San Marina

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Der Zug fährt ein. Nicole ist auf dem Weg zur Schule. So wie Millionen andere Leute auch fährt sie jeden Morgen zu Schule. Der Unterschied zu den meisten anderen jedoch ist, daß sie in San Marina lebt, einer riesigen Unterwasserstadt im nördlichen Bereich des Futorianischen Ozeans. Die einzige Unterwasserstadt auf Futoria. Mehr als eine Million Menschen leben hier am Meeresgrund.

Für Nicole ist das völlig normal, schon lange lebt sie hier, viele ihrer Freunde wurden sogar schon hier auf dem Meeresboden geboren. Wie alle andere Jugendlichen in ihrem Alter auch muß sie jeden Tag zur Schule fahren. Und in San Marina macht man das eben mit der U-Bahn. Der Bahnhof Guwumigruppe ist in der Nähe der Wohnzelle Nicoles Familie. Der Weg zum Bahnhof führt sie über eine breite Treppe zwei Stockwerke nach unten und schräg zur Seite. Auf dem Weg nach Hause nutzt sie meistens den Fahrstuhl, weil sie mit ihrer schweren Schultasche, die sie in der Hand trägt, immer so aus der Puste ist, wenn sie die 26 Meter Höhenunterschied überwunden hat. Glücklicherweise ist ihre Schule auf der selben Ebene wie die nächste Bahnstation, 7 Stationen von Guwumigruppe entfernt.

Wie jeden morgen stehen die Leute dicht gedrängt auf dem Bahnsteig, nachdem sie die Luftschleuse passiert haben. Diese Luftschleusen an den Eingängen zur U-Bahn sind eine weitere Besonderheit San Marinas. Da die Züge sehr schnell durch die Tunnel unter dem Meeresboden fahren, muß die verdrängte Luft irgendwo hin. Und damit dieser kräftige Wind nicht durch sämtliche Gänge der Stadt weht, wurden kurz nach der Errichtung des U-Bahn-Systems die Luftschleusen installiert. Und seit fast zweihundert Jahren funktioniert das jetzt schon ohne größere Schwierigkeiten. Nicole kämpft sich in den Zug, der sich auch fast sofort in Bewegung setzt. Die anderen Fahrgäste ignorierend versucht sie, sich darüber klar zu werden, ob sie alle Hausaufgaben gemacht hat oder ob sie jetzt noch schnell etwas machen muß. Erst Stunde Mathe - OK, zweite und dritte Stunde Geschichte - auch OK, vierte Stunde - MAK, was Meeres- und Atmosphärenkunde bedeutet - OK, fünfte und sechste Stunde Sport - sowieso OK. Beruhigt schaut Nicole zu den Fenstern, durch die man nur schwarze Tunnelwand sieht. Schwarze Wände, immer nur kurz von Bahnhöfen unterbrochen, an denen das Gedränge im Zug immer größer wird.

Plötzlich hört sie ein kreischendes Geräusch, ganz am Rande ihre Hörbereiches, fast zu tief, um es wirklich wahrzunehmen. Leute mit weniger ausgezeichnetem Gehör können es wahrscheinlich überhaupt nicht wahrnehmen. Hat noch irgend jemand das Geräusch wahrgenommen, überlegt sie, während sie sich umschaut. Zwei Schritte weiter steht ein Junge, der sich ebenso umschaut, wie Nicole. Ihre Blicke treffen sich und die Botschaft ist klar: Du hast es auch gehört, oder? Dann kann es also keine Einbildung sein, überlegt Nicole und beschließt, sicherheitshalber erst einmal an der nächsten Station auszusteigen. Der Junge scheint dieselbe Absicht zuhaben, denn er drängelt sich zu Nicole durch, die direkt an der Tür steht.


Auf dem Bahnsteig bleibt Nicole erst einmal stehen und schaut sich um. Entweder hat außer ihr und diesem anderen Jungen niemand das Geräusch gehört oder allen anderen Fahrgästen ist es egal.

"Was war das," fragt Nicole den Jungen, der neben ihr steht und sich ebenfalls umschaut.

"Hat sich angehört, als hätten wir irgendwas gestreift. Vielleicht die Wand des Tunnels oder so. Komm mit, wir überprüfen das."

Er nimmt Nicoles Hand und zieht sie mit sich über den Bahnsteig zur Bahnhofsaufsicht. Während sie durch die Menschenmassen gezogen wird, betrachtet Nicole den Bahnhof. Die Decke ist überraschend hoch, vielleicht zwanzig oder dreißig Meter, in einfachen Farben gehalten. Insgesamt gibt es vier Gleise, wovon jedoch nur zwei benutzt werden. Die anderen beiden, erinnert sich Nicole, waren für einen Abzweig gedacht, der jedoch nie gebaut wurde.

Mehrere Fahrstühle führen nach oben, umgeben von gläsernen Wänden. Und am anderen Ende des Bahnsteigs führt eine uralte, verrostete Metalltreppe nach oben. Der Kiosk der Aufsicht ist ungefähr in der Mitte des Bahnsteigs. Der Junge klopft an die Tür und einer der Angestellten macht auf. "Was gibt's," fragt die Aufsicht sie.

"Hallo, ich bin Marko Mome, Auszubildender im Werk Nord. Eben in der U-Bahn hat es ein komisches Geräusch gegeben, so, als hätte die Bahn die Wand gestreift."

"Ein Geräusch, sagst du?"

"Kaum wahrnehmbar, an der Grenze des hörbaren," fügt Nicole hinzu.

"Wartet mal kurz, ich überprüfe das."

Die Aufsicht geht wieder hinein und redet kurz mit seinem Kollegen. Dann spricht er kurz mit der Zentrale. Nicole und Marko schauen sich an. "Was wird jetzt passieren?"

"Keine Ahnung, soweit ich weiß, ist so etwas bisher noch nie vorgekommen. Ich vermute, die werden jetzt erst einmal überprüfen, ob wir glaubwürdig sind. Und wenn sie das als Antwort ja bekommen, werden sie wohl den Zug und den Tunnel überprüfen. Hoffentlich!"

Die Aufsicht kommt wieder aus dem Kiosk.

"Ich hab eben mit dem Chef gesprochen. Er meint, wir sollen den Tunnel hier vom C4-Tunnel aus überprüfen. Der Zug wird an der Endstation überprüft. Er meint, da ihr Auszubildende bei uns seid, könnt ihr uns gerne in den C4-Tunnel begleiten zur Überprüfung, wenn ihr Lust habt."

Nicole und Marko schauen sich an. Nicole hebt kurz die Schultern - ist mir doch egal, und Marko nickt - wir sind dabei.


Zwei Mitarbeiter der U-Bahn kommen in reflektierender Schutzkleidung zu ihnen und geben ihnen ebenfalls reflektierende Westen.

"Kommt mit," erklärt der eine, ein großer Mann mit schwarzen, kurzen Haaren und eckigem Gesicht. Die anderen, eine dunkelhaarige Frau, die muskulös gebaut ist, zieht einen kleinen Wagen hinter sich her, auf dem sich verschiedenstes Diagnose- und Reparaturwerkzeug befindet.

Sie klettern auf das stillgelegte Gleis und heben den Wagen zu sich herunter und gehen zum Tunnel. Irgendwie komisch, überlegt sich Nicole, so auf den Gleisen der U-Bahn herumzulaufen und in den Tunnel gehen zu wollen. Als sie das Ende des Bahnsteiges erreicht haben, gibt die Frau jedem von ihnen einen Helm mit Lampe darauf, damit sie in dem dunklen Tunnel etwas sehen können. Dann betreten sie die Finsternis.

Bereits nach fünf Metern jedoch müssen sie schon wieder anhalten, da im U-Bahn-Schacht gelagerter Krempel ihnen den Weg versperrt. Kisten, Fässer, Container und loses Zeug stapelt sich hier und läßt ihnen kaum eine Möglichkeit, voran zu kommen. Und immer wieder hören und sehen sie auf dem anderen Gleis Züge an ihnen vorbeirauschen, unglaublich schnell hier in der Enge.

Stück für Stück kämpfen sie sich vor, für die knapp dreihundert Meter bis zur beschädigten Stelle brauchen sie fast 20 Minuten. Ausrangierte Sitz, Nicht abgeholte Fundgegenstände, Werkzeug und Baumaterial, alles liegt hier kreuz und quer durcheinander. Wenigstens, denkt sich Nicole, wird der Rückweg einfacher, denn sie hinterlassen eine deutlich sichtbare Schneise, die im Zickzack den Tunnel entlang führt. Weiter vorne können sie bereits das Licht der nächsten Station sehen.


Schließlich erreichen sie die beschädigte Stelle. Ein fast zehn Meter langer Streifen, an dem im oberen Bereich der Wand Erde weggerissen wurde, zieht sich dort entlang. Deutlich sehen sie im Schein ihrer Helmlampen die Erde dort hinunter rieseln. Ein mehrere Zentimeter breiter Riß klafft dort in der Wand, vielleicht zwanzig Zentimeter tief. Wenn die Wand darüber instabil geworden ist und einbricht? Schreckliche Vorstellung. Heftiger Wind erfaßt sie, Ein Zug, der durch den Tunnel rast. Hier hat die Luft so wenig Platz zum ausweichen, daß sie von dem Wind fast fortgewirbelt werden. Nur mit sehr viel Glück gelingt es Nicole, sich an einer der Säulen, die die Decke halten, festzuhalten.

