Das Glas Wasser #10 - ein Kriminalfall


Jetzt ein Glas Wasser, denkt sich James, das wäre schön. James sitzt in seinem Büro und ist am arbeiten. Ein schwieriger Fall, sowas hatte er schon lange nicht mehr. James heißt eigentlich James Blond 005 und ist Privatdetektiv. Seit ungefähr 19,81 Stunden sitzt er nun schon in seinem Büro und blättert die 17 3/4 Ordner mit Unterlagen durch, die seine Sekretärin ihm gegeben hat.

Wie komme ich bloß weiter, fragt er sich. So ein schwieriger Fall, daß ich es noch nicht einmal schaffe, mir ein Glas Wasser zu holen. Vor 15,47 Stunden ist seine Sekretärin nach Hause gegangen und ungefähr 7 1/2 Minuten länger ist es schon her, daß James etwas gegessen oder getrunken hat.

Und mit seinem Fall kommt er einfach nicht weiter. So etwas verzwicktes, das ist nun wirklich schon lange her. Wenn er es sich richtig überlegt. ist es sehr lange her, seit er überhaupt mal einen Fall hatte.

Wie komme ich bloß weiter? Wer ist hier der Böse und was ist überhaupt passiert? Ich glaube, denkt er sich, ich habe nur Brei in der Birne. Etwas trinken löst vielleicht den Brei auf, und dann, ja, dann ist der Fall eventuell lösbar.

Weitere 18,80 Minuten dauert es, bis sich James dazu durchringen kann, daß er selber das Glas Wasser holen muss, wenn er nicht warten will, bis seine Sekretärin am Montag wiederkommt. Weitere zwei Minuten später steht er auf und geht ins Vorzimmer seines Büros, denn nur dort gibt es einen Wasseranschluß.

Immernoch kreisen seine Gedanken um diesen rätselhaften Fall, von dem er immer noch nicht weiß, was er zu bedeuten hat. Sicherlich wird er es irgendwann wissen, spätestens, wenn er in der Zeitung liest, wie er den Fall gelöst hat. Und bis dahin denkt er eben noch ein wenig über hindelrichen Brei in der Birne nach und versucht, diesen mit Wasser zu bekämpfen.

Oh Scheiße, fährt es ihm durch den Kopf. Da hat seine Sekretärin doch tatsächlich wieder vergessen, die Tassen zu spülen. Also muß er sich selber eine Tasse spülen, damit er ein Glas Wasser trinken kann. Nicht das erste Mal, erinnert er sich. Einmal kam seine Sekretärin auf die Idee zu streiken, weil sie ihm nicht alle 5 Minuten einen Kaffee bringen wollte. Seit dem trinkt er Montags und Donnerstags immer Tee.

Er macht sich ein Glas Wasser voll und trinkt es in einem Zug aus. Und plötzlich ist ihm alles klar, wer der Böse ist, um was es in dem Fall geht, warum er Durst hatte, wer der Liebhaber seiner Sekretärin ist (niemand), warum Elvis doch tot ist (weil er Elvis heißt) und warum in 65,3 Jahren sowieso alle tot sind (weil Ausserirdische die Erde überfallen),


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Genres:
* Prosa * Krimi *


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