Der Duft von Tee und Honig


Lautes Summen erfüllt den Korridor. Eine schimmernde Gestalt materialisiert sich. Als sie deutlicher zu erkennen ist, sieht man, daß sie in einen dicken Pelzmantel gehüllt ist. Die Kapuze, bestehend aus dickem, weißem Fell, hat sie sich tief ins Gesicht gezogen. Ein flauschiger Schal verdeckt die untere Gesichtshälfte.

Sie schaut sich blinzelnd um. Ihre klaren Augen suchen den Korridor ab. Rechts und links besteht aus aus glattpolierten Metallplatten, keinerlei Nieten und Nähte sind zu erkennen. Und auch Türen und Fenster gibt es keine.

Ein leichter Geruch hängt in der Luft, es könnte Tee und Honig sein. Das wäre schön, denkt sie sich. Warmer, sogar heißer Tee mit leckerem Honig...

Sie dreht den Kopf. Dabei rutscht die Kapuze von ihrem Kopf und gibt ihr kurzes, schwarzes Haar frei, das sich widerspenstig in alle Richtungen ausbreitet.Ihr eckiges Kinn verstärkt den kalten Ausdruck, der in ihrem Blick liegt, noch wieter. Und ihr Blick ist wirklich kalt, obwohl sie grade an Honig und heißen Tee denkt. Ihr ganzes Leben mußte sie knallhart und immer auf der Hut sein.

Die andere Seite des Korridors sieht genauso aus, wie der Teil, den sie zuerst gesehen hat, metallisch und langweilig. Es scheint,a ls könnte dieser Korridor bis zum Horizont gehen.

Wie ganz anders das hier ist, im Vergleich zu dem, wo sie vorher war. Die Enge hier verglichen mit der Weite draußen, dem Himmel, dem Wasser und all dem.

Dabei dachte sie auf ihrem kalten, schwankenden Grund schon, daß nichts langweiliger sein kann, als zwei Monate auf einem Eisberg zu leben. Das Ganze ist überhaupt eine sehr verwirrende Geschichte.

Ursprünglich war sie auf dem Weg zum Aldebaran, wo sie der Hochzeit ihrer besten Freundin beiwohnen wollte. Doch dann ist ihr Raumschiff vom Kurs abgekommen und mußte auf diesem rückständigen Planeten notlanden. Da jedoch bei der Notlandung irgend etwas nicht funktioniert hat, mußten sie in den Rettungfähren ihr Raumshciff verlassen. Und sie mußte natürlich ausgerechnet in der ödesten Eiswüste notlanden. Und dann wird sie gerettet, und landet auf dem Raumschiff mit dem langweiligsten Korridor des Universums.

Sie überlegt, ob sie den Korridor entlang alufen soll. Irgendwer hat sie ja auf dieses Schiff gebeamt, also gibt es jemanden, der weiß, daß sie hier ist. Also ist es das vernünftigste, einfach zu bleiben und zu warten, bis sie abgeholt wird. Da sie jedoch nicht ruhig genug ist, um sich einfach hinzusetzen, läuft sie den Korridor ein Stück in die eine Richtung, dreht um und läuft wieder zurück. Immer hin und her.

Die Leute hätten ja auch noch 10 Minuten warten können, bis sie sie retten. Sie hatte sich grade in ihre gut geheizte Eishöhle zurückgezogen, um den Fünf-Uhr-Tee zu trinken. Das Wasser stand schon auf dem Kocher und hat gerade angefangen zu kochen. Vor hder Höhle hat wiederienmal der Wind um die Rettungsfähre gepfiffen und sie hat sich so richtig in ihren Pelzmantel eingekuschelt.

Der Wind war auf dem Eisberg ihr allgegenwärtiger Begleiter. Vor allem bei dem heftigen Sturm haben ihr die Ohren fast wehgetan von den Pfeifen und Surren. Das war eine Zeit heftiger Angst. Erst das Unwetter und danna uch noch ein heftiges Erdbeben, was sie durch ihre Höhle geworfen hat.

Als sie aus ihrer Ohnmacht wieder erwacht und aus der nun schrägen Höhle herausgeklettert ist, mußte sie feststellen, daß sie sich mitten auf dem Meer befand. Von der riesigen Eismasse, auf der sie vorher war, was nichts mehr zu sehen. Im ersten Moment war sie ziemlich schockiert, daß ihre Höhle nun in einem Winkel von ca. 30 Grad zum Ausgang hin geneigt war. Sie hatte wirklich Glück, daß sie nicht heraus geschleudert wurde. Das würde ein Reisebericht werden, wenn sie wieder zu Hause auf Futoria war. Der barbarische Rand der Galaxie und seine Abenteuer!

Der nächst eSchock war für sie, daß die Rettungsfähre nicht mehr da war. Auf einem Eisberg in einem unbekannten Ozean auf einem unbekannten Planeten ohne Raumfahrt gestrandet. Welches Schicksal!

Als jedoch am nächsten Tag die Sonne schien und den Schnee ein wenig getaut hat, hat sie auf der anderen Seite des Berges die Fähre wiedergefunden. Sie war einfach vom Schnee vershcüttet gewesen. So hatte sie dannw ieder Essen und Trinken und warme Sachen und das automatische Notsignal. Und natürlich Tee.

Und jetzt ist das alles wieder weg und sie in einem langweiligen Korridor auf einem Raumschiff, das von einem Planeten kommt, wo die Luft nach Tee und Honig riecht.

Erst langsam kann sie sich an den Gedanken gewöhnen, daß sie gerettet wurde. Nach Wochen der Gefahr nun wieder sicher auf einem warmen Raumschiff. Sie bleibt stehen, lehnt sich an der Wand an und schließt die Augen.So sieht sich nicht das Flimmern, daß sich über ihren Körper ausbreitet und schließlich, als sie verschwindet, zu einem lauten Summen führt.

Lediglich ein paar Schneeflocken und eine kleine Pfütze am Boden erinnern noch an sie. Doch auch diese trocknet in der trockenen Luft schnell. Es verbleibt lediglich der Korridor.


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Genres:
* Prosa * Science Fiction *


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