Der Zug rast an ihnen vorbei. Ein gelbes, eigenartig geformtes Projektil, das mit tödlicher Geschwindigkeit an dem Riß in der Wand und an ihnen vorbeirast. Einzelheiten sind überhaupt nicht zu erkennen, viel zu nah sind sie dem schnellen Zug dafür. Und dann ist der Zug vorbei. Deutlich sehen sie, daß danach der Riß wesentlich größer geworden ist. Eine gewaltige Staubfahne zieht der Zug hinter sich her, Erde, die sich aus der Wand gelöst hat und dem Zug jetzt auf seinem Weg zum nächsten Bahnhof folgt.

Ein kleines Stück der Wand des Tunnels bricht zusammen, vielleicht ein halber Quadratmeter. Deutlich kann man sehen, daß auch der Rest des Tunnels sehr bald einkrachen wird. Und dann? Tausendfünfhundert Meter Wasser! "Schnell, lauft zurück, verriegelt die Schotten am Bahnhof und gebt Alarm. Code 14-C-5 in C1! Beeilt euch. Der Wassereinbruch könnte jederzeit erfolgen. Wir laufen in die andere Richtung."


Nicole und Marko laufen los, den gewundenen Gang entlang, den sie auf dem Hinweg hinterlassen haben, der Panik nahe. Mehrmals stößt Nicole sich den Kopf, das Schienbein, die Schulter. Glücklicherweise nicht so schlimm, daß sie nicht mehr weiterlaufen könnte. Immer wieder weichen sie im letzten Moment herumliegenden Gegenständen aus. Die Lichtkegel ihrer Lampen tanzen wild im Tunnel umher, bei jedem Schritt in eine andere Richtung.

Knapp zwei Minuten später haben die beiden den Bahnhof erreicht. "Schließ du dieses Schott, ich nehm' das andere," keucht Marko, als sie den Bahnhof erreichen. "In dem Kasten da ist der Knopf!"

Nicole bleibt im Eingang zum Tunnel stehen und ringt schwer atmend nach Luft. Ein Zug steht im Moment im Bahnhof. Kaum fährt dieser ab, springt Marko auf der anderen Seite auf die Schienen. Nicole schaut sich um. Wo ist diese Klappe, mit der man das Sicherheitsschott schließt? Panik steigt in ihr auf, als sie die Klappe nicht sofort entdeckt.

Doch dann erkennt sie einen kleinen Spalt in der Wand, den Rand der Klappe. Und jetzt erkennt sie auch die große, graue Drei auf der Klappe. Sie stolpert hin und zerrt an dem Griff, doch die Klappe öffnet sich nicht. Sie wird noch panischer, als sie bereits ist. Schließlich merkt sie, daß man den Griff drehen muß, um die Klappe zu öffnen.

"Was machen sie da," fragt ein Passant, als sie die Klappe öffnet.

"Möglicher Wassereinbruch. Evakuieren sie den Bahnhof," keucht Nicole, während sie den richtigen Knopf sucht. Die Entscheidung fällt ihr nicht schwer, an dem kleinen weißen Knopf steht "Schott Schließen" und an dem großen roten Knopf steht "Notfallschließung".

Ein kurzes Piepen ertönt, gefolgt von lautem Rattern. Marko hat das andere Schott geschlossen. Während Marko über den Bahnsteig zu ihr gelaufen kommt, drückt Nicole den Notfallknopf. Erneut ertönt das kurze Piepen und dann fällt das Schott mit lautem Getöse herunter. Lamelle für Lamelle rastet ein und sichert den Bahnhof.


"Hält es," brüllt Nicole zu Marko hoch.

"Nein! Wenn die Decke einbricht nicht!"

"Wie? Nein," entgegnet Nicole, halb überrascht, halb schockiert. Während sie zum anderen Ende des Bahnhofs laufen, erklärt Marko ihr den Sachverhalt.

"Wenn es zu einem massiven Wassereinbruch kommt, wahrscheinlich nicht. Diese Schotts sind eigentlich nur für Sickerwasser gedacht. Wir müssen das am anderen Ende des Bahnhofes auch noch schließen. Wahrscheinlicher, das dann eines der beiden hält. Aber selbst dann sollte der ganze Schacht evakuiert werden müssen."

Die meisten Leute bleiben ruhig auf dem Bahnsteig, nur wenige reagieren auf die Alarmsirenen und den Evakuierungsalarm. Nur wenig warten vor den Fahrstühlen oder gehen langsam die Treppen hoch. Niemand scheint es besonders eilig zu haben.

Seit über hundert Jahren leben jetzt Menschen auf dem Meeresgrund, bereits vor achtzig Jahren begannen die Menschen, San Marina als normale Stadt zu sehen, mit Einkaufszentren, Arbeitsplätzen, Wohnungen. Seit über 50 Jahren hat San Marina eine eigene Universität. Das ganze Leben der Stadt spielt sich in den unzähligen kugelförmigen Gebäuden ab, gebaut aus Glas und Stahl, durch die die Einwohner von dem immensen Druck von über 1500 Metern Wasser schützen.

Gelegentlich sickert mal an der einen oder anderen Stelle Wasser durch eine brüchig gewordene Schweißnaht. Der entsprechende Bereich wird dann evakuiert, bis die defekte Stelle repariert worden ist. Ein einziges Mal gab es bisher in der Stadt einen massiven Wassereinbruch, als bei Bauarbeiten im oberen Bereich der Stadt eine Stütze gebrochen ist und ein Wohnblock auf die darunter liegenden gestürzt ist. Glücklicherweise gab es damals nur fünf Tote, Bauarbeiter, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

Nie war es jedoch nötig, schnell zu flüchten. Selbst der abgebrochene Wohnblock wurde durch das Wasser so sehr verlangsamt in seinem Absturz, daß die Menschen gemächlich die bedrohten Bereiche verlassen konnten. Und deswegen reagiert jetzt niemand so richtig auf den Evakuierungsalarm. Bisher war es in der U-Bahn immer so, daß die Tore das Sickerwasser abhalten konnten, so daß die Menschen einfach in den entsprechenden Stationen darauf gewartet haben, daß der Schacht wieder freigegeben wird. Während Nicole und Marko über den Bahnsteig rennen, rufen sie den anderen Leuten zu, daß ein massiver Wassereinbruch droht und sie sich in Sicherheit bringen sollen. Kaum jemand reagiert auf sie. Zu lange schon leben die Menschen hier unten in San Marina jenseits aller Gefahren in der Ruhe der Tiefsee.


Keuchend erreichen die beiden die Tore auf der anderen Seite. Marko springt sofort auf das eine Gleis, um das Schott zu schließen, während Nicole an der anderen Seite nach dem Kasten mit dem Auslöser sucht. Eine graue 72 ist auf den unscheinbaren Kasten gemalt, den Nicole öffnet. Was diese Zahlen wohl bedeuten, fragt sie sich abwesend, während sie den Griff dreht. Mehrere gleich aussehende Knöpfe sind in dem Kasten, von eins bis zwölf durchnumeriert. Und an keinem steht etwas anderes als die Nummer. Welchen drückt man zur Notfallschließung, überlegt Nicole, weiß jedoch, das sie keine Ahnung hat. Vom anderen Bahnsteig her ertönt erneut das Piepen und Rattern, als das andere Schott sich schließt.

"Marko," schreit Nicole, so laut sie kann, "ich hab hier Probleme. Hier sind verschiedene Knöpfe!"

Sekunden später steht Marko neben ihr und betrachtet die Knöpfe.

"Scheiße, wieder ein anderes System. Welche Nummer?"

"Zweiundsiebzig, glaube ich."

"Drück folgende Knöpfe: Neun - Eins - Vier - Fünf - Neun - Sieben - Zwei."

Nicole drückt die Knöpfe in der Reihenfolge und nach einem kurzen Warnton schließt sich das Schott.

"Los komm, wir flüchten nach oben. Wenn das Wasser eindringt, müssen wir möglichst weit oben sein."

Marko zieht Nicole hinter sich her zur Treppe. Der Fahrstuhl hilft ihnen bei einem massiven Wassereinbruch nichts. Völlig außer Atem stolpern die beiden die schmale Metalltreppe hoch. Stufe um Stufe erklimmen sie, um durch den Notausgang zu entkommen.


Ein dicklicher Mann kommt ihnen entgegen. Rot-Gelb-Grüne Hosenträger über einem Blauweiß karierten Hemd halten sowohl seine Hose als auch seinen Bauch zusammen. Schmutzflecken runden das Bild ab.

"Ihr könnt hier nicht durch," versucht er sie aufzuhalten. "Der Weg hier ist nur für Notfälle."

"Das hier ist ein Notfall. Im C4-Tunnel stürzt die Decke ein, es wird zu einem massiven Wassereinbruch kommen."

"Massiver Wassereinbruch? So ein Blödsinn. Habt ihr die Tore geschlossen?"

Er betrachtet sie gründlich. "Natürlich wart ihr das. Möchte mal wissen, was ihr euch dabei denkt, einfach den Bahnverkehr zu blockieren."

"Es ist - " fängt Marko an zu erklären, wird jedoch von einer Erschütterung unterbrochen. Deutlich merkt man das Zittern der Treppe. Kurz darauf hören sie ein lautes, fauchendes Brüllen; Rauschen, das schnell lauter wird und näher zu kommen scheint.

"Los weiter," brüllt Marko Nicole an und schiebt sie einfach an dem Mann, der wahrscheinlich der Hausmeister dieser Station ist, vorbei, weiter die Treppe hoch.

