Immer Ärger mit den Fremden


Laut dröhnt der Antrieb der Etamub, die auf dem Weg zum Planeten Futoria ist. Das stattliche Raumschiff hat vor zwei Tagen die Raumstation Gerna verlassen, auf der es eine Ladungen Spielzeug an Bord genommen hat, die auf Futoria verkauft werden sollen. Jedes Jahr vor dem traditionellen Senk-Fest fliegt die Etamub die Strecke, um für die Futorianer, die es sich leisten können, exklusive Spielsachen aus den fernsten Regionen der Allianz zu liefern, die dann zum Senk-Fest verschenkt werden.

Auch dieses Jahr wieder haben die Agenten der Etamub die letzten Monate auf diesen Auftrag hingearbeitet und aus allen Teilen der Galaxis die besten und seltensten Teile gesammelt. Wie immer, so ist auch dieses Jahr wieder die Ladung um ein Vielfaches teuerer als das Schiff oder die Ladung bei normalen Aufträgen. Drei Matrosen sind die ganze Reise über damit beschäftigt, die Sachen zu sortieren und per Hyperwelle bereits anzubieten. Ein Teil der Ware ist jedes Jahr bereits verkauft, bevor sie den Planeten überhaupt erreichen.

Kapitän Hanbei sitzt in seiner Kabine und hört klassische Musik, als sein Interphon zu blinken anfängt. Er wartet ein paar Sekunden, ob es vielleicht von alleine wieder aufhört, doch das ist nicht der Fall, also stemmt er sich aus seinem Sessel hoch und betätigt die Empfangstaste.

"Herr Kapitän, kommen Sie bitte sofort zur Brücke."

Der Kapitän kann es nicht vermeiden, zu stöhnen, bevor er fragt, was los ist.

"Ein fremdes Schiff nähert sich uns. Wir konnten bisher keinen Funkkontakt zu ihm herstellen."

"Dann muss ich wohl," antwortet der Kapitän genervt, zieht seine Uniform über seinen Schlafrock und macht sich auf den Weg zur Brücke.


Auf der Brücke angekommen, gilt sein erster Blick dem großen Hauptbildschirm, auf dem das fremde Schiff als Punkt zu sehen ist, der immer heller wird.

"Bericht!"

"Das Schiff hat sich mittlerweile bis auf 300 Brox genähert. Noch immer konnten wir keinen Kontakt herstellen."

"Wissen Sie etwas über das Schiff?"

"Wir konnten seine Herkunft bisher nicht identifizieren. Und seine Baureihe auch nicht. Eventuell kommt es von einem Planeten außerhalb der Allianz, dessen Schiffe nicht registriert werden."

"Wenn es sich in der Geschwindigkeit weiter nähert, wird es uns in zwanzig Minuten erreicht haben."

"Sie wissen also nichts über das Schiff, richtig?"

"Eigentlich nicht, aber, wenn man’s genau nimmt, haben Sie doch recht."

Ein rotes Licht an der Kommunikationskonsole leuchtet auf.

"Kapitän," ruft der Kommunikationsoffizier, "soeben meldet sich das fremde Schiff. Audiovisuelle Kommunikation!"

"Auf dem Schirm," ruft der Kapitän.

Ein pelziges Gesicht erscheint auf dem Schirm. "Gebt uns unseren Prinzen zurück," donnert das fremde Wesen.

"..." antwortet der Kapitän auf die Forderung. Dann erscheint ihm das als Antwort zu wenig, und er ergänzt "...ähm..." Doch auch das erscheint ihm unbefriedigend und er antwortet dem Fremden: "Welchen Prinzen? Wir haben keinen Prinzen an Bord."

"Doch haben Sie ihn. Er wurde vor ein paar Monaten von unserem Planeten entführt, als er ins Dira-Stadium eingetreten ist. Wir haben es erst zu spät bemerkt und konnten seiner Spur dann nach Gebaldi II folgen und von dort weiter zu der Station, die Sie Gerna nennen. Dort sagte man uns, das er an Bord ihres Schiffes sei."

