Plufka


Plufka schreckt hoch. Ein böser Alptraum. Ihr Herz klopft wie wild. Ihr Wecker zeigt ihr an, daß es kurz vor sechs ist. Also klingelt er in acht Minuten und sie muß aufstehen.

Sie versucht sich zu erinnern, um was es in ihrem Traum ging, schafft es aber nicht. Sie weiß nur, daß sie schreckliche Angst hatte.


Sie dreht sich um, kuschelt sich noch mal kurz unter ihrer Decke ein. Kurz darauf beginnt ihr Wecker zu fiepen. Jeden Tag dieselbe Scheiße, denkt sie sich. Sie steckt sich, stellt ihn aus, zeiht ihren Bademantel an und geht ins Bad. Ihre Mitbewohner scheinen noch zu schlafen.

Vierzig Minuten später verläßt sie das Haus. Es ist noch leer in der Stadt, der Berufsverkehr setzt in diesem Teil Berlins immer erst nach um 7 ein. Obwohl sie an einer großen Straße wohnt, kann sie diese, wenn sie pünktlich zur Arbeit unterwegs ist, diese überqueren, ohne bis zur Ampel zu müssen. Wenn sie jedoch zu spät ist, muß sie die zweihundert Meter bis zur Ampel laufen, denn dann sind mehr Autos unterwegs. Doch heute ist sie früh genug und kann die vier Fahrbahnen und zwei Busspuren ohne Schwierigkeiten überqueren.

Als sie auf dem Bahnsteig der U-Bahn ankommt, fährt der Zug grade ein. Sie steigt ein und setzt sich, kramt ein Buch raus und beginnt zu lesen. Sie fährt nur fünf Stationen, doch lesen lohnt sich immer, egal wie kurz die Fahrt ist. Bücher sind schließlich toll.

Als sie acht Minuten später aussteigt, fällt ihr auf, daß sie ganz alleine in dem Wagen war. Selten, aber nicht unmöglich. Um diese Zeit sind immer nur wenige Menschen unterwegs.


Sie hat Glück, als sie die U-Bahn verläßt, kommt grade kein Auto, so daß sie die Straße trotz roter Ampel überqueren kann. Fünf Minuten später schließt sie den Personaleingang zu ihrem Supermarkt auf.

"Hallo", ruft sie wie jeden Morgen. Sie bekommt jedoch keine Antwort. Komisch, denkt sie sich, sonst bin ich doch auch nicht die Erste. Sie kocht Kaffee und zeiht sich um.

Als der Kaffee fertig ist, ist sie immer noch allein. "Seltsam," murmelt sie vor sich hin. "Ob ich vielleicht vergessen habe, das schon wieder Winterzeit ist?" Sie schaut auf ihre Uhr. Halb acht, in einer halben Stunde öffnen sie. Sie schaut auf die Funkuhr über der Kaffeemaschine, doch auch die zeigt halb acht an. Dann schaut sie auf den Plan, wer heute noch Frühdienst hat. Marek an der Fleischtheke, OK, der ist immer zu spät. Und Helga und Doris an der Kasse, beide immer pünktlich. Naja, was soll’s, denkt sich Plufka, geht zu ihrer Käsetheke, zieht ihre Fleischermütze über ihre blonden Dreadlocks und beginnt die Auslagen vorzubereiten. Es nervt sie jeden Tag aufs neue, die blöde Fleischermütze überzeihen zu müssen, aber wenigstens hat sie diesen Job trotz ihrer Haare. Die meisten Supermärkte würden keine Frau mit solchen Haaren einstellen, aber in Berlin ist sowas möglich. Und mittlerweile ist sie mit ihren fünf Arbeitsjahren eine der längsten Mitarbeiter in dieser Filiale. Erst die Ausbildung und dann auch noch das Glück haben, übernommen zu werden. Und mittlerweile hat sie auch die Stadt liebgewonnen, nach dem Jahr in Köln ist es hier echt angenehm. Von Köln nach Neukölln, das war damals ein lustiger Zufall und hat ihr viel Spot eingebracht.