Kaum haben sie die nächste Plattform erreicht, als sie ein lautes Krachen hören und das Rauschen zu ohrenbetäubendem Lärm anschwillt. Marko und Nicole schauen nach unten. Dreißig oder vierzig Meter unter ihnen versuchen Passanten, sich irgendwie vor den Wassermassen in Deckung zu bringen, die aus dem Tunnel geschossen kommen und den Gleisen folgen.

Nichts kann sich der Gewallt des Wassers entgegenstellen, mit unglaublicher Geschwindigkeit strömt das Wasser durch den Bahnhof. Für einen Sekundenbruchteil leistet der Kiosk auf dem Bahnsteig den anstürmenden Wassermassen Widerstand, bevor er einfach fort gespült wird. Verzweifelte Menschen suchen hinter Stühlen, Säulen und allem anderen Schutz vor den Wassermassen, haben jedoch nicht den Hauch einer Chance.

Ein älterer Mann wird von einem Teil des Kiosk einfach in der Mitte zerteilt, Oberkörper, Arme und Kopf werden sofort von den Wassermassen mitgerissen, der Rest des Menschen kurz später. Die meisten Leute sind auf der Stelle tot, als das wild schäumende, eisig kalte Meerwasser sie mit sich fortreißt. Die geschlossenen Tore können den Wassermassen nicht standhalten, brechen sofort, als das Wasser sie erreicht. Auch die dicken Säulen, die den Fahrstuhl und die Treppe und letztlich die ganze Stadt stützen, werden von den Wassermassen einfach fortgespült.

"Da ist eine Klappe in der Wand," schreit Nicole, um sich über das Rauschen des Wassers hinweg verständlich machen zu können. "Wo führt die hin?"

"Wartungsschacht!"

"Sicher?"

"Es ist zu kalt dort."

"Besser kalt als naß!"

Gegen diese Logik hat Marko nichts einzuwenden. Die Wartungsschächte sind nicht mit der restlichen Stadt verbunden außer über solche Einstiegsklappen, die dem Druck der Tiefsee standhalten können. So ist sichergestellt worden, daß Rettungsmannschaften immer Zugang haben.

Hektisch dreht Marko das schwere Stahlrad zum Öffnen der Klappe. Der Hausmeister, bemerkt er aus den Augenwinkeln, versucht zu ihnen zu gelangen. Plötzlich kippt die Plattform, auf der Marko und Nicole stehen und die beiden werden unsanft gegen das Geländer geschleudert. Schmerzhaft prallt Marko auf Nicole, die versucht, mit den Armen ihren Kopf zu schützen.

Mühsam rappeln sie sich wieder auf. Die Plattform jetzt um einen Winkel von ungefähr 45 Grad geneigt, die Verankerung an der Wand scheint gehalten zu haben. Ein kurzer Blick zu Seite zeigt, daß nur noch die beiden obersten Stufen der Treppe übrig sind. Der Rest des Stahlgerüstes mit dem Hausmeister ist in die Tiefe gestürzt und wurde von den Wassermassen bereits mitgerissen. Marko klettert nach oben zur Wartungsluke und endlich gelingt es ihm, diese zu öffnen. Er zeigt Nicole zu sich und mit etwas Mühe gelingt es ihnen, sich durch den engen Durchgang zu zwängen, der sich ungefähr in Bauchhöhe befindet und aus Sicherheitsgründen rund ist.


Während Marko die Luke verschließt, schaut Nicole sich um. Sie befinden sich in einem riesigen Raum, vielleicht genauso hoch wie die Bahnstation. Der Raum ist dunkel, der Strahl ihrer Helmlampen reicht nicht bis ganz nach oben oder unten. Die gegenüberliegende Wand ist nur zu erahnen, rechts und links scheint sich der Raum sehr weit zu erstrecken. Sie stehen auf einem kleinen Sims, vielleicht eineinhalb Meter breit, der scheinbar in dieser Höhe rund um das Gewölbe herum führt. Keine Geländer, keine Treppe nach oben oder unten ist zu sehen.

Der Raum erscheint eindeutig uralt, staubige und rohe, unbearbeitete Wände, wahrscheinlich war seit 20 Jahren kein anderer Mensch mehr hier drin. Vielleicht war niemand mehr hier drin, seit diese Station gebaut worden ist.

"Hier sind wir sicher," erklärt Marko, als er auch die innere Klappe versiegelt hat. "Alle Eingänge hier rein sind so konstruiert, daß das Wasser von außen die Klappe zudrückt. Hier kommt nur Wasser hinein, wenn es in diesem Raum einen Einbruch gibt. Und dann sind alle anderen Räume sicher.

Erschöpft setzt sich Nicole auf den Sims und lehnt sich an der Wand an. Nachdem Marko sich umgeschaut hat, setzt er sich neben sie. Nach einer Weile hören sie rauschende und gluckernde Geräusche. Das Wasser in der Station ist bis auf ihre Höhe gestiegen und umspült jetzt die Einstiegsluke.

"Was wird deiner Meinung nach mit der Stadt jetzt passieren," fragt Nicole Marko nach einer Weile. Nach der Zerstörung, die sie in der U-Bahn-Station gesehen hat, macht sie sich große Sorgen um den Rest der Stadt.

"Schwer zu sagen," überlegt Marko. "So einen massiven Wassereinbruch gab es noch nie. Ich denke, das Bahnsystem wird vollständig überschwemmt werden. Und was dann weiter geschieht ist schwer zu sagen. Kommt darauf an, wie schnell die Leute den ernst der Lage erkennen. Es besteht durchaus die Gefahr, das es an vielen weiteren Stellen zu Wassereinbrüchen kommt, weil die meisten Wände nur durch die gewaltigen Druckunterschiede zwischen außen und innen stabil sind."

Nicole malt sich kurz aus, wie die Schächte erst mit Wasser gefüllt werden und anschließend die Wände aufbrechen. So wird der Druck des Wassers nicht schnell nachlassen und es wird wirklich jede Station überschwemmt. Allerdings gibt es da ja auch noch die Zerstörung in den Stationen. Selbst die dicksten tragenden Säulen wurden von dem Wasser einfach weggeschwemmt. Wie wirkt sich das auf die Teile der Stadt aus, die sich über den Stationen befinden?

Denselben Gedankengang scheint Marko auch zu haben, denn er sagt: "Was das für die anderen Bereich bedeutet, ist schwer zu sagen. Die Tragenden Säulen sind schon relativ wichtig. Eine oder zwei die fehlen könnte die Stadt vielleicht verkraften, aber wenn ganz viele davon wegbrechen, könnte es durchaus passieren, daß die gesamte Stadt wie ein Kartenhaus in sich zusammen fällt. Das hängt alles davon ob, wie schnell sich die Flußgeschwindigkeit des Wassers verringert und ob sie irgendwann langsam genug ist, das die Tore der Stationen dem Wasser stand halten können. Wenn nicht, dann gibt es eine Katastrophe."

"Reizende Aussichten. Ich hoffe mal, daß die Tore irgendwo standhalten. Das ist dann schon schrecklich genug, die ganzen Menschen, die von der Gewalt des Wassers getötet werden."

Schweigend sitzen sie lange nebeneinander und hängen ihren eigenen, traurigen Gedanken nach. Sie versuchen, das Geschehen zu akzeptieren, ihre zentrale Rolle in diesem ganzen Drama. Ihre vergeblichen Versuche, die Menschen zu warnen und zu retten.

"Warum haben wir eigentlich die Tore geschlossen, wenn diese doch sowieso dem Wasser nicht standhalten," fragt Nicole Marko schließlich. "Ich meine, du wußtest doch vorher, daß sie nicht stabil genug sind, oder? Warum also haben wir nicht lieber die Leute aus der Station gerettet?"

"Um diese Leute ging es dabei nicht. Wenn ein Tor geschlossen wird, wird Alarm ausgelöst. Bei einem kann es ein Versehen sein, bei zwei Toren vielleicht ein Verrückter, der Unsinn macht. Aber wenn vier Tore geschlossen werden, von jemanden, der sich damit auskennt, weil man ja bei jedem Tor eine andere Kombination der Knöpfe braucht, dann rechnen die Verantwortlichen vielleicht eher damit, daß wirklich etwas geschehen ist. Ich vermute jedoch, daß sie erst richtig kapiert haben, was los ist, als sämtlich Kontakt zu dieser Station abgebrochen ist. Ich hoffe nur, daß sie dann schnell genug reagiert haben. Und das sie richtig reagiert haben."

"Und - ähm - was machen wir jetzt hier? Woher sollen die Wissen, daß wir hier sind und das sie uns retten müssen?"

"Erstmal können wir nur warten," erklärt Marko, nachdem er kurz über die Frage nachgedacht hat. "Wir können nur versuchen, unsere Ressourcen zu schützen, denn je nachdem wie schlimm das ganze ist, kann es doch recht lange dauern, bis Rettungsmannschaften zu uns vordringen." Marko setzt den Rucksack, in dem er seine Schulsachen hat, ab und betrachtet bei dem schwachen Licht der Helmlampen den Inhalt. Eine Flasche Orangensaft sowie zwei belegte Brötchen. Nicole hat dazu noch eine Thermosflasche mit Pfefferminztee sowie einen Apfel und zwei Möhren dabei. Nicht gerade viel für einen längeren Aufenthalt hier. Weitere Vorräte haben sie nicht. Und sonstige Dinge, die ihnen vielleicht helfen könnten, haben sie auch nicht. Nur Hefte und Bücher und solche Dinge.