Der Kapitän betrachtet sein Mannschaft. "Haben wir einen Prinzen an Bord? Gehen sie die Besatzungsliste durch, ob jemand dafür in Frage kommt!"

"Wir überprüfen, ob wir ihn an Bord haben," erwidert der Kapitän an den Fremden gewandt. Zwei Minuten später meldet sich der Sicherheitsoffizier, der die Personalliste durchgegangen ist. "In der Besatzung ist niemand, dessen Herkunft ungeklärt ist. 24 Personen von Futoria, 3 von Citvis und jeweils einer von Dibal und Pelsina. Von diesen kommt niemand als Prinz in Frage."

"Stellen sie eine Verbindung zu dem fremden Schiff her!"

Kurz darauf erscheint der Fremde wieder auf dem Schirm. "Wir haben unsere Besatzung überprüft. An Bord ist niemand, der ihr Prinz sein könnte. Keine einzige Person auf diesem Schiff war jemals auf Gebaldi II."

"Und doch ist der Prinz auf ihrem. Wir empfangen seine Meta-+-Aussendungen sehr deutlich. Er muss also auf ihrem Schiff sein."

"Wir werden das prüfen," erwidert der Kapitän und läßt das Gespräch beenden.

"Lassen Sie das Schiff durchsuchen! Irgendwo muss sich ein blinder Passagier aufhalten."

"Jawohl Kapitän," antwortet der erste Offizier und bellt einige Befehlt in das Interphon.

"Derox," fordert der Kapitän den Techniker auf, "erklären Sie mir, was Meta-+-Aussendungen sind."

"Herr Kapitän," erwidert der Techniker verunsichert. "Bei diesen Aussendungen... wissen Sie.. das ist so... Diese Meta-+-Aussendungen ... die sind ... nun ja..."

"Kommen Sie endlich zum Punkt. Was zum Teufel ist das?"

"Nun ja, um ehrlich zu sein ... wissen Sie ... ich habe nicht den leisesten Schimmer..."

"Dann schauen Sie halt im Computer nach!"

"Das ist es ja grade... der Computer sagt, das es diese Bezeichnung einfach nicht gibt..."

Verwirrt schaut der Kapitän den Techniker an. "Es gibt keine Meta-+-Aussendungen?"

"Zumindest der Computer behauptet das."

"Das heißt, die Fremden lügen uns an?"

"Das weis ich nicht. Entweder das oder die wissen etwas, das wir nicht wissen."

"Noch fünf Minuten bis zum Zusammenstoß," meldet der Navigationsoffizier.

"Was hat die Suche ergeben?"

"Bisher wurde niemand gefunden."

"Fragen sie in der Zentralbibliothek der Allianz nach, was dieses Meta-+-Zeugs ist! Ich glaube, das könnte wichtig sein!"

"Kapitän, die Fremden melden sich wieder!"

"Zeigen!"


Das pelzige Gesicht erscheint wieder. "Sie haben noch zehn ihrer Minuten, uns unseren Prinzen auszuliefern!"

"Wir durchsuchen unser gesamtes Schiff nach ihm. Können Sie uns nicht ein wenig helfen? Sie können ihn detektieren, können Sie uns etwas genauer helfen? Das Schiff ist zu groß, um es in zehn Minuten komplett zu durchsuchen. Und wie sieht ihr Prinz überhaupt aus?"

"Sowie jeder Prinz im Dira-Stadium."

"Können Sie uns sagen, wo in unserem Schiff er sich aufhält? Das würde uns schon viel helfen beim suchen."

"Unseren Scannern nach im vorderen Bereich, aber ganz sicher kann man damit nicht sein."

"Was ist im vorderen Bereich des Schiffes alles?"

"Die Tanks, die Lagerräume, den Aufenthaltsraum der Mannschaft, die Sensoren,..."

"Wo könnte sich der Prinz aufhalten?"

