Die Stadt mit Schloss und Rathaus

(und Tempelbezirk und Autobahn)

In einem fernen Land gab es einmal eine Stadt. Diese Stadt lag am Meer, möglicherweise an der Ostsee. Sie hatte viele Einwohner, die dort die Straßen bevölkerten. Männer und Frauen und Kinder, Arbeiter und Chefs, Bürgermeister und einen König, Lehrer und Ärzte, Silkes und Sabrinas und andere. Man könnte fast sagen, das alle Arten Menschen dort vorkamen, sogar Christen, Moslems und Kommunisten.

Die Stadt war sehr fortschrittlich, denn es gab dort einen Hafen und einige Straßen, sowie zwei Plätze, den vor dem Schloss und den vor dem Rathaus. Am Platz vor dem Rathaus war ein kleines Café, in dem sich die Jugend der Stadt oft traf. Der Platz, der an einem leichten Hang lag, war in Stufen angelegt worden. Durch diese Schräge war es möglich, das man vorne ins Erdgeschoss der Rathauses kam, auf der Rückseite der Mitarbeitereingang aber im ersten Stock war. Interessanterweise lag der Mitarbeiterausgang zur GROSSEN PRACHTSTRASSE, die direkt zum Haupteingang des Schlosses führte.

Wenn man sich die Geschichte dieser Stadt angeschaut hat, dann konnte man es jedoch verstehen, denn in dem Land gab es einerseits die Könige, die offiziell das Land beherrschten, und andererseits die Bürgermeister, die eigentlich in den Städten herrschen sollten und die mit den Königen nichts zu tun haben wollten.

Doch die Menschen in dieser Stadt ließen sich sowieso nicht regieren, denn sie wussten selber am besten, was sie wollten. Wenn der Bürgermeister oder der König sie nett fragte, so hörten sie oft auf ihn, doch das war irgendwie alles freiwillig. Und so kam es, dass das Rathaus am Platz gebaut wurde und die Rückseite zur GROSSEN PRACHSTSTRASSE führte. Hinter dem Schloss gab es einen wunderschönen Schlosspark voller saftiger grüner Wiesen, fast englischem Rasen, in der Mitte ein wunderschöner Brunnen, zu dem ein Spiralweg führte. In der hintern Ecke des Schlossparks, an der dem Meer zugewandten Seite, gab es einen geheimen Ausgang durch die große Mauer, die den Park umrundete. Durch diesen Geheimgang kam man zu einer Treppe, die zu einer Höhle in den Klippen hinab führte, die zum Privatanleger des Königshauses führte.

Das Schloss selber bestand aus drei Flügeln, dem Zentralflügel, dem Meeresflügel und dem Landflügel. Vor dem Zentralflügel, zur GROSSEN PRACHTSTRASSE hin, war ein Exerzierplatz, falls eines Tages Soldaten in die Stadt einmarschieren sollten. So war wenigstens klar, dass für eine fremde Armee das Schloss das erste Ziel sein musste und der Rest der Stadt unerobert blieb.

Mit Blick auf den Exerzierplatz und die GROSSE PRACHTSTRASSSE hatte der Zentralflügel einen großen Balkon, von dem aus der König die ganze Straße überblicken konnte. Rechts und Links des Balkons hatte das Schloss zwei Türme, früher mal damit der König seine Stadt überblicken konnte. Doch die neuen Häuser, die in der Stadt gebaut worden waren, versperrten ihm die Sicht, was den König sehr nervte. Aber leider wollte niemand für ihn auf die oberen Stockwerke seiner Gebäude verzichten.

Die Seitenflügel hatten jeweils einen Turm, den Schauinsland und den Schauaufsmeer. Vom Schauaufsmeer aus hatte man einen guten Blick aufs Meer, wie ja der Name schon sagte, aber für den Schauinsland galt dies nicht, denn neben dem Schloss war vor vielen Jahren die Kathedrale der Stadt errichtet worden, und deren Schiff überragte den Turm doch ein ganzes Stück.

