"Fragment" von Markus Simon Schmidt - Eine literarische Interpretation


Inhaltsverzeichnis
0. Das Werk
1.Einleitung
2. Analyse
2.1. formanalyse
2.1.1. Strophen und Reimschema
2.2.2. Versmaß
2.1.3.Rhetorische Stil- und ausdrucksmittel
2.2. Inhaltliche Analyse
2.3. Deutung
3. zusammenfassung
Anhang A Werke, auf die in "Fragment" verwiesen wird

0. Das Werk

Fragment

...

[Das Original ist hier veröffentlicht.]

1. Einleitung

Das Werk "Fragment" von Markus Simon Schmidt ist eine poetische Auseinandersetzung mit dem Fragmentarismus in der modernen Lyrik. Dieses Werk ist im Kontext der kontemporären Kunst zu Zeiten der Milleniumsjahre zu deuten, es wurde 2009 in Berlin veröffentlich.

2. Analyse

2.1. Formanalyse

2.1.1. Strophen und Reimschema

Das Werk ist in keinerlei Strophen und Abschnitte unterteilt. Auch der komplette Verzicht auf Reime jeglicher Art ist in der modernen Lyrik durchaus gebräuchlich. Da der Autor in "Fragment" auf die Verwendung von Reimen verzichtet, handelt es sich also um einen Unreim. Im Gegensatz zu einer Waise beruht ein solcher nicht auf dem Fehlen nur eines Verses des Reims, sondern sogar beider Verse. Dieses Stilmittel des Unreims ist in der Literatur ein eher unübliches Mittel, das nur in seltensten Fällen zur Anwendung kommt. Durch seine große nihilistische Aussagekraft ist es jedoch sehr bestimmend für die Werke, in denen es eingesetzt wird.

Auch im Fall von "Fragment" ist der Unreim ein entscheidendes Mittel, um dem Rezipienten den Zusammenhang zwischen dem Inhalt dieses Werkes und der minimalistischen Form zu verdeutlichen. Im Fall von "Fragment" wird dieses Mittel perfektioniert und in vollendeter Form angewendet.

2.1.2. Versmaß

Eine Analyse des Versmaßes von "Fragment" gestaltet sich schwierig, da es verschiedene mögliche sprachliche Interpretationen gibt. Eine wirkliche Analyse ist nur möglich, wenn man von einem gesprochenen Vortragen des Werkes ausgeht. Dann jedoch gibt es eine unglaubliche Vielzahl an Möglichkeiten, wie sich das Werk versmäßig umsetzen lässt. So ist es zum Beispiel möglich, es als ein lange, bedeutungsschwere Pause mit einer Betonung des Nichtvorhandenseins von Text darzustellen. In diesem Fall würde es sich um eine stumpfe Kadenz handelt. Eine andere Möglichkeit ist, dass es sich um eine unauffällig Pause, fast unmerklich, im Sprachfluss handelt. In diesem Fall liegt dann eine klingende Kadenz vor, die dem Werk gleich eine wesentlich unterschiedliche Bedeutung verleiht. Eine weitere Möglichkeit wäre es, verschiedene Mittelwege zwischen diesen zu wählen, zum Beispiel eine lediglich angedeutete, bedeutungsschwere Pause, in der die Betonung auf eine unbetonte Art umgesetzt wird. Des weiteren kann das Werk auch so umgesetzt werden, dass beim Hörer durch eine lange Pause, z.B. am Ende eines Vortrags, der sehnliche Wunsch nach dem eigentlichen Text geweckt wird. Diese extralange Betonung wird Maximalkadenz genannt, da sie im Prinzip beliebig lange fortgesetzt werden kann.

2.1.3. Rhetorische Stil- und Ausdrucksmittel

Bei der Analyse der sprachlichen Stil- und Ausdrucksmittel fällt auf, dass Markus Simon Schmidt sich auf ein Minimum an verwendeten Stilmitteln beschränkt hat. Das Werk besteht aus einer kompletten, totalen Ellipse, in der er den gesamten Inhalt des Werkes unterbringt. Der Verzicht auf alle anderen Stilmittel ist in der Literatur etwas Seltenes, Ungewöhnliches. Dies kennt man eigentlich eher aus dem Bereich der Sachliteratur und von wissenschaftlichen Texten. Dieses Werk jedoch hat eindeutig den Anspruch, kein wissenschaftlicher Text zu sein, so dass die geradlinige Verwendung der Sprache eher überraschend ist.

Analysiert man die Sprache weiter, so stellt man fest, dass es ihm, abgesehen von der Überschrift, gelungen ist, sämtliche wichtigen, und auch sogar die unwichtigen, Wortarten zu vermeiden. Durch diesen Trick gelingt es ihm, das Augenmerk des Rezipienten verstärkt auf den Inhalt seines Werkes zu richten. Bemerkenswert ist jedoch der Einsatz von Satzzeichen, insbesondere des Punkts, um über diese in der Sprache meistens für den Inhalt minderwichtige Bestandteile den Inhalt zu transportieren.