Sie verteilt den Käse möglichst interessant in der Auslage, versucht ihn möglichst verkaufsfördernd zu arrangieren. Gestern abend ist eine neue Lieferung gekommen, so daß sie heute wieder neue Sorten anschneiden, verpacken und probieren muß. Sie muß schließlich die Kunden beraten können, welcher Käse wie schmeckt. Und wenn sie seltsame oder seltene Sorten bestellt, kommt ihr Chef manchmal vorbei und sie probieren gemeinsam.

Während sie die restlichen Stücke von gestern sortiert, überlegt sie, was sie diesmal bestellt hat. Stimmt, Salbeikäse, fällt es ihr wieder ein. Mal sehen, wie der wohl schmeckt. Sie schaut auf die Uhr, zwei vor acht und es ist immer noch keiner außer ihr da. Sie geht in den Personalraum, doch auch hier ist niemand. Lediglich ihre Sachen liegen hier rum. Sie kramt nach der Telefonliste und versucht, Helga anzurufen. Doch bei ihr geht niemand ans Telefon. Vielleicht ist sie grade unterwegs hierher. Und die Handys von Doris und Marek sind aus. Sie versucht es auch bei Bernd, ihrem Filialleiter, doch auch bei ihm geht niemand ans Telefon.


Dann muß ich den Laden heute wohl ganz alleine schmeißen, denkt sie sich. Wie gut, das sie vor zwei Jahren mal drei Wochen in der Kasse gearbeitet hat. Sie öffnet den Eingang und aktiviert die automatische Tür. Dann widmet sie sich wieder ihrem Käse; wenn ein Kunde kommt, wird sie das schon merken.

Als sie zwanzig Minuten später immer noch alleine ist und auch noch nicht ein Kunde da war, schaut sie erneut auf die Funkuhr im Personalraum. Die Uhrzeit stimmt. Aber vielleicht der Wochentag? Nein, Mittwoch, und das Datum stimmt auch.

Sie versucht es erneut mit dem Telefon, doch niemand geht ran, auch nicht ihre Eltern und die Kollegen, die heute keinen Dienst haben.

Sie geht zum Ausgang, hofft auf der Straße einen Passanten zu treffen, doch die Straße ist leer. Sie kann weder einen Fußgänger noch fahrende Autos entdecken.

Was ist hier los, fragt sie sich. Was ist passiert? Warum ist es hier so leer? Wurde Neukölln vielleicht evakuiert? Doch warum hat sie das nicht gemerkt? Sie überlegt, ob sie heute schon einen Menschen gesehen hat. Die U-Bahn! Die U-Bahn ist gefahren, also muß auch ein Lokführer da gewesen sein. In ihrem Wagen war kein Fahrgast und ob auf dem Bahnsteig welche waren, daran erinnert sie sich nicht mit Sicherheit. Oder fahren die Bahnen in Berlin mittlerweile automatisch ohne Fahrer? Im Tokio soll das ja so sein, aber hier auch?

Sie geht wieder in den Markt, schließt die Eingangstür und zieht sich um. Wenn niemand da ist, muß sie hier auch nicht arbeiten, beschließt sie. Sie schreibt einen Zettel, den sie an die Tür klebt:


Da ich ganz alleine bin, wird diese Filiale für heute geschlossen. Wenn sie dennoch dringend etwas bei uns kaufen möchten, rufen Sie mich unter 0123-123 456 789 an, dann komme ich her.

Plufka Frederikson


Dann verläßt sie den Supermarkt durch den Personaleingang. Erst jetzt fällt ihr auf, daß der Kiosk vor dem Laden ebenfalls geschlossen ist. Neben dem Supermarkt stehen Hochhäuser mit Wohnungen. Plufka macht sich nun Sorgen, etwas stimmt nicht in Berlin. Sie klingelt, bei allen schätzungsweise 50 Klingeln, doch niemand reagiert.


Beim nächsten Haus das selbe. Sie geht zum nächsten Haus. Auch hier reagiert niemand auf ihr Klingeln. Dann fällt ihr etwas auf, im Gebüsch neben dem Eingang, ein dunkles Bündel. Sie geht hin, ist neugierig, um was es sich handelt. Es liegt seltsam in einem Dornenstrauch, ein Teil des Gebüschs ist abgebrochen. Als sie näher kommt, bemerkt sie, dass es sich um ein Kind handelt. Doch seine Gliedmaßen sind seltsam verbogen. Der Kopf des Kindes ist auf dem Boden, liegt in einer Lache aus Blut und einem grauen Zeug.