Nicole setzt ihren Helm ab und schaltet die Lampe aus. "Wie sollten die Batterien schonen," erklärt sie Marko, der nun ebenfalls seine Lampe ausschaltet. Sofort legt sich völlige Dunkelheit über sie. So tief unter dem Meer dringt keinerlei Tageslicht mehr zu ihnen hinab. Und auch andere Lichtquellen gibt es in diesem Raum nicht, nicht einmal ein schwach leuchtendes Notausgangzeichen. Nichts, wirklich gar nicht können die beiden noch erkennen.


Eine scheinbar endlos lange Zeit später zittert plötzlich die Erde. Ein Erdbeben, oder, was angesichts der Lage der Stadt wahrscheinlicher ist, ein Teil der Stadt stürzt in sich zusammen. Durch die gewaltigen Reibungskräfte des Wassers stürzen die riesigen Wohnblöcke, wenn sie nicht mehr richtig verankert sind, nur sehr langsam Richtung Meeresboden. Doch durch ihre gewaltige Masse kommt es dann doch zu Erschütterungen, wenn sie auf den Meeresgrund aufschlagen.

"Ein Erdbeben? Oder ist ein Teil der Stadt eingestürzt," fragt Nicole Marko.

"Ich glaube, eher das letzte. Wenn man das eingedrungene Wasser bedenkt, halte ich es für logisch, daß ein Teil der Stadt nicht mehr stabil genug ist."

Nach einer Weile bricht Nicole das Schweigen, das sich an die Erschütterung angeschlossen hat:

"Weißt du, ich habe immer gedacht, diese Stadt ist sicher. So viele Leute, die sich mit nichts anderem als der Sicherheit dieser Stadt beschäftigen. Da kann doch eigentlich nichts passieren. Und so weit unter dem Meer gibt es ja die anderen Katastrophen auch nicht, wie Stürme, Meteoriten oder gar Überschwemmungen. Ich meine, da kann doch eigentlich nichts mehr passieren."

"Ich weiß, was du meinst," sagt Marko. "Als wir nach San Marina gezogen sind, war ich vier Jahre alt. Eine Sturmflut hatte unser Haus auf den Nerischen Inseln zerstört. Wir kamen hier an, in einer neuen Zelle, einer großen Wohnung am Stadtrand. Manchmal habe ich stundenlang aus dem Fenster geschaut und die Tiere betrachtet, die dort herum geschwommen sind. Teilweise uralte Tiefseefische, die schon seit Jahrmillionen hier leben und zum Teil neue Tiere, die sich an das Licht und die Existenz San Marinas angepaßt haben.

Anfangs war unser Wohnblock die einzige Zelle in der Gegend," erzählt er in der Dunkelheit nach kurzer Pause weiter. "Im Laufe der Zeit ist die Stadt dann immer weiter gewachsen. Erst konnte ich die Baustellen beobachten, wie die neuen Wohnblöcke Stück für Stück entstanden sind. Und dann konnte ich sehen wie eine Wohnung nach der anderen bewohnt wurde und die Fenster erleuchtet wurden. Und die Tiere, die vor den Fenstern herum geschwommen sind, haben sich im Laufe der Zeit immer weiter verändert. Trotz all des Wassers vor dem Fenster habe ich jedoch mich niemals gefragt, wie es ist, von dem Druck des Meeres zerquetscht zu werden. Das war nie ein ernst zu nehmendes Risiko für mich."

Mit weicher Stimme erzählt Marko weiter: "Ich weiß noch, wie ich einmal einen Bericht gelesen habe von einem Bus, der in einen Fluß gefallen ist. Viele Menschen sind damals ertrunken. Da war ich echt froh, daß in San Marina die Gefahr des Ertrinkens nicht besteht."

Als Marko schweigt, hängen beide ihren eigenen Gedanken nach. Nicole denkt an ihre ersten Tage in San Marina.


Kurz nach ihren vierzehnten Geburtstag war das. Ihre Mutter hat einen wichtigen Posten als Meeresbiologin in San Marina angenommen. Nicole, ihr drei Jahre älterer Bruder und ihr Vater, der Schriftsteller ist und sich um den Haushalt kümmert, haben Nicoles Mutter nach San Marina begleitet.

Es war am Regnen, als sie in Tdjuipburg ihr Aquashuttle bestiegen haben. Dichte Wolken haben den Himmel bedeckt. Wie so oft sind die dicken Regenwolken an den unglaublich hohen Bergen Compfs hängen geblieben, die den westlichen Horizont von Norden bis Süden beherrschen.

Die Berge im Rücken sind sie mit dem Aquashuttle auf das offene Meer hinaus geflogen und als die viele tausend Meter hohen, schneebedeckten Gipfel bereits lange hinter dem Horizont verschwunden waren, sind sie mit dem Shuttle ins Meer eingetaucht. Relativ schnell sind sie immer tiefer gesunken, bis sie auf der Höhe der Stadt waren. Vorsichtig haben sie sich der Stadt und dem Ankunftshangar genähert. Nach fast einer halben Stunde Wartezeit konnten sie schließlich zusammen mit 5 anderen Aquashuttles in den Hangar fahren. Und weitere 10 Minuten später war der Hangar soweit trocken, daß sie das Shuttle verlassen konnten.

Nach einigen Schwierigkeiten mit den dreidimensionalen, holografischen Karten San Marinas haben sie den Weg zu ihrer neuen Wohnung gefunden. Glücklicherweise waren noch zwei Wochen Ferien, bis Nicole und ihr Bruder in ihre neue Schule gehen mußten, so daß sie sich erst einmal an diese ungewöhnliche, neue Umgebung gewöhnen konnten. Mehrmals hat sich Nicole in der ersten Woche in dem Gewirr von Gängen, Treppen, Aufzügen und Wegen verlaufen und mußten andere Leute nach dem Weg nach Hause fragen.

Da San Marina eine dreidimensionale Stadt ist wie keine andere auf Futoria, fast drei Kilometer Höhenunterschiede gibt es, sind die Stadtpläne holographische Projektionswürfel. Für jemanden, der das zweidimensionale Leben an der Oberfläche gewöhnt ist, ist es am Anfang nicht leicht, sich in den verwirrenden Darstellungen San Marinas zurecht zu finden.

Letztlich hat Nicole jedoch gelernt, sich recht gut in der Stadt zu orientieren. Ihre Eltern haben immer noch manchmal Schwierigkeiten, den Weg zu finden, je eher man sich an die dreidimensionalen Karten gewöhnt, desto besser ist es. Nachdem ihr Bruder mit der Schule fertig war, ist er zum studieren nach Tesej Nezhausen gegangen, so daß Nicole nun zwei Zimmer in der geräumigen Wohnung hat, in der sie mit ihren Eltern lebt.

Und jetzt sitzt sie hier in dieser verstaubten Halle in einer untergehenden Stadt. Wenn ich wenigsten Taucherausrüstung hätte, überlegt sich Nicole. Dann hätte ich vielleicht eine Chance.

Vor zwei Jahren war sie mit ihrer Schule auf Klassenfahrt am Dudebody. Die Bodys (sprich: Bohtiss) im Norden Compfs sind lange Meeresbuchten, die sich kilometerweit ins Landesinnere erstrecken, vergleichbar mit den Fjorden in Norwegen auf der Erde. Das Gasthaus, in dem sie übernachtet haben, stand in Hochshir, fast dreieinhalbtausend Meter über dem Meeresspiegel, zweitausend Meter unterhalb des Paß von Hochshir auf dem Weg zwischen Gigahsaip an der Westküste und Isenberg am Golf von Hsaiptii im Norden.

Am dritten Tag ihrer Klassenfahrt haben sie im Dudebody einen Tauchlehrgang absolviert, zumindest die Leute, die Lust darauf hatten. Die übrigen konnten wählen zwischen Segelfliegen oder einem Museumsbesuch.

Mit dem Bus sind sie zu einem kleinen Haus direkt am Body gefahren, einer Anlegestelle mit Touristeninformation. Fast senkrecht steigen die Felswände auf beiden Seiten des Bodys an, viele Tausend Meter hoch. Vielleicht fünf oder sechs Kilometer ist der Dudebody nur breit, aber fast 150 Kilometer lang. Und über dreieinhalbtausend Meter tief. Nicht ganz so tief wie die tiefsten Bereichen San Marinas mit ihren viertausendzweihundertfünfzehn Meter unter der Oberfläche, aber schon recht ansehnlich für ein Küstengewässer.

Straße und Eisenbahnlinie wurden vor vielen Jahren in die Felsen gesprengt, als auch die entferntesten Bereiche Futorias infrastrukturell erschlossen wurden und das Grundrecht auf kostenlosen Transport eingeführt wurde. Auch die Anlegestelle mußte in die Felsen gesprengt werden. Nach einer Stunde Theorieunterricht können die elf Schüler endlich die Taucheranzüge anziehen. Nach gründlicher Kontrolle der Anzüge, erst durch die Schüler selber und dann durch den Tauchlehrer watscheln sie schließlich die steile Treppe herunter. Und zehn Minuten später sind sie alle im Wasser des Bodys.

Nach wenigen Übungen an der Oberfläche tauchen sie bereits hinab in die faszinierende Unterwasserwelt der Bodys. Immer wieder schwimmen bunte Fischschwärme an ihnen vorbei, die in dem kalten, sauberen Gletscherwasser, das sich in den Bodys mit dem Meerwasser vermischt, leben. Dank ihrer Thermoanzüge merken sie kaum, daß das Wasser um sie herum nur sie knapp sieben Grad warm ist. In den Tiefen des Bodys, in die sie so langsam hinabtauchen, ist das Wasser sogar noch kälter, dort ist es Sommer wie Winter 3-4 Grad warm.

