Einsatz in einem Mordfall – ein Mordfall in einem Satz

Vor drei Tagen, als der Kommissar den Anruf bekam, dass in Welshausen, dem Villenviertel der Stadt, in einer Mülltonne die Reste einer menschlichen Leiche gefunden wurden, war der schreckliche Zeitpunkt, an dem diese lange, und überaus unheilvolle, von Reisen und Gesprächen durchzogene Geschichte, welche den Kommissar aus seinem gewohnten Wochenrythmus – Montags Schachabend – Dienstags seine Frau – Mittwochs Familienabend mit Frau und Tochter – Donnerstags allein, denn seine Frau ist bei ihrem Nähzirkel – Freitags schwimmen gehen – gerissen hat und ihn am Ende, nachdem er in 48 Stunden Hamburg, die alte Hafenstadt, die noch heute, nach Jahrhunderten glanzvoller Geschichte, vom Überseehandel lebt und in der er sich mit dieser blöden Göre, dieser verzogenen Tochter eines reichen Kaufmanns, die sich so viel auf ihr Aussehen und ihr Geld, oder vielmehr auf das ihres Vaters, der mit dem Handel von chinesischem Spielzeug reich geworden ist, einbildet und die in der Mordnacht als letzte mit Henry, dem Opfer des grausigen Mordes, der den Kommissar seit diesem Telefonanruf auf Trab hält, telefoniert hat, rumschlagen musste, um zu erfahren, dass sie oft mit Henry, der der Kompanion ihres Vaters im Geschäft mit dem Spielzeug war, telefoniert hat und er fast so etwas wie ein väterlicher Freund, mit dem sie über all die Dinge – von Make-Up über ihre Fernsehserien bis hin zu Männern – reden konnte, für die ihr Vater nie die Zeit und den Nerv hatte, für sie ist und er auch von Steffen, ihrem Freund in Wien, wusste, den der Kommissar, da sie in der Mordnacht noch mit ihm telefoniert hat, als nächstes besuchen musste und der, von Beruf Fitnessstudiobesitzer und nicht weniger eingebildet als seine Freundin aus Hamburg, sich jedes Wort über seine Freundin und das Gespräch, das sie in der Mordnacht geführt haben, in dem es auch um die Probleme Henrys mit dem Vater von Sindy, wie die Tochter des reichen Hamburger Kaufmanns heißt, ging und das er so erfahren hat, dass Herny nicht mehr mit Sindys Vater zusammenarbeiten wollte, aus der Nase ziehen ließ und fast verschwiegen hätte, dass er nach dem Gespräch mit ihr noch mit seiner Mutter in Amsterdam, welches natürlich dann das nächste Ziel des Kommissars war, gesprochen hatte und ihr von Henrys Plänen erzählt hat, was den Kommissar am Abend in einen Amsterdamer Puff führte, wo er sich ein wenig unwohl fühlte, denn bisher hatte er noch nie das Bedürfnis, ein solches Etablissement zu besuchen, was für ihn dann jedoch letztlich in Ordnung war, weil es ja dienstlich war, wo er sich mit Tanja, Steffens Mutter traf, was zu einer längeren Diskussion über seine dienstlichen Rechte im Ausland, da er ja mit einem in Deutschland geschehenen Mordfall befasst war, führte und im Anschluss an diese Diskussion ihm einige zusätzliche Informationen über Steffen und seine Beziehung zu Sindy bescherte und außerdem, und das war der eigentlich anstrengende Teil seiner Zeit in Amsterdam, dass sie, also Tanja, einen Freund hat, so einen lieben Freund, der immer so toll zu ihr ist, aber leider die meiste Zeit unterwegs sei, so wie auch jetzt grade, da er ja Fernfahrer sei und sein Beruf das eben mit sich bringe, wie sie ihm erklärte, und das er ja wenigstens einen ehrbaren Beruf habe, im Gegensatz zu ihrer Beschäftigung als Puffmutter, denn er sei ja ein Kraftfahrer und war auch letztens erst bei ihr, nämlich