An der Ecke des Landflügels gab es im Keller einen kleinen Gang, der über eine Fußgängerbrücke direkt zum Königsbalkon der Kathedrale führte. Zwischen dem Schloss und der Kathedrale führte eine tief eingegrabene Straße entlang, die zum Platz Hinter Der Kathedrale führte, an dem die Moschee der Stadt errichtet worden war. Die Moschee selber wurde von einem früheren Bürgermeister errichtet, der zum Islam konvertiert war, damit er Selbstmordattentäter werden konnte. Da es jedoch nie zu dem Selbstmordattentat des Bürgermeisters kam, hatte die Stadt seit dem auch eine Moschee.

Landwärts von der Kathedrale aus befand sich die Schule der Stadt. In dem nüchternen Gebäude waren sämtliche Schulen der Stadt vereint, von der Grundschule bis zur Oberschule alles. Früher mal war in großen weißen Buchstaben Penne von Schülern auf das Dach geschrieben worden, doch die Schule hat es mit dem Wort Schule überpinseln lassen. Neben zwei Wohnhäusern gab es im sogenannten Tempelbezirk der Stadt noch die Sporthalle mit integriertem Schwimmbad und angrenzendem Basketballplatz, die hauptsächlich von der Schule genutzt wurden.

Direkt an der Querstraße, die vor dem Schloss die GROSSE PRACHTSTRASSE kreuzte, befanden sich mehrere weitere Wohnhäuser. Bei einem davon konnte man direkt von der Straße in den Keller gehen, da die Straße hier durch eine Senke verlief, um die vor einigen Jahren errichtete Autobahn zu unterqueren. An dieser Stelle befand sich auch die Auffahrt Querstraße/Tempelbezirk/Schloss der Autobahn.

Diese Autobahn war überhaupt ein Phänomen, denn Landwärts hinter der Auffahrt Tempelbezirk führte sie durch sumpfiges Gelände und endete schließlich vor einem Waldstück. In die andere Richtung führte sie am Krankenhaus entlang, wo sich die Auffahrt Rathausnebenstraße/Krankenhaus befand und dann weiter über die GROSSE PRACHTSTRASSE, die hier extra tiefer verlegt worden war, Richtung Meer zur Auffahrt Jachthafen/Leuchtturm/Fischerhafen und von dort weiter am Meer entlang, wo in einen Tunnel in einem Berg führte, wo sie endete.

Ursprünglich hatte der König sich die Autobahn gewünscht, denn er wollte eine Abfahrt namens Königsabfahrt haben, so dass die Brücke über die GROSSE PRACHTSTRASSE gebaut worden war. Da die Bürger der Stadt jedoch eigensinnig waren, nannten sie die Abfahrt, wahrscheinlich um den König zu ärgern GROSSE PRACHTSTRASSE/Rathaus/ Industriegebiet/Schloss. Nachdem die Leute die vier bekannten Abfahrten gebaut hatten, hatten sie jedoch keine Lust mehr, die Autobahn weiterzubauen, so dass sie an beiden Enden einfach so endete.