Die Felsen Unterwasser unterscheiden sich deutlich von denen oberhalb der Wasseroberfläche. Alle Kanten und Ecken sind hier abgerundet, das ständige Fließen des Wassers läßt die Berge wesentlich schneller erodieren als der gemächliche Zahn der Zeit aus Wind und Wetter der Atmosphäre. Ein riesiger Tintenfisch erscheint kurz im Licht ihrer Lampen und ist sofort wieder verschwunden.

Die unterschiedlichsten Pflanzen wachsen hier an den Felsen und nutzen selbst das kleinste bißchen Licht noch aus, das hier herunter dringt. Deutlich sehen sie, wie die Lampen sich zu ihren Lampen hin drehen, um dieses wenige Licht noch nutzen zu können. Die muntere Unterhaltung der Schüler ist mittlerweile völlig der Faszination für diese seltsame, wunderschöne Unterwasserwelt gewichen. Manchmal weist einer drei Tauchlehrer sie auf etwas hin, interessante Pflanzen und Tiere, seltsame Gesteinsformationen oder die in Stein gegrabene Wirkung von Meeresströmungen.

Langsam sinken sie immer weiter in die Tiefe hinab, während ihre Anzüge automatisch die Atemluft verändern, mit Helium anreichern, damit sie den ungeheuren Druck in der Tiefe überleben können. Sie verlassen die belebte Oberflächenzone und sinken immer weiter hinab. Hier in der Zwischenzone gibt es kaum Leben, nur selten verirrt sich ein Lebewesen aus einer anderen Zone hierher, aber um in die Tiefe zu gelangen, muß man auch die mittlere Zone durchqueren.

Schließlich erreichen sie die Tiefseezone, ab zweitausend Metern unter der Oberfläche. Hier unten gibt es wieder eine Unzahl von Lebewesen, die der völligen Dunkelheit trotzen und deren Nahrung die herabsinkende Überreste der Oberflächenlebewesen sind und die ihren Sauerstoff größtenteils aus den mineralienreichen Ablagerungen am Meeresboden beziehen.

Gespenstisch leuchten Fische in Kugelform, die sich von der Strömung treiben lassen. Pflanzen, deren Blätter quadratmetergroß sind, bedecken den Meeresgrund. Blätter, die nicht das Sonnenlicht auffangen sondern die herabsinkenden Überreste. Riesige Fische, die fast durchsichtig sind, teilweise flach, teilweise rund, teilweise in allen möglichen anderen Formen.

Dudische Kugelfische, erklärt einer der Tauchlehrer ihnen, lassen sich nur von der Nährstoffreichen Strömung des Gletscherwassers treiben und sinken dabei in immer tiefere Bereiche hinab. Schließlich erreichen sie den Tiefseegraben, wo sie ihre Eier in vielen Tausend Metern Tiefe ablegen. Die geschlüpften neuen Fische schwimmen der Strömung entgegen, bis sie unterhalb des Woywoodschen Gletscher ankommen. Dort machen sie dann eine Metamorphose durch, ähnlich der, die Schmetterlinge vollziehen und treiben dann mit der Strömung zurück in die Tiefsee, wobei sie immer dicker werden.

Die Anpassung der Natur an diese extremen Bedingungen war ein Thema in MAK in der Schule. Doch daß diese Anpassung in Wirklichkeit so eindrucksvoll sein würde, hätte niemand von ihnen erwartet. Lebewesen, die sowohl den gewaltigen Druck der Tiefe als auch das Fehlen des Drucks an der Oberfläche vertragen. Und das ganz ohne Thermoschutzanzug.

Sie schwimmen um ein Schiffswrack herum, das kaum noch als solches zu erkennen ist. Selbst massiver Stahl kann von dem Druck der Tiefe verbogen werden. Schließlich tauchen sie ganz allmählich wieder auf, gemächlicher als hinab, damit die Anzüge langsam die Zusammensetzung ihrer Atemluft verändern können und sie sich wieder an die normale Luft gewöhnen können.


Solch ein Tiefseeanzug könnten sie jetzt auch brauchen, überlegt Nicole sich. Thermoisoliert und Tiefseetauglich. Und dabei sitzt sie hier in der Dunkelheit und hört das Gluckern und Blubbern des eindringenden Wassers, den möglichen Untergang San Marinas.

"Was machen wir jetzt," fragt Nicole in die Dunkelheit. "Sollten wir nicht versuchen, selber einen Ausweg zu suchen, bevor hier alles zusammenbricht?"

"Wenn wir uns hier unten auskennen würden, wäre das überhaupt kein Problem. Aber ich war noch nie hier unten und habe keinen Schimmer, wo die Gänge hinführen könnten. Schlimmer noch, ich weiß nicht einmal, wo Gänge beginnen und ob es überhaupt welche gibt. Und wo sollten wir schon hin?"

"Ich hab an eine Klassenfahrt von mir gedacht," meint Nicole zögernd. "Wir waren im Dudebody Tiefseetauchen. Mit Taucheranzügen, die Thermoisoliert und Tiefseetauglich waren."

"Bei einem plötzlichen Wassereinbruch würden uns solche Taucheranzüge auch nicht helfen. Nur wenn das Wasser ganz langsam eindringen würde, hätten wir genug Zeit uns an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen. Du hast die Gewalt des Wasser bei einem plötzlichen Wassereinbruch gesehen."

Schweigend lauschen sie dem Wasser. Wer hätte gedacht, daß es hier so dunkel werden kann? Nichts, überhaupt nichts kann man hier erkennen. An der Oberfläche wird es selbst in der dunkelsten Nacht nicht so extrem dunkel.

Wenn man sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnt hat, kann man immer noch den Horizont erkennen, die Schatten irgendwelcher Bäume oder Häuser sehen. Doch hier gibt es nichts. Kein Licht, nicht einmal die sonst in San Marina allgegenwärtige Notbeleuchtung in den Gängen. Keine hellen Schilder \‚Notausgang'. Keine Pfeile, die den Weg durch die Gänge weisen, den man nehmen muß, um in Sicherheit zu sein.

"Was wohl in den anderen Bereichen der Stadt im Moment los ist? Ob wohl Panik ausgebrochen ist oder ob die meisten Leute womöglich noch nicht einmal wissen, daß etwas nicht stimmt?"

"Ich weiß es nicht. Wenn die Zugänge zur U-Bahn rechtzeitig verriegelt wurden, ist es gut möglich, daß die meisten Berieche der Stadt das nicht direkt bemerken. Aber so eine Nachricht wird sich sicherlich innerhalb von Minuten herumsprechen."

Es dauert eine Weile, bis Marko schließlich weiter spricht: "Vermutlich werden die Leute momentan an den Tiefseeschleusen in den oberen Bereichen der Stadt Schlange stehen. Hunderte Leute, die mit kleinen Shuttles und Tiefseeanzügen versuchen, an die Oberfläche zu gelangen."

"Theoretisch gibt es ja einen Notfall-Evakuierungsplan. Ich bezweifele allerdings, ob die Leute diesen befolgen. Wenn Panik ausgebrochen ist, wird jeder versuchen, sich selber zu retten."

Nicole erinnert sich an die vielen Notfallübungen, die sie im Laufe ihrer Zeit in Sam Marina zweimal im Jahr mitgemacht hat. Wenn die Alarmlichter in den Gängen und Räumen ihres Bereiches der Stadt zu blinken und leuchten begonnen haben und alle Leute langsam zu den Schleusen gelaufen sind und sich dort nach Alter sortiert angestellt haben. Wie sie dann in Shuttles oder Tiefseeanzüge die Stadt verlassen haben und an einer anderen Stelle wieder betreten haben. Das waren Übungen, jeder wußte, daß keine Gefahr besteht, daß sie hier unter dem Meer völlig in Sicherheit sind.

Und doch haben sie bei jeder Übung Angst gehabt, daß es einmal wirklich um ihr Leben gehen könnte, wenn sie das Geübte anwenden müssen. Die Angst, die man immer im Hinterkopf hatte, wenn der Alarm begann und eine Übung stattgefunden hat, war also nicht völlig unbegründet, überlegt sich Nicole nun.


Keiner weiß, wie viel Zeit vergangen ist, bis sie wieder ein Geräusch hören. Sie haben Hunger, aber das ist nicht weiter schlimm. Sie sind müde, doch auch das ist eigentlich kein Problem für sie. Sie sind verzweifelt, doch auch das ist eigentlich egal. Das einzige, was sie im Moment wirklich beschäftigt, ist ihr Durst.

Ihren Orangensaft und den Pfefferminztee haben sie bereits vor Ewigkeiten ausgetrunken, als sie ihre Vorräte gegessen haben. Und nun sitzen sie hier und ihnen wird bewußt, daß sie vielleicht noch mehrere Stunden, womöglich gar Tage oder Wochen warten müssen.

"Es hilft nichts," erklärt Nicole schließlich. "Wir müssen hier weg. Es kann Tage dauern, bis wir hier gefunden werden. Oder sogar noch länger. Und wir haben keinerlei Vorräte mehr. Wir müssen selber einen Weg finden."

Es dauert ein paar Sekunden, bis Marko ihr antwortet: "Das ist ja alles schön und gut, aber, weiß du, in welche Richtung wir gehen müssen? Und weist du, ob unsere Helmlampen lange genug halten? Wenn wir nichts mehr sehen, dann können wir mit jedem Schritt von diesem Sims in den Abgrund stürzen."

