Das Glas Wasser #1 – im Herrenhaus


"Mark, hast du Durst?"

"Na ja, ein bisschen," antwortet Mark auf Sabrinas Frage. Es ist immer das selbe mit ihr. Warum fragt sie ihn nicht gleich, ob er ihr ein Glas Wasser holt? Aber nein, sie fragt ihn, ob er Durst hat. Wenn ja, kann er ihr ja was mitbringen und wenn er nein sagt, ist sie beleidigt.

Heute will Mark vermeiden, dass sie sich streiten, es ist schließlich ihr letzter Tag zusammen für die nächsten drei Wochen. Also fragt er sie höflich, ob er ihr ein Glas Wasser mitbringen soll.

"Das wäre nett von dir," sagt sie und lächelt ihn an, glücklich, dass er ihre Gedanken lesen kann. Er macht sich auf den Weg in die Küche.

Im Flur geht das Licht mal wieder nicht. Das ist typisch für diese alten Herrenhäuser mittendrin im Nirgendwo. Dieses hier gehört Sabrinas Tante, die sich gut mit Mark versteht. Immer, wenn es sich einrichten lässt, besucht Sabrina ihre Tante. Dort trifft sie sich mit Mark udn sie fahren ins alte Herrenhaus. Sabrinas Eltern haben etwas dagegen, dass sie sich mit Mark trifft. Sie glauben, Sabrina wäre noch zu jung für einen Freund. Dabei ist sie schon 17 und viel erwachsener als so mancher zwanzigjährige, den Mark kennt.

Wie dem auch sei, sie treffen sich immer in diesem Haus, damit sie sich überhaupt mal sehen. Und in so einem alten Herrenhaus funktioniert eben nicht immer alles so, wie man es gerne hätte. Na, wenigstens in der Küche funktioniert das Licht. Und mittlerweile findet er auch auf Anhieb den Schrank mit den Gläsern. Am Anfang, wie sie die ersten Male hier waren, hat er immer Stunden damit zugebrachte, die Sachen zu suchen, die er braucht. Doch mittlerweile findet er fast alles sofort.

Er dreht den Wasserhahn auf und lässt erst mal etwas Wasser weglaufen. Die Leitungen sind hier so rostig, da bekommt man nur Durchfall, wenn man gleich das erste Wasser trinkt, das aus der Leitung kommt. Er weiß jedoch mittlerweile, wie viel Wasser er weglaufen lassen muss. Nach drei Minuten ist das Wasser klar und er macht das Glas voll.

Er dreht das Wasser ab und geht zu Sabrina zurück. Wieder versucht er, das Licht im Flur anzumachen. Und wieder geht es nicht. Wenn dieses Haus hier öfter benutzt würde, müsste man mal einen Elektriker kommen lassen. Aber nur für die gelegentlichen Besuche von ihm und Sabrina lohnt es sich nicht.

Sabrina liegt auf dem Sofa und wartet schon auf ihn, als er endlich mit dem Glas Wasser wieder bei ihr ist.


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Genres:
* Prosa * Liebe *


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