Ein schlechter Anfang

"Wir wissen, wo du wohnst!"

Das ist ein total kackiger erster Satz. Und "kackig" ist ein total kackiges Adjektiv. Deswegen ignoriere ich das, und fange nochmal von vorne an.

Andererseits, erste Sätze sind ja auch total völlig überbewertet. Woher soll man schließlich wissen, wenn der erste Satz gut ist, ob dann der Rest der Geschichte auch gut ist.

"Oh nein," geht die Geschichte dann weiter. Was war auch zu erwarten nach so einem ersten Satz. Da kann ich auch nur sagen: Oh nein!

Naja, es hilft nicht, wir müssen uns durch diesen Scheiß durchquälen, denn es sind ja noch die Gegenstände, um die es gehen soll, in der Geschichte unterzubringen. Vielleicht sollten wir uns erstmal mit denen befassen, bevor wir weiter dieser grottigen Geschichte folgen.

Als erstes haben wir da einen Schnürsenkel. Der ist schon etwas älter, angeblich über 20 Jahre. Und er ist braun und nicht sonderlich lang. Aber sowas kann man ja immer mal brauchen, hieß es. Als zweites gibt es da diese Visitenkarte von einem sehr schlechten Zahnarzt. Mit den beiden Gegenständen könnte man nun spekulieren, ob da jemandem der Schnürsenkel in einer Rolltreppe hängen geblieben ist und er deswegen auf die Nase gefallen ist und sich einen Zahn ausgeschlagen hatte. Und dann musste er zum Zahnarzt. Und die Zahnarzthelferin erklärte dem Patienten dann: "Wir wissen, wo du wohnst!" und der Patient antwortete dann mit "Oh nein!"

Hm, das klingt ein wenig unlogisch, warum sollte der Patient ein Problem damit haben, das die Zahnarzthelferin weiß, wo er wohnt?

Nun gut, wir haben ja noch zwei Gegenstände, die wir euch vorstellen müssen. Als drittes ist nämlich der Bleistift zu nennen. Aus Holz und mit einem Bindfaden am Ende, ähnlich dem Schnürsenkel. Vielleicht hat jemand in einer Bar voller zwielichtiger Gestallten mit dem Bleistift eine Böse Beleidigung auf die Visitenkarte geschrieben und sie jemandem gegeben. Vielleicht sowas wie "Du dentaler Zahnarzt!". In den Kreisen, die in so einer Bar verkehren würden, wäre das sicherlich eine böse Beleidigung. Und dann ist der Beleidigte aufgestanden und hat dem Schreiber in die Fresse gehauen und so einen Zahn ausgeschlagen und ihm die Visitenkarte zurückgegeben. Daraufhin meinte der Getroffene "Wir wissen, wo du wohnst" und der andere antwortete mit "Oh nein!"

Irgendwie ist die Geschichte so aber auch sehr lahm. Wirklich spannend ist das so nicht. Vielleicht bringt ja der vierte Gegenstand etwas Licht ins Dunkel.

Der vierte Gegenstand ist eine Packung Rachen-Drachen. Vielleicht war es ja so, das jemand einen von diesen Rachen-Drachen gegessen hat und dann nachher Zahnschmerzen hatte. Deswegen hat er von seinem Freund die Visitenkarte vom Zahnarzt bekommen, zu dem er dann hin ist. Weil dem Zahnarzt aber die Betäubungsspritzen ausgegangen waren, hat er den Patienten mit seinem Schnürsenkel an den Behandlungsstuhl gefesselt, um ihn so behandeln zu können. Und da der Zahnarzt außerdem seinen Bohrer verlegt hatte, hat er mit dem Bleistift so lange in dem Loch herumgestochert, bis alles Kranke raus war. Als der Patient sich dann beschweren wollte, meinte der Zahnarzt nur: "Wir wissen, wo du wohnst!" und der Patient sagte nur noch "Oh nein" und wurde ohnmächtig.

Hm, können Zahnärzte wirklich so fies sein? Na, ich weiß nicht, vielleicht ist diese Geschichte auch nicht so ganz die Richtige. Aber was könnte dann sonst noch passiert sein? Vielleicht war der Bleistift ja der Auslöser. Der hat nämlich, wie schon erwähnt, am Ende ein Seil. Und vielleicht war das ja früher mal länger, und jemand hat es abgeschnitten, um daraus einen Schnürsenkel zu machen? Und weil das Seil nun kürzer war, konnte der Besitzer sich den Bleistift nicht mehr um den Hals hängen, und deswegen hat natürlich sein Pulli seinen Hals nicht richtig geschützt und er hat Halsschmerzen bekommen. Gegen die Halsschmerzen hat er dann die Rachen-Drachen gegessen. Und weil die aber so viel Zucker enthalten, hat er davon instantan Karies bekommen und deswegen vom Apotheker die Visitenkarte für den schlechten Zahnarzt mit "Rund-um-die-Uhr-"Service bekommen. Als der Patient sich dann beschweren wollte, meinte der Apotheker nur: "Wir wissen, wo du wohnst", woraufhin der Patient Angst bekam und "Oh nein" rief!