"Ja, schon," entgegnet Nicole, "aber, um ehrlich zu sein, ich kann hier nicht mehr lange rumsitzen. Und wenn ich schon sterben soll, dann lieber bei dem Versuch, mich zu retten als beim Warten. Wir können ja mit unseren Stiften Pfeile an die Wände malen, in welche Richtung wir gehen. Wenn dann irgendwer entlang unseres Weges ist, dann weiß er, in welche Richtung wir gelaufen sind und wird uns finden."

Schließlich willigt Marko in ihren Vorschlag ein und sie schlurfen langsam über den schmalen Sims, jeden Schritt dreimal überprüfend, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend.

Meter um Meter schleichen sie den Weg entlang, keine Treppen, keine Abzweigungen, nichts unterbricht die Monotonie des Weges. Da Nicole vorausgeht, findet sie als erste die Treppe. Vorsichtig schiebt sie einen Fuß vor den anderen. Plötzlich merkt sie, daß sie keinen Boden mehr unter ihrem Fuß hat und schreit auf. Marko prallt in der Dunkelheit gegen sie, bevor er anhalten kann.

"Was ist los," fragt Marko mit zitternder Stimme.

"Hier ist Ende, der Weg hört hier auf."

Marco kann kaum sprechen vor Überraschung. "En - En - Ende?"

"Naja, der Boden hört halt einfach auf hier," erklärt Nicole unsicher, während sie nach ihrer Helmlampe tastet. "Wie gut nur, daß ich jeden Schritt nur langsam gemacht habe. Und trotzdem wäre ich fast runtergefallen." Ihre Stimme bricht bei den letzten Worten.

Sie findet den Schalter der Lampe und knipst das Licht an ihrem Helm an. Im ersten Moment ist der Unterschied zu völliger Dunkelheit so groß, daß sie völlig geblendet werden und die Augen schließen müssen. Doch bereits nach Sekunden haben sie sich an das schwache Licht ihrer Lampen gewöhnt und können ihre Umgebung schemenhaft erkennen. Die rohe Wand neben ihnen, der schmale Sims, auf dem sie gelaufen sind, unter und hinter ihnen und die schwarze Tiefe daneben. Nicole richtet ihre Lampe nach vorne und unten. Was sie sieht, entlockt ihr ein "Oh" der Überraschung.

Auch Marko erkennt nun, was sich vor ihnen befindet. Eine schmale Treppe aus unebenem Beton, die schräg nach unten führt. Immer weiter, bis sie den schwachen Lichtschein ihrer Lampe verläßt. Als Nicole ihrer Lampe neben der Treppe in die Dunkelheit richtet, sieht sie in der Tiefe schwache, unregelmäßige Reflexionen ihres Lichtscheines. Nur ein winziges Fünkchen, aber dennoch vorhanden.

Sie setzt sich auf ihren schmalen Sims. Die plötzliche Erkenntnis läßt ihre Beine zu Wackelpudding werden. "Mein Gott, hier ist also auch Wasser!"

Marko hat seine Lampe mittlerweile auch angeschaltet und betrachtet die schwarze Tiefe. Er muß genau hinschauen, um überhaupt etwas zu erkennen. Wie tief unten das Wasser ist, kann man unmöglich sagen. Dreißig Meter? Fünfzig? Hundert? Oder noch viel mehr? Ohne weitere Anhaltspunkte unmöglich zu sagen.

"Das muß altes Wasser sein," erklärt Marko, während er seine Lampe wieder abschaltet, um Batterien zu sparen. "Wenn auch hier Wasser eingedrungen wäre, hätten wir es gehört. Diese nackten Wände, da kann man kilometerweit hören. Die Wände verstärken die Geräusche oder so. Weiß nicht genau, aber es muß einfach altes Wasser sein."

"Hm," überlegt Nicole, "das mag schon sein, aber, was machen wir jetzt?"

"Weitergehen natürlich, was denn sonst," erklärt Marko. "Wir haben hier eine Treppe, und die muß auch irgendwo hin führen, vielleicht zu einem Ausgang oder so."

"Vielleicht führt sie aber auch ins Wasser," überlegt Nicole niedergeschlagen. "Ein großes Risiko, oder?"

Marko betrachtet die Treppe, soweit sie vom schwachen Licht Nicoles Lampe beleuchtet wird. "Alles ist momentan ein Risiko. Auch hierbleiben oder einfach zurückgehen ist ein Risiko."

"Aber..." wendet Nicole ein, doch Marko läßt sie nicht ausreden.

"Wir müssen unglaublich vorsichtig sein, noch vorsichtiger als bisher. Wer weiß, ob wir das nächste Mal die Gefahr genauso gut erkennen wie dieses Mal?" Langsam beginnt Marko mit dem Abstieg. Nachdem Nicole einen Pfeil die Treppe herunter an die Wand gemalt hat, folgt sie ihm langsam.


Scheinbar endlos scheint die Treppe in die Tiefe zu führen. Gelegentlich schaltet einer kurz die Lampe an, um ihren Weg zu überprüfen. Immer sehen sie nur die Treppe sich bis an der Rand ihres Lichtes erstrecken. Auch links von ihnen die Wasserfläche scheint nicht näher zu kommen, glitzert immer in unendlich ferner Tiefe. Anfangs waren die Stufen relativ glatt und eben, doch je weiter sie hinab steigen, desto unebener wird ihr Weg. Möglicherweise kommt irgendwann der Punkt, wo man die Treppenstufen nur noch als solche erkennt, weil man bereits seit geraumer Zeit eine Treppe hinab steigt. Aber noch liegt dieser Punkt in der Ferne. Nur einmal halten sie kurz an, als Nicole über eine Unebenheit stolpert und aufschreit vor Schreck.

"Nicole?" fragt Marko besorgt. "Alles OK?"

"Ich bin über ein Loch in einer Stufe gestolpert," erklärt sie Marko, der bereits fünf Stufen weiter unten ist.

"Wir machen hier kurz Pause," erklärt Marko und setzt sich auf eine der unebenen Stufen. Auch Nicole setzt sich. Marko sucht sein letztes Pausenbrot aus dem Rucksack.

"Hunger?"

"Und wie! Her damit!"

"Es ist aber unser letztes."

"Dann heben wir es noch auf. Wer weiß, wie lange wir hier unten noch festsitzen."

"Weißt du, warum wir hier immer weiter nach unten laufen? Die U-Bahn war doch bereits unter dem Meeresgrund."

"Das wir der Dmacpiop-Graben sein. Teile der Stadt reichen noch viel tiefer herunter, speziell gesicherte Forschungsstationen zur Erforschung der Tiefsee."

"Ist es klug, immer wieder hinab zu steigen?"

"Die Stationen sind speziell gesichert. Davon abgesehen befindet sich unter der Ebene der U-Bahn auch die Kanalisation sowie verschiedene Versorgungseinrichtungen. Und umkehren ist auf jedem Fall blöd."

Sie ruhen sich noch ein paar Minuten aus, brechen dann wieder auf und steigen weiter in die unergründliche, schwarze Tiefe hinab. Stufe um Stufe weiter durch die Dunkelheit. Sie kommen aus dem nichts und gehen ins nichts, hinterlassen unterwegs nicht mehr als die gelegentlichen Kreidepfeile an der Wand.


Eine sehr lange Zeit später verändern sich die Stufen plötzlich. Sie spüren alte Feuchtigkeit in der Luft, die Kanten der Stufen sind abgerundet und rund. Keine scharfen Kanten, wie noch ein paar Meter weiter oben, die durch ihre leichten Schuhe stechen. Doch der auffälligste Unterschied ist die Oberfläche der Stufen selber. Waren die Stufen weiter oben hart und staubig, so ist die Oberfläche hier eher weich und glitschig. Feuchtigkeit ist in der Luft, die die Kanten der Stufen seit Jahren rund schleift und die Oberfläche schlüpfrig und glatt macht. Selbst die Luft scheint feucht zu sein, ein Gefühl, das für die Bewohner der vollklimatisierten Waben San Marinas so ungewöhnlich ist, daß sie es erst erkennen, als sie die nassen Stufen unter ihren Füßen spüren. Die Wasserfläche neben der Treppe, auf der sich ihre Lampen spiegeln, wenn sie nach unten schauen, scheint noch immer unendlich weit entfernt zu sein, auch wenn sie die Feuchtigkeit schon spüren können.

"Das hier muß eines der Trinkwassereservoire der Stadt sein," wird Nicole klar. "Das ist kein Salzwasser, Salzwasser riecht anders."

"Hm, ja, wir sind so weit nach unten gelaufen, wir müssen schon weit unter dem Meeresboden sein. Wahrscheinlich treffen wir hier bald auf Wartungsschächte mit Notbeleuchtung."

"Na hoffentlich," meint Nicole skeptisch, während sie weiter der schwarzen Tiefe entgegen steigen.


Ein knackendes, reißendes Geräusch erfüllt plötzlich die Dunkelheit, gefolgt von einem langgezogenen Schrei.

Eine fehlende Stufe ist der Auslöser, ein falscher Schritt, den Nicole auf eine der alten Stufen gemacht hat. Die Stufe, seit über 30 Jahren dem Wirken des Wassers und dem Wind eines Luftkanals ausgesetzt, ist sie so stark angegriffen, daß bereits das geringe Gewicht Nicoles ausreicht, sie völlig zum Einstürzen zu bringen.

Sich überschlagend stürzt Nicole in die Tiefe. Ihr langer, unartikulierter Schrei wird hallend von den Wänden zurückgeworfen. Sie fällt, fünf Meter, zehn, fünfzehn. Sie schlägt mit dem Arm gegen die Wand. Entsetzliche Schmerzen breiten sich in ihrem Arm aus, während sie sich überschlagend weiter in die Tiefe stürzt. Ihre Blase gibt nach und entleert sich, während sie sich immer schneller dem Wasser nähert.