Plufka zückt ihr Handy und ruft die eins-eins-zwei an. Es klingelt, doch es geht niemand ran. Nach dreimal klingeln kommt eine Computeransage: "In der Leitstelle Neukölln sind leider grade alle Anschlüsse belegt. Sie werden an eine andere Leitstelle weitergeleitet." Es kommt wieder dreimal ein tut und dann erneut die Ansage, diesmal das in Teptow alle Anschlüsse belegt sind und sie weitergeleitet wird. Nachdem auch in Friedrichshain, Mitte und Spandau niemand ans Telefon geht, landet sie wieder bei der Leitstelle Neukölln. Sie legt auf und wählt die eins-eins-null. Vielleicht kann die Polizei ihr weiterhelfen. Doch hier erwartet sie das selbe Spiel, von Neukölln nach Tempelhof, weiter nach Tiergarten und Pankow, bis sie schließlich aufgibt.

Dann muss sie selber schauen, ob sie helfen kann. Vorsichtig betastet sie den Körper. Er ist kalt, zu kalt, wird schon steif. Als sie vorsichtig den Kopf anhebt, sieht sie, das der Schädel gebrochen ist und das graue Zeug wahrscheinlich sein Gehirn ist. Plufka dreht sich um und muss sich übergeben.

Als sie mit kotzen fertig ist, schaut sie an dem Haus hoch. Im dritten Stock von oben steht ein Fenster auf, wahrscheinlich ist der Junge, Plufka schätzt ihn auf vier Jahre, da rausgefallen. Es sieht so aus, als wäre er noch im Schlafanzug. Wie wild hämmert sie auf die Klingeln ein, doch niemand reagiert. Sie beginnt zu schreien und um Hilfe zu rufen, doch auch darauf reagiert niemand.

Sie läuft los, in Richtung Innenstadt, immer die Sonnenallee hinauf, ruft dabei, bis sie heiser ist und hält immer wieder an, um an Türen zu klopfen und zu klingeln. Doch niemand reagiert.

Sie läuft immer weiter, biegt gelegentlich in Seitenstraßen ab, probiert alle Telefonnummern durch, die sie so kennt, doch nirgends reagiert jemand. Diese Stadt kann so ein Alptraum sein...


Ein leises Brummen erregt ihre Aufmerksamkeit. Irgendwo ist ein Auto unterwegs. Sie ist grade in einer Seitenstraße. Das Brummen wird langsam lauter, es kommt aus Richtung der Sonnenallee. Ein Auto! Andere Menschen! Sie dreht um und beginnt zu laufen, doch sie ist noch 200 Meter von der Kreuzung entfernt, als das Auto vorbeifährt. Es fährt einfach vorbei! Sie winkt und ruft und schreit, doch sie ist zu leise, als das der Autofahrer sie hören könnte.

Als sie die Kreuzung erreicht, ist das Auto bereits 500 Meter weiter und steht an einer roten Ampel. Sie winkt und springt auf die Straße, doch die Ampel schaltet auf grün um und das Auto fährt weiter. Mitten auf der Straße läuft sie dem Auto hinterher, doch der Fahrer bemerkt sie nicht und fährt einfach weiter, bis es hinter einer Biegung der Straße verschwindet.

Plufka setzt sich auf die Straße und schnappt nach Luft. Ganz schön anstrengend, so durch die Stadt zu rennen. Sie schaut sich um. Sie ist ein ganzes Stück die Straße hinaufgelaufen, sitzt an einer Ampel an einer Kreuzung. Rechts ist ein Backsteingebäude, irgendein öffentliches. Ein Polizeirevier. Vielleicht findet sie dort Hinweise, was passiert ist.

Die Tür ist offen, doch es ist niemand zu sehen. Auch in der Pförtnerloge sitzt niemand. Durch eine Glastür gelangt sie hinein, doch sie findet keinen Hinweis, was passiert ist. Sie überlegt kurz, ob sie im ersten Stock suchen soll, kommt dann aber zu dem Schluß, dass das wohl nichts bringen wird.

Sie setzt sich auf die Treppenstufen vor dem Eingang und überlegt. Sie ist bereits zu viel sinnlos durch die Stadt gelaufen, als das Panik noch etwas bringen würde.