Tja, diese Geschichte führt nun natürlich zur Frage, wie oft – und ob jemals – Instantan-Karies auftritt und ob es in Berlin, wo es ja angeblich alles und noch viel mehr gibt, es auch Zahnärzte mit Rund-um-die-Uhr-Service gibt.

Da fällt mir ein, eigentlich sollte die Geschichte aber doch mit "Wir wissen, wo du wohnst!" anfangen. Also kann die Geschichte mit dem Zahnarzt auch nicht stimmen. Also weiter, nächster Versuch.

"Wir wissen, wo du wohnst!" könnte ein Mafioso zu dem Zahnarzt gesagt haben, nachdem dieser ihnen seine Visitenkarte gegeben hatte. "Oh nein!" rief daraufhin der Zahnarzt und versuchte, den Mafiosi mit einer Werbepackung Rachen-Drachen zu bestechen. Daraufhin zog der Mafioso einen Bleistift aus seinem Jacket und griff damit den Zahnarzt an. Als dieser nun am Boden lag, nahm der elegant gekleidete Mafioso die Schnürsenkel aus seinen Schuhen und fesselte den Zahnarzt. "Lass dir das eine Lehre sein!" rief er noch über seine Schulter, als er verschwand.

Tja, schöne Geschichte, aber erpressen Mafiosi überhaupt Schutzgeld von Zahnärzten? Ich meine, hey, Restaurantbesitzer, Bordellbesitzer, Glücksspielbetreiber und Pizzabäcker und dann auch noch ZAHNÄRZTE??? Wie sollen die denn da rein passen? – Nee, die Geschichte muss sich anders abgespielt haben. Also nächster Versuch:

"Wir wissen, wo du wohnst," meinte der Superschurke zum Superhelden. "Oh nein," rief daraufhin der Superheld und griff den Schurken mit seinem Rachen-Drachen-Mega-Killerstrahl an. Daraufhin hob der Superschurke seine Supervisitenkarte, die leider seine zweite Identität als schlechter Zahnarzt preisgab – an dieser Stelle wurde der Fernsehsender wegen Schleichwerbung verklagt – um sich zu verteidigen. Daraufhin griff der Superheld zu seinem Bleistift und malte seinem Gegner einen Hitler-Bart ins Gesicht. Dem war das so peinlich, das er seinen Kopf in seinen Armen versteckte. Daraufhin nahm der Superheld seine Schnürsenkel und fesselte den Superschurken. Und so konnten die Einwohner von Ciudad City wieder in Frieden leben.

Tja, ist zwar eine nette Geschichte, aber von einen Rachen-Drachen-Mega-Killerstrahl habe ich noch nie gehört und warum versteckt sich der Superschurke eigentlich, als er einen Hitler-Bart gemalt bekommt? Und warum lässt er das mit sich machen? Irgendwie scheint diese Geschichte auch nicht so ganz richtig und sinnvoll zu sein. Naja, probieren wir es weiter.

"Wir wissen, wo du wohnst," entgegnete der Dalai Lama dem Papst.

"Oh nein," antwortete der Papst. "Das kann gar nicht sein, denn das, was du da in der Hand hältst, ist nur die Visitenkarte von meinem Zahnarzt. Und der ist nicht mal gut."

"Das ist schon richtig," antwortete ihm der Dalai Lama. "Aber die Rachen-Drachen-of-Doom haben es mir verraten."

"Das denkst du," entgegnete der Papst. "Aber in Wirklichkeit hat Gott deine Rachen-Drachen beeinflusst."

"Dein Gott ist also ein Mönch mit langen Schnürsenkel, die an den Rachen-Drachen befestigt waren?"

"Der Mönch war von den Buddhisten, wir brauchen solche Hilfsmittel nicht. Du weist doch, die Feder ist stärker als das Schwert."

"Oder in deinem Fall zumindest der Bleistift. Denn mit dem wurde ja die Adresse von den Rachen-Drachen geschrieben."

"Aber das ist nicht meine Adresse!"

"Und warum habe ich dich dann hier gefunden?"

"Zufall. Und jetzt bin ich weg."

Interessantes Gespräch das. Der Papst und der Dalai Lama. Aber irgendwie habe ich meine Zweifel, ob es sich wirklich so zugetragen hat. Ich habe nämlich noch nie von einem Rachen-Drachen-Orakel gehört. Und die Adresse vom Papst findet man bestimmt relativ einfach raus, wenn man das wirklich will. Diese Geschichte ist also auch nicht die Richtige.

Nun gut, versuchen wir die Geschichte mal so:

"Wir wissen, wo du wohnst," meinte der Schnürsenkel zu der Visitenkarte. "Oh nein," rief die Visitenkarte. "Wie konnte das geschehen?"

"Nun," erklärten die Rachen Drachen, "es steht auf dir drauf."

"Oh, tatsächlich," entgegnete die Visitenkarte verlegen.

"Aber ja," erwiderten die Schürsenkel. "Daran erkennt man dich doch."

"Und außerdem hab ich noch eine Email-Adresse auf dich drauf geschrieben," erklärte der Bleistift liebevoll. Und so verbrachten sie jeden Tag in der Handtasche, denn die Visitenkarte war sehr vergesslich.

Oh, wie schön, endlich eine Geschichte, bei der alles passt. Das ist super, damit können wir ja dann für heute aufhören.

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