Eine endlose Geschichte


Polizist: Ihren Personalausweis bitte!

Fabian: Meinen Personalausweis? Aber... Der wurde mir doch geklaut, deswegen war ich doch vor zwanzig Minuten erst bei Ihnen auf dem Präsidium. Waren Sie nicht einer derjenigen, die da saßen, als ich die Geschichte erzählt habe? Da waren doch so viele von Ihren Kollegen, da müssen sie doch auch mit dabei gewesen sein.

Das mit meinem Personalausweis, ist eine lange Geschichte. Sagen Sie nicht, ich erzähle sie ja schon, ist mir ja klar, das sie das wissen wollen. Das ist aber auch eine seltsame Geschichte, wissen Sie, eine, die Ihnen sicherlich den Job kosten könnte, wenn das alles so passiert, wie es sich nun andeutet.

Und das diese ganze Sache auch noch mir passieren muss! Ausgerechnet mir! Dem kleinen Angestellten Fabian Beutschel! Was auch immer ich verbrochen habe, dass mir so was passiert. Aber das wissen Sie ja sicherlich auch nicht. Und außerdem soll ich ja erzählen, wie es dazu kam, das ich nun keinen Personalausweis mehr habe.

Es fing auf jedem Fall damit an, das ich heute morgen aufgestanden bin. Schauen Sie mich nicht so an, als wäre das etwas ungehöriges, jeder muss jeden Morgen aufstehen, wenn er zur Arbeit gehen muss.

Ja, ich weiß ja selber, dass das in diesem Viertel nicht normal ist, das man arbeiten gehen muss, aber das ist ja nun mal nicht meine Schuld, das es hier so viele Arbeitslose gibt, wissen sie? Und außerdem macht mich das noch lange nicht zu jemanden, den man beliebig umherschubsen kann, find ich!

Wie dem auch sei, ich bin also aufgestanden und hab mich angezogen und dann auf den Weg zur Arbeit gemacht, auch wenn das hier ungewöhnlich ist und Sie natürlich ihren Tag bestimmt nicht mit aufstehen beginnen werden, denn Sie sind ja Beamter und immer im Dienst, ich kenn das ja schon von Ihren Kollegen, die haben mich ja auch schief angeschaut.

Wissen Sie, es ist ja eine längere Geschichte, die ich Ihnen hier erzählen muss, was hielten Sie also davon, dass wir uns da vorne auf die Parkbank setzen? Das ist doch viel besser, als hier rumzustehen.

Sagen Sie nichts, ich sehe es an Ihrem Blick, dass sie damit einverstanden sind, also los, kommen Sie, sie wollen schließlich wissen, warum ich keinen Personalausweis habe. Sehen Sie, nach dem Aufstehen hab ich mich also auf den Weg zur Arbeit gemacht, so wie ich das ja jeden Tag machen. Zu Fuß zur U-Bahn und dann mit der U-Bahn zur Arbeit. Zumindest an normalen Tagen mache ich das so. Aber diesmal, da bin ich ja nicht mal bis zur U-Bahn gekommen, wissen Sie?

Und das alles wegen dieser blöden Kack-Scheiß-Idioten. Aber Sie wissen ja selber, wie das ist! Sie sind überall und fallen über einen her wie die Bambusfliegen. Wissen Sie überhaupt, was Bambusfliegen sind?

Ich seh schon, sie haben keine Ahnung. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn ich weiß es auch nicht. Aber diese blöden Pups-Stink-Idioten sind genauso wie Bambusfliegen, das weiß ich genau.

Und wegen denen also! Aber sagen sie mal selber, wenn Sie solchen Trantütentunten begegnen, geht es Ihnen doch genauso, oder nicht?

Auf jedem Fall kamen die heute morgen, und das setzt dem Ganzen ja wohl die Krone auf, und haben mich! Mich, Fabian Beutschel, den kleinen Angestellten, einfach so, mitten auf der Straße war das, ist das zu glauben?

Aber ich rege mich schon wieder auf, und sollte doch eigentlich in Ruhe Ihnen erzählen, warum ich keinen Personalausweis habe. Stört es Sie, wenn ich eine Rauche, während ich erzähle?

Oh, Streichhölzer, wie nett von Ihnen, da stimmt es noch mit dem Spruch Die Polizei dein Freund und Helfer! So was hätte ich heute morgen auch gebraucht, als ich mit DENEN zu tun hatte.