"Denk nach, Plufka", sagt sie zu sich selber. "Das ist die einzige Möglichkeit, die du hast. Offensichtlich ist Berlin nicht komplett leer. Da war dieser Junge, den wohl niemand beaufsichtigt hat. Und da war das Auto. Aus irgendwelchen Gründen sind alle anderen weg. Warum und wohin kann ich momentan nicht rausfinden.

Irgendwann kommen bestimmt Rettungstruppen von woanders und suchen hier nach Überlebenden, das ist immer so bei Katastrophen. Vielleicht sollte ich denen entgegengehen. Genau, das ist es, was ich machen kann."

Plufka will aufstehen, doch dann wird ihr klar, das sie keine Ahnung hat, in welche Richtung sie gehen soll. Neukölln ist leer, und der Rest von Berlin wohl auch, sonst wäre schon jemand hier gewesen. Aber wohin dann? Nach Osten, Richtung Polen? Oder doch lieber Richtung Westdeutschland? Vielleicht sollte sie auch nach Norden, schauen, ob es in Norwegen Hoffnung gibt, als Kind kam ihr ihr Heimatland immer so sicher vor. Doch bis sie da ankommt, ist der Sommer fast vorbei. Wahrscheinlich ist es am schlauesten, einfach in Berlin zu bleiben. Nachdem das die größte Stadt Deutschlands ist und auch die Hauptstadt, wird sie hier wohl am ehesten gerettet werden.

Doch was kann sie hier tun? Wenn sie wenigstens nicht komplett alleine wäre. Doch wie kann es ihr gelingen, die anderen Überlebenden zu finden? Einfach in der Stadt rumlaufen und auf ihr Glück hoffen, erscheint ihr unwahrscheinlich, so leer wie es hier ist.

Sie muß an ihren Supermarkt denken, daran, dass jeder, der dort vor der Tür steht, ihren Zettel findet und dann weiß, wie er sie erreichen kann.

"Das ist die Idee," ruft sie zu sich selbst. "So erreiche ich die anderen!"

Sie geht wieder in das Polizeirevier, diesmal in den ersten Stock. Und dort findet sie, was sie sucht, einen Kopierer. Sie schreibt einen Zettel:


Berlin ist leer, aber ich bin noch hier. Wenn du auch noch hier bist, melde dich bei mir. Plufka Frederikson, Tel.: 0123-123 456 789, Adresse Brörebystr. 7, 11234 Berlin Neukölln, Nähe S-Bhf. Hermannstrasse.


Sie will ihn kopieren, doch als sie den Kopierer anstellt, meldet der ihr, das sie einen Kopiercode eingeben muss. "Scheiße! Wo bekomm ich den her?"

Auf gut Glück beginnt sie nun, Bürotüren zu öffnen. Die ersten beiden sind verschlossen, doch bei dem dritten Büro hat sie Glück, die Tür ist auf. Sie sucht auf dem Schreibtisch in den Unterlagen, ob sie dort einen Hinweis auf den Kopiercode findet, hat jedoch keinen Erfolg. Auch auf dem zweiten Schreibtisch findet sie nichts. Und die Schubladen sind abgeschlossen. Schließlich fällt ihr Blick jedoch auf die Pinnwand, an der allerlei Schriftstücke hängen. Unter anderem eine Mitteilung über neue Kopierer. Ganz unten steht: Ihr persönlicher Code lautet 7811.

Plufka reißt den Zettel von der Pinnwand und läuft wieder zum Kopierer. Sie gibt den Code ein, macht eine Kopie von ihrem Zettel. Sieht OK aus. Dann gibt sie 999 ein, mehr Kopien kann sie leider nicht machen, und drückt auf Start. Während der Kopierer ihren Zettel kopiert, durchsucht sie die Büros nach Klebeband. Auch einen Stoffbeutel mit Polizeiwerbung nimmt sie mit. Irgendwie muss sie die Kopien transportieren. Zehn Minuten später ist der Kopierer fertig. Eine Kopie läßt sie im Kopierer liegen, falls jemand dort nachschaut. Auch den Zettel mit dem Code läßt sie einfach liegen.