2.2. Inhaltliche Analyse

"Fragment" ist eine weitreichende Fortführung des in der Literatur durchaus, bewusst und unbewusst, weit verbreiteten Stilmittels des Fragmentarismus. Dieses Stilmittel wendet Schmidt in vollendeter Perfektion an und schafft so ein Werk, das zugleich irritierend, anregend und simpel ist. Insbesondere die Anspielungen auf eine Vielzahl anderer großer Werke der Weltliteratur machen es zu einem bedeutenden Opus dieser Gattung.

Deutlich merkt man, das Schmidt sich gründlich mit dem Fragmentarismus befasst hat, bevor er sein Meisterwerk schaffen konnte. Eine Liste der Werke, auf die er mit "Fragment" anspielt, ist zu lang, als das sie hier aufgeführt werden könnte (siehe Anhang A ).

Er spielt jedoch nicht nur auf Werke des "Fragment"srismus an, sondern auch auf Werke verschiedener anderer Gattungen. Dieses allumfassende Verweisen auf die große Literatur ist ein zentrales Element in "Fragment", um nicht zu sagen, das zentrale Element. Bei der Deutung dieses Werkes muss dies berücksichtigt werden.

2.3. Deutung

Um "Fragment" verstehen zu können, muss man neben dem literarischen Umfeld auch das geschichtliche Umfeld berücksichtigen. "Fragment" nutzt den Minimalismus als Ausdrucksmittel in einer Welt, in der alles kommerzialisiert wird. In diesem Punkt folgt es dem Zeitgeist des Mainstreams, der darauf abzielt, es mit packenden Slogans allen recht zu machen. In diesem Kontext ist "Fragment" eine konsequente Fortführung einer gesellschaftliche Tendenz. Insbesondere in der Kunst ist im 20. Jahrhundert zu beobachten, dass alles, was sich verkaufen lässt, auch produziert wird. So gesehen ist "Fragment" eine konsequente Übertragung dieses Streams in die Literatur. Die kommerzielle Verwertung von allem ist ein zentraler Aspekt des neoliberalen Zeitgeists zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Neben der Kunst selber schlägt sich dieser präsentierende Minimalismus auch in der Präsentation der Kunst wieder. Es ist zu beobachten, dass insbesondere die Museumsarchitektur immer einfacher wird, weiße Wände, gerade, zweckmäßige Linien, und so das Kunstwerk und der Betrachter mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Dieser Bedeutungsgewinn auf Seiten des Betrachters wird durch "Fragment" noch eine Stufe weitergeführt, denn bei diesem Werk ist der Betrachter alles und das Werk selber fast nichts. Dadurch wird auch in der Literatur der Leser zum Subjekt, das ein integraler Bestandteil des Stückes ist. Diese Bedeutung als Rezipient des Werkes lässt eine weitere zeitgeistliche Tendenz erkennen, nämlich die fortschreitende Veröffentlichung des Privaten und die Privatisierung des Öffentlichen. Auch in "Fragment" ist zu erkennen, das der Leser viel mehr seiner eigenen Vorstellungs- und Wertewelt mitbringen muss, um es richtig zu verstehen. Auch die Figur des Autors tritt dadurch in den Hintergrund, er ist nicht mehr der Kopf hinter dem Werk, sondern einfach nur mehr ein weiterer Teil der Umgebung. Dies ist, gerade im Hinblick auf das Informationszeitalter, in dem das Werk entstanden ist, ein typischer Ausdruck, in dem einerseits jeder selber alles veröffentlichen kann und andererseits der Autor selber über Blogs und Foren in ständigem Kontakt zu seinen Lesern sein kann. So gesehen gleicht der Autor den Bedeutungsverlust als Autor durch einen Bedeutungsgewinn aufgrund von interaktiver Kommunikation mit den Lesern wieder aus.

Ein weiterer starker Aspekt in "Fragment" ist die Sinnlosigkeit und Leere der Kunst, die Schmidt in seinem Werk vortrefflichst zuspitzt. Innerhalb weniger Zeilen gelingt es ihm, die großen Werke der letzten Jahre gesamtgesellschaftlich zusammenzufassen und daraus ein eigenes Opus zu schaffen.

Die eigentliche Bedeutung erlang es erst durch die Hinzufügung des Titels. Die deutliche und visible Korrespondenz zwischen dem im ersten Moment mysteriös anmutenden Inhalt und dem in der Totalen erklärenden Titel dieses Werkes versinnbildlicht die grundlegenden Differenzen zwischen dem lyrischen Objekt und der durch den prosaischen Titel integrierten Realität. Durch die prägnante Aussage "…" wird, und das ist überraschend, in fast schon nihilistischer Form die gesamte große Poesie der Weltliteratur eingeschlossen und so für den Leser in verständlicher und übersichtlicher Form präsentiert. Dabei wird jedoch nicht vergessen, dass dies auch für den Leser, der nicht immer wieder Literaturkritiken liest, verständlich bleiben muss. So kommen bei diesem Werk sowohl der Fachmann als auch der Laie auf ihre Kosten und werden so zum nachdenken über die zeitgenössische Literatur angeregt.

3. Zusammenfassung

Insgesamt ist das Werk bisher in seiner überragenden Bedeutung noch nicht erkannt worden. Eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten und Implikationen, auch im Hinblick auf die außergewöhnliche Form, lassen dem Leser eine Vielzahl von möglichen Ansätzen.

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Genres:
* Sachtext * Humor *


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