Das Märchen von der grünen Soße


Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin. Sie lebte am Hofe ihrer Mutter, einer schrecklichen Königin. Die Königin kochte leidenschaftlich gerne, war jedoch grausam und hart zu ihren Untergebenen. Ihre Tochter schmeckte das Essen der Königin sehr, doch war sie sehr einsam, denn ihre Mutter fand niemanden gut genug, mit ihrer Tochter zu reden.

Doch die Tochter wollte nicht einsam sein und wünschte sich einen Mann.

Eines Tages sagte die Königin: "Wenn es jemanden gibt, der besser kocht als ich, so soll es der Mann meiner Tochter werden. Wer es jedoch versucht und scheitert, soll geköpft werden. Und so kommen tagein – tagaus junge Köche aus dem ganzen Königreich, um um die Gunst der Prinzessin zu kochen.

Doch die Prinzessin und ihre Mutter sind nie mit dem Essen zufrieden, und so wird eine nach dem anderen geköpft.

Eines Tages hört ein arme Bettler in einem Dorf im Wald davon. "Ach was," antwortet er. "So gut kann ich nicht kochen. Da behalte ich lieber meinen Kopf." Doch seine Eltern und Freunde versuchen ihn zu überreden, es trotzdem zu versuchen. Nach drei Wochen der Überredung gibt er schließlich auf und macht sich auf den Weg zum Schloss. Doch er geht nicht den direkten Weg, denn er will nur die besten Zutaten für sein Essen haben. So zieht er los und holt, da er für vier Leute kochen muss (den Vorkoster, die Königin, die Prinzessin und ihn selber) zwölf große Kartoffeln, drei für jeden. Anschließend durchsucht er den Wald nach frischen Kräutern und pflückt jeweils eine Handvoll Schnittlauch und Petersilie, Dill und Kerbel. Auch Sauerampfer und Kresse und Pimpinelle findet er und nach langem Suchen auch etwas Borretsch. Und als kleine Besonderheit eine winzige Menge Bohnenkraut.

Mit seiner Tasche voller frischer Kräuter in der Hand besucht er noch einen Bauernhof, bei dem er einen Liter Sauer Sahne und einen halben Liter Schmand sowie acht Eier kauft. Auch ein halbes Kilo Schinken nimmt er mit. So ausgerüstet erreicht er schließlich in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages das Schloss.

Da er der erste seit zwei Wochen ist, der um die Prinzessin kochen will, wird er sofort in die Küche geführt. Eine Stunde, bevor sie Essen wollen, beginnt er mit Kochen. Als erstes schält er die Kartoffeln und schneidet sie in Längsrichtung in Viertel und kocht sie anschließend in Salzwasser, bis sie gut durch sind. In einem anderen Topf kocht er auch die Eier, bis sie hart sind. Während das alles vor sich hin köchelt, schneidet er die Kräuter so fein, wie er es vermag. Er hat Glück, das es draußen so kalt ist, denn so sind die Kräuter noch frisch.

Als er mit Kräuterschneiden fertig ist, sind auch die Eier fertig und er schneidet sie in kleine Würfel und rührt sie unter die Kräuter. Dann vermischt er sie mit der Sauren Sahne und dem Schmand und würzt das Ganze mit Salz und Pfeffer aus der Gewürzkammer des königlichen Schlosses. Die fertige Soße kommt ein eine Schlüssel, die mittlerweile garen Kartoffeln in einen andere. Das Stück Schinken kommt auf einem Brett mit einem großen Messer ebenfalls an den Tisch, denn den Schinken, erklärt er, darf man erst schneiden, wenn man ihn gleich unter das Essen rühren kann.

Über eine große Treppe, von Dienern begleitet, betritt er den Speisesaal der Königin und nimmt an der Tafel Platz. Die Königin und ihre wunderschöne Tochter sowie der Vorkoster sitzen bereits und warten auf ihn.

"Dies ist meine Grüne Soße," erklärt der Bettler und zeigt auf das Essen. "Das besondere daran ist, das man den Schinken selber schneidet, damit er ganz frisch ist, wenn man ihn isst."

Die Königin bedeutet ihm mit einem Wink, als erster zu Essen. Er nimmt sich also Kartoffeln und Soße und schneidet sich Schinken und streut diesen darüber.

Nachdem er die erste Portion gegessen hat, nimmt sich auch der Vorkoster seine Portion. Als klar ist, das das Essen nicht vergiftet ist, nehmen sich auch die Königin und ihre Tochter von dem Essen.

Verstohlen beobachtet der Bettler die Prinzessin beim Essen, wird aus ihren Ausdruck jedoch nicht schlau. So reiche Leute Essen eben doch ganz anders als die armen Leute in seinem Dorf.

Nach dem Essen fällt die Prinzessin im um den Hals und küsst ihn "Welch wunderbares Essen, du bist mein Mann!" Und so wurde aus dem armen Bettler ein Prinz am Hofe des König und nach dem Tod der bösen Königin wurde die Prinzessin zu Königin und wurde von allen geliebt und bewundert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.


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Genres:
* Prosa * Märchen * Kulinarisches *


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