Ihr Rucksack rettet ihr schließlich das Leben, als sie nach über 30 Metern mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche prallt. Noch während Marko oben auf der Treppe nach dem Schalter seiner Lampe sucht, kommt Nicole nach Luft schnappend wieder an die Oberfläche.

"Nicole?" Marko richtet seinen Blick erst nach vorne und sieht die zerbrochene Stufe. Dann schaut er nach unten, wo Nicole verzweifelt versucht, nicht unter zu gehen.

Marko überspringt die nächsten drei Stufen, die sehr stark von Wind und Wasser angegriffen sind und landet auf den nächsten stabilen Stufen. Er sprintet die Treppe herunter in die Tiefe, hinab zum Wasser. Knapp 1 Meter über der Wasseroberfläche führt ein schmaler Sims an der Wand entlang, den Marko jetzt entlang läuft.

Verzweifelt versucht Nicole an der Wasseroberfläche zu bleiben, während Marko mit tanzender Helmlampe auf sie zu läuft. Ihre mit eiskaltem Wasser durchtränkten Klamotten ziehen sie nach unten, ihr wird sehr kalt, ihren rechten Arm kann sie überhaupt nicht bewegen. Sämtliche Muskeln ihres Körpers schmerzen von ihrem harten Aufprall auf das Wasser.

Wie schön wäre es jetzt, sich einfach sinken zu lassen und von völliger Ruhe umschlossen zu werden. Doch dann denkt sie an ihre Freunde und ihre Familie. Sie wird nicht aufgeben. Und wenn sie doch irgendwann ertrinkt, dann nicht, weil sie aufgegeben hat, sondern, weil es nicht mehr geht. Und bis dahin wird sie kämpfen.

Marko zieht im Laufen seinen Rucksack ab und läßt ihn auf den Weg fallen. Den Helm legt er hin. Das Licht leuchtet über die Wasserfläche und beleuchtet die heftig um sich schlagende Nicole, deren Kopf immer wieder unter die Wasseroberfläche sinkt.

Er springt ins Wasser, als Nicole erneut untergeht. Ihre Bewegungen werden schwächer, während Marko zu ihr schwimmt. Als Marko sie erreicht, muß er tauchen, um sie zu fassen zu kriegen. Ihre Kräfte sind völlig erschöpft und sie kann aus eigener Kraft bei ihrer Rettung nicht mithelfen.

Auch Marko merkt, wie seine Muskeln sich schnell abkühlen und ihm nicht mehr richtig gehorchen. Mühsam zerrt er Nicole an das Ufer. Es gelingt ihm, unter Aufbietung seiner letzten Kraftreserven, den schmalen Sims zu erklettern, während er Nicole mit einer Hand am Kragen über Wasser hält.

Mühevoll zieht er Nicole Zentimeter um Zentimeter aus dem Wasser, als seine Hand abrutscht und Nicole mit einem leisen, gleitenden Geräusch langsam wieder Stück für Stück im Wasser versinkt. Marko hält sie erneut fest, diesmal sicherer, und zieht sie wieder aus dem Wasser.

Schließlich gelingt es ihm, sie ganz an das rettende Ufer zu ziehen. Sie ist ohnmächtig, doch er kann deutlich ihren Atem hören. Sie lebt noch. Wenigstens das.


Nicole liegt tropfnaß zitternd auf dem Sims, ihr rechter Arm ist ein einem völlig unnatürlichen Winkel geknickt und mit Sicherheit mindestens gebrochen. Marko stellt das Licht aus, um Strom zu sparen. Er zieht seinen Pulli aus und versucht, das Wasser raus zu wringen. Trotz der Kälte zieht er auch sein T-Shirt aus und versucht es so gut wie möglich zu trocknen. Als das T-Shirt soweit trocken ist, das das Wasser nicht mehr heraustropft, zieht er es wieder an. Im ersten Moment ist es schrecklich kalt, doch nach ein paar Sekunden wird es durch seinen Körper aufgewärmt.

Nun versucht er mühsam, Nicole ihren Pulli auszuziehen, um auch diesen zu trocknen. Vorsichtig zieht er Nicoles gesunden Arm aus dem vom Aufprall halb zerrissenen Ärmel. Langsam zieht er den Pulli über ihren Kopf und zieht zum Schluß den verletzen Arm aus dem Pulli.

Ebenso vorsichtig zieht er Nicole das nasse T-Shirt aus. Als das erledigt ist, nimmt er seinen eigenen, mittlerweile halbwegs trockenen Pulli und zieht ihn Nicole an, damit sie nicht so sehr auskühlt. Eine gute halbe Stunde dauert die ganze Aktion, mindestens. Nun macht er sich daran, Nicoles Pulli sowie sein übrigen Klamotten zu trockenen. In ewiger Stille und völliger Dunkelheit trocknet er die Klamotten Millimeter für Millimeter. Schließlich hat sind alle Klamotten bis auf Nicoles Unterwäsche wieder trocken. Marko macht ein paar Minuten Pause, in denen er versucht, in der völligen Stille andere Geräusche als seinen und Nicoles Atme zu vernehmen.

Nach einiger Zeit schließlich entscheidet er, daß es nichts zu hören gibt, und macht sich dran, aus den Überresten von Nicoles Rucksack, der beim Aufprall auf die Wasseroberfläche völlig zerfetzt wurde, eine Schlinge für ihren verletzten Arm zu basteln. Dann hat er nichts mehr zu tun und kann nur noch warten.


Scheinbar endlos lange liegt Marko da und wartet. Er kuschelt sich an Nicole, damit sie beide weniger Wärme verlieren und es ein wenig wärmer haben. Eine scheinbar endlos lange Zeit geschieht überhaupt nichts.

Dann bemerkt Marko schließlich ganz langsam etwas Neues. Es erscheint so langsam, daß Marko erst überhaupt nicht weiß, was es ist. Es wird unmerklich ganz langsam stärker, bis Marko schließlich klar wird, daß er den Widerschein eines weit entfernten Lichtes sieht.

"Hallo? Hier sind wir! Hiiiiiiilfeee!, ruft er, so laut er kann, immer wieder. Immer wieder macht er kurze Pausen, um nach einer Antwort zu horchen, doch nichts ist zu hören. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg wird der Widerschein des Lichtes immer heller, so langsam, daß man kaum merkt, daß sich überhaupt etwas verändert.

Es ist unglaublich, wie weit man in der ewigen Nacht der Eingeweide San Marinas das schwache Licht als unmerklichen Streifen auf dem Wasser erkennen kann. Nichts ist zu hören außer Nicoles schwachen Atemzügen und dem Klappern von Markos Zähnen in der Kälte. Hier unten, in den Innersten Bereichen der Stadt hat die Luft die gleiche Temperatur wie das alles umgebende Tiefseewasser, knapp 4 Grad. Immer wieder schaut er nach Nicole, ist jedoch, was ihren Zustand betrifft, völlig hilflos.

Das Licht wird nur sehr langsam heller, so langsam, daß man es nur daran erkennt, daß die Umgebung und der eigene Körper ganz langsam wieder als Umrisse wahrzunehmen sind. Und ebenso langsam, wie das Licht heller geworden ist, wird es schließlich auch im Laufe von mehreren Stunden wieder dunkler, bis es schließlich so weit weg ist, daß man es nicht mehr wahrnehmen kann. Eine enttäuschte Hoffnung.


Eine unbekannte Zeitspanne später, Marko weiß nur, daß er tierisch Hunger bekommen hat, erwacht Nicole aus ihrer tiefen Bewußtlosigkeit.

Schmerzen durchrasen ihren gesamten Körper. Die beim Aufprall auf das Wasser verletzte Haut scheint zu verbrennen, ihr rechter Arm pocht vor Schmerzen. Es ist kalt. Und sie hat Durst, schrecklichen Durst. Ein schwaches Stöhnen entrinnt ihrem Mund und Marko, der eingeschlafen war, ist sofort wieder hellwach.

Nur mühsam gelingt es Nicole, ihre Gedanken zu ordnen. Etwas mit Wasser ist geschehen. Und mit Dunkelheit. Sie konzentriert sich auf die Dunkelheit und verspürt ein Gefühl der Übelkeit, das Kurzfristig alle anderen Empfindungen überdeckt. Doch als die Übelkeit vergeht, kommen ihre Schmerzen sofort wieder.

Sie versucht zu sprechen, doch mehr als ein krächzendes "wo..." gelingt ihr nicht, bevor ihre Stimme versagt. Marko hält ihr eine Wasserflasche an den Mund und gibt ihr etwas Wasser, das sie begierig trinkt, auch wenn ihr Hals dabei zu brennen scheint. Nachdem ihr Durst erst einmal etwas gestillt ist, kann sie sich auch wieder erinnern, wo sie sich befindet und was geschehen ist.

"Noch dunkel," stellt Nicole mit krächzender Stimme fest.

"Ja," antwortet ihr Marko. "Es ist noch dunkel. Zwischendurch hab ich mal den Widerschein eines entfernten Lichtes gesehen, doch das ist dann wieder verschwunden. Ich hab die ganze Zeit gerufen, und als es wieder dunkler geworden ist, wäre ich fast ausgeflippt. Aber niemand hat meine Rufe gehört."

"Wie lange..." beginnt Nicole, doch dann bricht ihre Stimme ab. Mehr zu sagen, ist ihr nicht möglich. Ihre Stimme gehorcht ihr kaum. Abertausende Angelhaken reißen ihr den Hals auf und zerren an ihren Stimmbändern.