Dann verläßt sie das Polizeirevier und beginnt, an jeder Laterne und jeder Ampel einen Zettel aufzuhängen. Zwei auf der rechten Straßenseite, dann rüber auf die anderen Seite und dort auch wieder ein paar, und dann wieder auf die erste Seite. So daß niemand ihre Zettel verfehlen kann. So wandert sie weiter Richtung Hermannplatz, bis sie zu einem geschlossenen Copyshop kommt. Ihre Zettel sind schon erheblich weniger geworden, so daß sie auf die Idee kommt, sich neue zu machen. Die Tür ist abgeschlossen, doch als sie sich mit ihrer ganzen Kraft dagegen wirft, springt sie auf.

Sie aktiviert einen Kopierer nach dem anderen und stellt alle auf 9999 Kopien und startet. Während die Kopierer durchlaufen, überlegt sie sich, das sie nicht alle Zettel tragen kann. 20 Kopierer à 10000 Kopien...

Sie verläßt den Copyshop und macht sie auf die Suche. Sie hat Glück und findet auf der anderen Straßenseite einen Laden mit Kinderspielzeug. Doch auch dieser ist abgeschlossen, und diesmal reicht ihr Gewicht nicht aus, um die Tür zu öffnen. Sie schaut sich um, ob sie etwas findet, das sie als Werkzeug benutzen kann.

Hundert Meter weiter ist der Gehweg aufgerissen und es liegt ein Haufen Pflastersteine rum. Sie holt sich einen der Steine. Als sie vor dem Laden steht, wiegt sie ihn nachdenklich in der Hand, holt schließlich aus und wirft ihn ins Schaufenster. So etwas wollte sich schon immer mal machen, ein Schaufenster einwerfen. Doch es erweist sich als schwieriger als gedacht, denn der Stein prallt mit einem "Klonk" einfach ab. Sie hebt den Stein wieder auf und versucht es erneut mit aller Kraft. Diesmal gelingt es und die Scheibe splittert in tausend Teile, die jedoch zusammenhalten.

"Scheiß Sicherheitsglas!" flucht sie.

Jetzt kann sie die Scheibe jedoch vorsichtig mit der Hand eindrücken und kann schließlich in den Laden klettern. Ganz hinten findet sie, was sie sucht, einen großen Bollerwagen. Mit diesem geht sie zum Copyshop zurück und beginnt ihre Zettel einzuladen. Zwei der Kopierer sind schon fertig, oder zumindest haben sie kein Papier mehr. Sie macht sich jedoch nicht die Mühe, neues einzulegen, wenn sie neue Zettel braucht, kann sie ja überall wieder in Coyshops einbrechen.

So wandert sich durch die Stadt, von der Sonnenallee zum Hermannplatz, hoch zum Kotbusser Tor, weiter durch SO36, bis sie zu einem Laden kommt, in dem es Spraydosen zu kaufen gibt. Sie öffnet die Tür, mittlerweile hat sie Routine im Scheiben zerstören, und packt den halben Bollerwagen voller Spraydosen. An jeder großen Kreuzung hält sie nun an und sprüht ihren Text mit Adresse und Telefonnummer auf die Straße, so daß auch ja niemand es übersehen kann.

Langsam beginnt es ihr Spaß zu machen, sich überall zu verewigen. In neongrüner Farbe schreibt sie ihren Text über die komplette Länge der Oberbaumbrücke auf die Fahrbahn. Dann fällt ihr Blick auf den Fernsehturm. Den würde sie gerne bemalen. Dann müßte sie nur einmal schreiben und ganz Berlin könnte es sehen! Sie überlegt ein paar Minuten, was sie draufschreiben könnte, kommt dann aber zu dem Schluß, das es für heute zu viel wäre.

So zieht sie weiter, durch Friedrichshain, weiter in den Prenzlauer Berg, dann die Schönhauser Allee runter nach Mitte, Alexanderplatz, wo es bereits dunkel wird. Vor dem Rathaus macht sie eine Stunde mit aus einer Bäckerei geklauten Brötchen eine Pause, dann geht es weiter unter den Linden hoch, zum Potsdamer Platz, durch Tiergarten noch nach Schöneberg. Auf dem Rückweg schläft sie im Viktoriapark auf dem Völkerschlachtsdenkmal fast ein. Von da aus zieht sie Klebend und Sprühend weiter nach Neukölln und zurück nach Hause. Erste um kurz nach drei liegt sie, total erschöpft im Bett und schläft sofort wie ein Stein.


hoch

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* Prosa * Fantasy *


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