Gegenüber vom Schloss, als jenseits der Querstraße, befand sich der Marschstall, zwei Gebäude, die zusammen einen Halbkreis bildeten, der von der GROSSEN PRACHTSTRASSE unterbrochen war. Vor dem Marschstall war dementsprechend ein halbkreisförmiger Platz, der durch eine kleine, steinerne Mauer als weißem Kalkstein von der GROSSEN PRACHTSTRASSE und der Querstraße getrennt war. Zwischen dem landwärtigen Marschstall und dem Rathaus befanden sich drei sehr Repräsentative Zweifamilienhäuser. Auf den anderen Straßenseite befanden sich zwei Dreifamilienhäuser sowie eine Gruppe aus vier Reihenhäuser mit jeweils drei Stockwerken Höhe. Hinter den Häusern an der GROSSEN PRACHTSTRASSE war das Industriegebiet der Stadt. Durch dieses Industriegebiet, vom Hafen, zu dem die Querstraße führte, bis zum Rathausstraße führte die Straße Im Industriegebiet. Landwärts dieser Straße befand sich ein großes Fabrikareal, das von einer hohen Mauer um geben war. Das Fabrikgebäude selber, das an den Seewärtigen Marschstall grenzte, war zur Besseren Beleuchtung mit großen, gläsernen Dächern besetzt, die wie ein Sägeblatt angeordnet waren. An diese Fabrik schloss sich ein Fabrikhof mit Gießerei, Lagerhaus und Fahrradschuppen an. Aus dem Dach der Gießerei ragte ein gewaltiger Schornstein, aus dem Tag und Nacht schwarzer Rauch aufstieg, sehr zum Ärger der Königs, der so regelmäßig seine Schlossfassade streichen lassen musste. Auf der anderen Seite der Straße Im Industriegebiet befanden sich drei riesige Lagerhäuser, wo die im Hafen umgeschlagenen Waren gelagert wurden.

Fuhr man die Straße Im Industriegebiet weiter, so zweigte erst nach links die Rathausstraße ab und dann – und hier verlief die Straße schon auf einem Damm – die Leuchtturmstraße Meerwärts nach schräg rechts, die in einem geschwungenen Bogen zum Leuchtturm der Stadt führte. Die Straße Im Industriegebiet führt nach dieser Abzweigung noch ein gutes Stück weiter und beschrieb an einen Borgen in Richtung Meer, wo die Bewohner der Stadt einstmals eine Brücke übers Meer bauen wollten. Doch die Fährleute der Stadt konnten ihnen diesen Plan schnell ausreden, und so endet auch die Straße Im Industriegebiet im Nichts.

Im Eck Rathausstraße, Straße Im Industriegebiet und Autobahn waren einige weiter große Wohnhäuser, die von idyllischen Gärten voller Obstbäume und Palmen umgeben waren.

Hinter diesen Häuser, an der Kreuzung Rathausstraße/GROSSE PRACHTSTRASSE war eine Unterführung unter der Autobahn hindurch, wo die Leute zwei kleine Tunnel gegraben hatten, durch die die Fahrspuren der GROSSEN PRACHTSTRASSE führten.

Die Rathausstraße führte, nachdem sie am Rathaus vorbeigeführt hatte, unter der Autobahn hindurch. Vorher kreuzte sie sich noch mit der Hauptstraße, die am Rathausplatz entlang zwischen zwei Hotelkomplexen und einigen kleineren Wohnhäusern hindurch zur Querstraße führte.

Hinter der Autobahnunterführung führte die Rathausstraße am Krankenhaus vorbei. Auf dem Dach des Krankenhauses hatten die Bewohner der Stadt extra einen Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, doch da es in der Stadt keinen Hubschrauber gab, wurde dieser hauptsächlich von den Ärzten des Krankenhauses zum Sonnen genutzt. Der Bereich auf der landwärtigen Seite der Autobahn wird von den Einwohnern der Stadt liebevoll Transavenidien genannt. In den großen Plattenbauten, die hier stehen, wohnen die armen Leute der Stadt, die Arbeiter, die sich freuen, überhaupt eine Wohnung zu haben. Da diese Gebäude genauso nach Lust und Laune gebaut wurden wie alle Gebäude der Stadt, haben sie recht eigenwillige Formen, das eine hat den Grundriss eine Eins in Spiegelschrift sowie ein zweites, ebenfalls achtstöckiges Gebäude mit zwei Innenhöfen, wovon einer zur Autobahn hin offen ist. Wenigstens der Plattenbau direkt an der GROSSEN PRACHTSTRASSE wurde einfach als langes, grades Gebäude gebaut.

Tja, und so war das damals in der Stadt am Meer.


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