"Wie lange wir hier schon warten?" vollendet Marko ihre Frage. "Ich weiß es nicht. Als ich dich aus dem Wasser gezogen hab, ist meine Uhr kaputt gegangen. Sehr lange. Vielleicht einen halben Tage, vielleicht einen ganzen oder sogar zwei. Das Licht hat zum heller und dunkler werden Stunden gebraucht. In der Dunkelheit hier kann man die Zeit so schlecht schätzen. Genauer weiß ich es nicht. Ich hatte schreckliche Angst, daß du sterben könntest und ich nix dagegen machen kann. Oder das das Wasser steigt. Oder sonst etwas. Alleine in der Dunkelheit ist echt Scheiße. Hätte ich nicht auf dich aufpassen müssen, wäre ich wahrscheinlich schon lange durchgedreht."

Marko wird klar, daß das völlig der Wahrheit entspricht. Ohne sich um Nicole kümmern zu müssen, hätte er wahrscheinlich etwas Verrücktes gemacht und wäre dabei umgekommen.

"Wie geht es dir?"

"Schmerzen," antwortet Nicole mit schwacher, zitternder Stimme. "Überall. Und kalt. Aber ich lebe noch."

"Ich hab versucht, deine Klamotten zu trocknen. Aber kalt ist es trotzdem. Ich hab dir meinen Pulli gegeben, der ist wärmer als deiner. Du hast echt Glück, das ich nicht kleiner bin als du."

"Durst," flüstert Nicole kaum hörbar und Marko hält ihr wieder die Flasche an den Mund.

"Ruh dich aus, versuch nicht zu sprechen. Wir können nur hier warten und hoffen, daß jemand unsere Kreidezeichen entdeckt und uns hier findet. Und bis dahin müssen wir einfach hier liegen und warten. Wir können nirgendwo hin laufen. Ich hab unseren Weg hier ein wenig untersucht. Nach rechts führt er zu einer Treppe die ins Wasser führt und nach Links ist an einer Wand plötzlich Ende. Die Treppe hochgehen können wir nicht, die ist zusammengebrochen, als du abgestürzt bist."

Marko legt sich neben Nicole, nimmt sie in den Arm und wärmt sie mit seinem Körper, während sie darauf warten, daß etwas geschieht.


Marko schläft ein wenig, als sich schließlich etwas ändert. Ein klapperndes, zischendes Geräusch ist zu hören, kurz darauf gefolgt von hellem Licht. Nicole versucht, zu rufen, was ihr jedoch nicht gelingt. Schnell weckt sie Marko.

"Licht," krächzt sie, als er wach wird. Überrascht blinzelt Marko und beginnt dann um Hilfe zu rufen. Diesmal erhält er laut und deutlich eine Antwort: "Hallo? Wo sind sie?"

"Wir sind unten, am Wasser."

"Wie ist ihre Lage?"

"Wir sind zu zweit. Meine Begleiterin ist schwer verletzt."

Auf dem oberen Sims tauchen mehrere Gestalten um en Ecke herum auf. Marko springt auf und winkt ihnen wild.

"Wir sehen sie."

"Seien sie vorsichtig, die Treppe ist zusammengebrochen."

Marko sieht, wie die Gestellten den Weg vor ihnen und die Treppe überprüfen.

"Halten sie noch eine halbe Stunde durch. Wir können sie von hier aus nicht retten. Ein Rettungsboot ist unterwegs. Wie schwer sind sie verletzt?"

"Nicole ist etwas dreißig Meter oder so abgestürzt und ins Wasser gefallen. Denke, ihr Arm ist gebrochen. Außerdem ist es kalt hier. Und wir haben Hunger!"

Die Leute bewegen sich langsam und vorsichtig die Treppe hinab und erreichen schließlich das Ende des Weges direkt über ihnen.

"Wir haben etwas selbstaufwärmende Suppe dabei sowie mehrere Batteriebetriebene Heizdecken dabei. Wir werden diese jetzt langsam zu ihnen herunter lassen."

Eine Tasche an einem langen Seil bewegt sich langsam zu ihnen herunter.

"OK, ich hab die Tasche."

"Lösen sie den Knoten, dann zeihen wir das Seil wieder hoch. Das Rettungsboot müßte so in einer halben Stunde hier sein."

Das Seil wird wieder hochgezogen, während Marko die elektrischen Heizdecken und die Nahrungsmittelbehälter auspackt. Er wickelt Nicole vorsichtig in einer der Heizdecken ein und aktiviert das Heizmodul. Eine zweite Decke hängt er sich um die Schultern. Ihm wird bereits warm, während er die Nahrungsmittelbehälter öffnet und der angenehme Duft von warmer Tomatensuppe mit Reis in ihre Nasen steigt. Wie behaglich man sich fühlen kann, nur weil es warm wird und man die Aussicht auf Essen hat.

Langsam füttert er Nicole mit der Suppe, bis sie wenigstens die halbe Portion gegessen hat. Dann beginnt er selber, zu essen. Es dauert eine Weile, bis sein Magen bereit ist, die Nahrung wenigstens probeweise zu akzeptieren, doch schließlich gewöhnt er sich wieder daran. Erst jetzt wird ihm klar, wie stark sein Hunger geworden war.

Die Leute, die ihnen die Versorgungsgüter gebracht haben, entfernen sie wieder, um nach weiteren Überlebenden hier unten in den Eingeweiden der Stadt zu suchen.


Bereits kurze Zeit später sehen sie einen hellen Schein sich im Wasser auf sie zu bewegen. Ein elektrisches U-Boot, das in den Trinkwasserbehältern der Stadt zu Wartungszwecken unterwegs ist. Kurz vor der Stelle, an der sie sich befinden, taucht es aus dem Wasser auf, vielleicht eineinhalb Meter breit und hoch und bestimmt zehn Meter lang. Träge treibt der zigarrenförmige, graue Stahlklotz auf dem Wasser. Eine Klappe an der Oberseite wird geöffnet und eine Frau taucht daraus auf.

"Hallo," sagt sie und winkt ihnen zu. Grinsend und lachend winkt Marko zurück. Langsam dreht das Boot bei und legt mit der langen Seite voraus an ihrem Sims an. Die Frau springt leichtfüßig zu ihnen herüber und ein zweiter Mann taucht auf.

"Wie geht es euch?"

"Schon besser. Nicole ist verletzt, sie muß dringend behandelt werden."

Die Frau schaut sich Nicole an, die schwach lächelt und versucht, zu sprechen.

"Sag nichts," meint die Frau mit leiser, einfühlsamer Stimme zu Nicole. "Mach dir keine Sorgen, jetzt wird alles gut."

Vorsichtig heben die Frau und der Mann Nicole hoch, während Marko zur Seite tritt. Langsam tragen sie Nicole, die sichtlich Schmerzen hat, zum Eingang des U-Bootes und schieben sie dann durch die schmale Luke ins Innere, wo sie eine andere Person in Empfang nimmt. Dann klettert auch Marko ins Innere des Bootes und nachdem auf ihre beiden Retter wieder an Bord sind, fährt das Boot zurück zum Hafen.

In der Personenkabine ist es angenehm warm. Während Marko seinen noch immer nassen und kalten Pullover auszieht und gegen einen dicken, gestrickten Pullover von einem der Männer tauscht, kümmert sich die Frau um Nicoles Verletzungen, gibt ihr eine schmerzstillende Injektion. Sie desinfiziert notdürftig Nicoles Wunden.

"Wie geht es ihr," fragt Marko die Frau schließlich.

"Sie wird durchkommen. Ihr Arm ist gebrochen und ihre Haut an vielen Stellen verletzt. Ob sie Innere Verletzungen hat, kann ich hier nicht feststellen. Das müssen sie nachher im Krankenhaus untersuchen."

"Wie ist die Lage in der Stadt?"

"Schlimm. Mehrere Bezirke wurden komplett überflutet. Ebenso die gesamte U-Bahn und der Fernbahntunnel zum Festland. Mehrere Module haben sich aus ihrer Verankerung gelöst und sich in sich zusammengebrochen. Die gesamte Stromversorgung sowie die Kommunikation sind zusammengebrochen. Mehrere kleiner Feuer sind ausgebrochen, die jedoch mittlerweile alle gelöscht werden konnten. Sie Sauerstoffversorgung funktioniert nur auf Notfallstatus. Langsam wird die gesamte Stadt evakuiert, während von der Oberfläche in Unterseetankern Sauerstoff geliefert wird. Es ist ziemlich schlimm in der Stadt."

"Oh!"

"Wie habt ihr geschafft, euch zu retten," fragt die Frau Marko.

Marko erzählt von dem Geräusch und wie sie die Schwachstelle im Tunnel gefunden haben. Erzählt von ihrem verzweifelten Versuch, die Tore zu schließen und wie sie schließlich durch die Klappe in der Wand geflohen sind. Er erzählt von der Dunkelheit und davon, daß sie sich schließlich entscheiden haben, einen Weg nach draußen zu suchen. Als er mit erzählen fertig ist, fragt er: "Wie lange haben wir in der Dunkelheit gesessen?"

"Das waren fast viereinhalb Tage."

"Viereinhalb Tage! Kein Wunder, das ich Hunger hab."

Die nächsten zwei Tage verbringt Marko bei Nicole in der Krankenstation, nachdem er festgestellt hat, daß sowohl seine Familie als auch die Familie Nicole bereits auf das Festland evakuiert wurden. Dann werden auch er und Nicole evakuiert.


hoch

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Genres:
* Prosa * Science Fiction * Abenteuer *


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