genau an dem Abend, als ihr Steffen sie anrief und beim Telefonat sie so schön im Arm gehabt habe, was sie ja umgekehrt auch gemacht habe, als er angerufen worden sei, wodurch er erfuhr, das ein Freund von Günter, wie ihr Freund heißt, auch von den Problemen von Henry erfahren hat, was dazu führte, das er sich für den nächsten Morgen in einem Cafe, einer Fernfahrerbar im Südwesten Berlins, wo er grade eine neue Ladung, die sich in Nachhinein als Spielwaren entpuppte, aufnehmen sollte, mit Günter, wie ihr Freund hieß, verabredete, so dass der Kommissar Amsterdam sofort wieder verließ und sich wenige Stunden später in einem Fernfahrercafe in einem Vorort von Berlin wiederfand, wo er einem wettergegerbten Mann mit dichtem Bart und graubraunen Locken, die ihm bis zu den Schultern reichten, gegenüber saß und sich von ihm den Abend in Amsterdam ein zweites Mal schildern ließ, was ihm gegen seinen Willen Informationen und Details, die nicht sehr appetitlich waren, über das Sexualleben einer speziellen Puffmutter in Amsterdam eintrug und außerdem zu einer weiteren Version der Geschichte, welche Probleme Henry mit seinem Kompanion hatte, und darüber hinaus die Spur in diesem Fall weiter nach Freiburg, der schönen Stadt im Südwesten Deutschlands führte, da er an dem Abend in Amsterdam von einem Kunden aus dem Breisgau, in dem Freiburg ja bekanntlich liegt, angerufen wurde und der, auf die Frage, was Günter den so aufgeregt habe, die Geschichte von Henry erzählte, woraufhin sich der Kommissar sofort auf den Weg nach Freiburg machte und am späten Nachmittag im Hinterzimmer eines idyllischen Spielwarenladens, der sich damit brüstet, das man alles Spielsachen ausprobieren und so, sprichwörtlich, nicht die Katze im Sack kaufen müsse, befand und dort eine weitere Version der Probleme von Henry, den der Spielwarenladenbesitzer nicht kannte, hörte, was den Kommissar fast schon zu dem Schluss führte, das seine Spur hier endet, wobei sich jedoch seine letzte Frage, nämlich ob der Ladenbesitzer den Hamburger Händler kennen würde, den Kommissar in diesem Mordfall weiterführt, da sie nicht nur mit ja beantwortet wurde sondern auch die beiden Männer in der Mordnacht, noch nach dem Anruf von Günter, miteinander gesprochen haben, wo der Freiburger den Hamburger gefragt hat, ob dieser zufällig einen Henry kennen würde, der mit seinem Kompanion, einem Hamburger Händler, brechen wolle, was jedoch vom Hamburger verneint wurde und von kurzen Sätzen und einem schnellen Ende des Gesprächs gefolgt war mit der Aussage, er müsse noch mal schnell weg, was der Kommissar sich natürlich schnell notiert hat und sich damit auf den Heimweg machte, und Wien, die österreichische Hauptstadt mit ihrem arroganten Fitnessstudiobesitzer, der sein Gehirn wahrscheinlich gegen drei Kilo Muskeln eingetauscht hatte und der so ein richtiges Arschloch war, also der perfekte Freund für die grässliche Tussi aus Hamburg war, sowie in einen Puff in Amsterdam, eine Fernfahrerkneipe in Berlin und einen Spielzeugladen in Freiburg gewesen ist, wieder nach Frankfurt am Main geführt hat, begann, welche er nun mit der Verhaftung eines Hamburger Kaufmanns wegen Mordes beendete, was ihn sehr freute, denn es traf die Hamburger Göre sehr, erst ihren väterlichen Freund und dann ihren Vater zu verlieren, denn die arrogante Tussie-Art konnte der Kommissar so gar nicht leiden.


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