie sein, und außerdem auch noch schön anzusehen!
Mit ganz viel Deko, Farben, allen Sachen, die so gehen."
Der Töpfer sagte zu und machte sich sogleich ans Werk.
Doch ach, so eine Dose ist an Arbeit schon ein Berg!
Das Grundmodell war schnell gemacht: Ein Boden, Deckel, Wände,
Das ging ganz gut. Doch damit sah er schon der Weisheit Ende:
Dekoration? Und Farben gar? Wie sollte er das machen?
Er war kein Maler! Und was meinte sie denn bloß mit "Sachen"?
Er seufzte schwer, er sorgte sich, er wusst' nicht ein noch aus.
"Das ist mein Tod!", so rief er wohl, und sah sich schon um Haus
Und Hof gebracht, wenn er den Auftrag nicht erfüllen konnte.
Da kam es ihm: Ein Totenkopf, der auf der Dose thronte!
Warum auch nicht? Das war wohl Deko, oder zumindest "Sache".
Und eine Schlange – passt doch gut – hält auf dem Deckel Wache,
Auf dass der Butter nichts geschieht. Und was kommt an die Seiten?
Was Schönes, Buntes – ja, hier wollte Blumen er ausbreiten,
Girlanden, ganze Beete gar, voll Pracht und farbenfroh.
Gedacht, getan, getöpfert auch – er machte es ganz so,
Wie er es sich gedacht, und sogar all die bunten Farben,
Die seine Auftraggeberin gewünscht, schmückten die Garben
Aus bunten Blumen rundherum um seine Butterdose.
Und endlich, als die Köchin schließlich diese ganze Chose
Abholte und bestaunte, war sie ganz und gar zufrieden.
Die Butter aber ist seitdem kein Stund' mehr nackt geblieben.

hoch

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Genres:
* Poesie * Alltagsgeschichten *


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