"Wenn er auf Gerna an Bord gekommen ist, eventuell bei unseren Waren. Aber dann hätten Holar und Seldan beim Sortieren der Waren etwas entdecken müssen."

"Das Schiff nähert sich immer noch. Wir können eine erhöhte energetische Aktivität im vorderen bereich des fremden Schiffes feststellen. Eventuell handelt es sich um Waffen."

"Aktivieren sie vorsichtshalber die Schutzschilde. Und suchen Sie weiter nach diesem Prinzen."

"Herr Kapitän, der Zentralcomputer der Allianz hat geantwortet auf die Anfrage mit den Meta-+-Dingsen!"

"Was sagt er?"

"Was genau Meta-+-Aussendungen sind, ist bislang unerforscht. Es handelt sich um eine empatische Strahlungsart, wie sie nur bei den Bewohnern von Mesula-Beta vorkommt."

"Haben sie Informationen über Mesula-Beta?"

"Jawohl, Herr Kapitän. Bei den Bewohnern handelt es sich wohl um eine Art intelligenter Meerschweinchen, nur das diese ähnlich wie Schmetterlinge ein Stadium der Metamorphose durchmachen, in dem sie ihre Gestallt ändern. Während dieser Metamorphose, in der sie angeblich in ein Stadium fallen, das sie fast tot erscheinen lässt, entwickeln sie ihrer Intelligenz und auch viele ihrer Sinne verbessern sich. Und diese Meta-+-Strahlung wird von ihnen ausgesandt, während sie die Metamorphose vollziehen."

"Lassen sie nach einem Meerschweinchen, das möglicherweise tot wirkt, suchen."

Drei Minuten später meldet sich einer der Sicherheitsleute, die nach dem Prinzen suchen, aus Lagerraum vier.

"Herr Kapitän, wir haben hier ein Schaumstoff-Meerschweinchen. Zumindest wirkt es, als sei es aus Schaumstoff. Aber genau kann ich das natürlich nicht sagen."

"Bringen Sie es zur Brücke!"

Keine zwei Minuten später ist der Sicherheitsmann mit dem Meerschwein auf der Brücke. Der Kapitän lässt das fremde Schiff rufen.

"Ist dies hier ihr Prinz? Wenn ja, übergeben wir ihnen den natürlich gerne wieder."

Er hält das leblose Meerschwein hoch.

Der Fremde betrachtet es, lässt etwas von seinen Mitarbeitern überprüfen und nickt dann. "Ja, das ist er! Wir werden ein Shuttle lossenden, das ihn abholen kommt."

Ein kleines Boot löst sich von dem großen schiff und treibt auf das Raumschiff zu.

"Herr Kapitän," wirft der Kommunikationsoffizier ein, "Es ist seltsam, aber das Shuttle wird immer kleiner. Es ist fast so, als würde die Regeln mit der Perspektive für es nicht gelten."

Der Kapitän betrachtet den Bildschirm verwundert. Drei Minuten später landet das Schiff im Hangar. "Es ist nur 30 Zentimeter hoch!"

Der Kapitän nimmt den Prinzen und bringt ihn zu dem Shuttle. Der fremde Kapitän steigt aus, er sieht wirklich wie ein Meerschweinchen aus und ist auch nicht größer, nimmt den Prinzen in Empfang und bedankt sich tausendmal.

Als sich das Shuttle auf den Rückweg zu seinem Mutterschiff macht, stellt die Brückencrew überrascht fest, das das fremde Schiff zu Schrumpfen scheint. Das fremde Schiff scheint insgesamt nur zehn mal zwölf Meter groß zu sein, aber durch einen Trick den Eindruck zu erwecken, das es in Wirklichkeit viel größer sei. Als das Shuttle wieder an Bord ist, bedankt sich der fremde Kapitän noch tausendmal und dann verschwindet das fremde Schiff wieder und die Etamub setzt ihren Kurs auf Futoria fort.


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Genres:
* Prosa * Science Fiction *


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