Ahh, tut das gut eine zu rauchen. So ist das gleich viel angenehmer. Puhhh. Aber ich wollte ja von DENEN und meine Personalausweis erzählen. Ich war nämlich ja, wie schon gesagt, grade aufgestanden – da hat übrigens, was ich ganz vergessen hatte, während ich nämlich in der Küche saß, und mein Frühstück so vor mich hin aß, wissen Sie, das hat es plötzlich, also plötzlich, nech, das hat es dann so, einfach so, an meiner Tür geklingelt, und dann stand da meine Nachbarin, was mich natürlich erst mal verwirrt hat, weil sie ja sonst nie bei mir klingelt und auch sonst als Nachbarin sehr pflegeleicht ist, auf jedem Fall, geklingelt hat sie bei mir, als ich in der Küche beim Frühstück saß.

Und wissen Sie, was sie da von mir wollte! Das war ja echt, also, da fehlten mir echt die Worte. Und es war ihr nicht mal peinlich, nach Gegenständen der – ähm – Damenhygiene zu fragen!

Warum schauen Sie mich jetzt schon wieder so komisch an? Ist das Ihnen etwa...

Nein, ich sehe, peinlich ist es Ihnen nicht, aber jetzt weiß ich auch, warum sie so schauen, denn das hat ja auch überhaupt nichts damit zu tun, warum ich Ihnen grade meinen Personalausweis nicht zeigen kann. Ich sollte weite von DENEN erzählen.

Es war nämlich, als ich auf dem Weg zur Arbeit war, genauer gesagt auf dem Weg zu U-Bahn, denn bis zur Arbeit hab ich’s ja gar nicht geschafft, weil die mir ja einfach aufgelauert haben förmlich. Aber das war so, ich hab das ja erst am Anfang gar nicht gemerkt. Ich war so von dem Laden dort fasziniert, denn es war direkt vor dem Schaufenster, das grade neu dekoriert wurde, und da wurden dort grade Kissen in Betten verteilt, was man ja nicht jeden Tag sieht, das eine junge Frau auf einem Bett sitzt und die Kissen um sich herum drapiert. Und da war ich natürlich etwas abgelenkt, und dachte im ersten Moment, DIE wären einfach nur Penner, die mich fragen, ob ich nen Keks für sie habe oder so was.

Warum stehen Sie denn jetzt auf? Warten Sie doch mal, warum hauen Sie denn jetzt ab? Wollten Sie nicht noch wissen, was die nachdem die das gemacht haben, mit meinem Personalausweis...

Ah, sie rufen Ihre Kollegen an, um Bescheid zu sagen, das es hier noch etwas länger dauert. Gut, das ist weise von Ihnen, denn ich habe ja mit dieser unerhörten Geschichte noch nicht einmal richtig angefangen zu erzählen.

Sind ihre Kollegen jetzt informiert? Ja, ich sehe es an Ihrem Gesicht, das ich Ihnen jetzt weiter erzählen kann, was da los gewesen ist. Es war also so, das ich ja gefrühstückt hatte und auch schon mit meiner Nachbarin gesprochen hatte wegen sie wissen schon – das können Sie übrigens gerne nachprüfen, wenn Sie das möchten – auf jedem Fall hatte ich ja schon mit ihr gesprochen und war dann aufm Weg zu Arbeit vor diesem Bettengeschäft, als ich die Scheiß-Kotz-Idioten begegnet bin. Und die haben dann, es war halt so, wissen Sie, und das waren ja auch viel mehr, und dann haben die mit mir, jawohl, auch wenn das kaum zu glauben ist.

Und es heißt ja immer, das es hier so viel Kriminalität gibt, wissen Sie, aber bisher habe ich das ja nie geglaubt, aber jetzt! Jetzt ist das natürlich was anderes, wissen Sie!

Weitere Polizisten mit großen Auto kommen an.

Fabian: Oh, schauen Sie, da kommen Ihre Kollegen. Hallo Sie, wollen Sie auch wissen, warum ich keinen Personalausweis habe? Ja, offensichtlich sind sie deswegen hier, es ist ja sonst hier grad recht leer. Das war also so, wissen Sie, ich war halt auf dem Weg zur Arbeit, wie ich ja Ihrem Kollegen schon erzählt habe, aber da bin ich natürlich nie angekommen. Oh, wollen Sie, das ich mitkomme? Das mache ich natürlich gerne.

Soll ich dann Ihren Kollegen den Rest der Geschichte erzählen? Sagen Sie denen, was ich bisher gesagt habe, dass ich nicht alles von neuem Erzählen muss? Na gut, ich fasse für Sie kurz zusammen, es war also so, das ich zur Arbeit unterwegs war, als ich...

Ab. Polizist bleibt alleine zurück!


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* Drama *


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