Was auf dem Zettel stand, den er in ihrer Jackentasche fand

Dass Björn bei einer Party eine falsche Jacke angezogen hatte, war der Auslöser für die ganze, verrückte Geschichte. Es war eine schöne Jacke, fast so wie seine, die er nirgends finden konnte. Doch eben nur fast.

Als er auf den Nachtbus gewartet hat, hat er die Jackentaschen durchsucht, ob da irgendwas interessantes drin ist. Außer einem Zettel war jedoch nichts drin. Auf dem Zettel, stand ein Spruch:

Laber Rhabarber

Ich wünsche mich fort

Kadaver, Kandelaber

an einen ganz fremden Ort!

Und zwar nach:

Und sonst stand nichts weiter auf dem Zettel. Und dann hatte Björn den Fehler seines Lebens begangen, und den Spruch laut ausgesprochen, um zu hören, wie das Gedicht klingt.

"Laber Rhabarber", sagte er.

"Ich wünsche mich fort.

Kadaver, Kandelaber,

an einen fremden Ort!

Und zwar nach:"

Da ihm das alles etwas sinnlos erschien, beendete er es mit einem langen "Ääääähm."

Sekunden später kam der Bus und er stieg ein. Der Bus fuhr los und plötzlich wurde es sehr neblig auf der Straße. Björn, der aus dem Fenster schaute, konnte gar nichts mehr erkennen. Doch der Busfahrer bremste nicht etwa, sondern beschleunigte weiter, dass der Wind nur so um den Bus heulte und rauschte.

Plötzlich tauchten aus dem Nebel neben dem Bus zwei große rote Augen auf, doch kaum hatte Björn sie erblickt, da waren sie auch schon an ihnen vorbei. Dann bremste der Bus plötzlich, öffnete die Türen und zwei Soldaten im Kampfmontur kamen herein, liefen einmal im Laufschritt durch den Bus und hinten wieder raus. Dann fuhr der Bus weiter durch den Nebel, der ganz plötzlich zu Ende war. Doch von den Lichtern der Stadt war nichts zu sehen, es war einfach nur dunkel draußen.

Dann bremste der Bus plötzlich und kam mit einem lauten, quietschenden Geräusch zum Stehen.

"Loslos! Schnell raus hier, gleich explodiert hier alles."

Sekunden später wurde Björn von einem hellen Blitz geblendet und fiel dann auf seinen Hintern.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ war alles, was seine Augen sehen konnten.

Als seine Augen sich wieder an die Dunkelheit gewöhnt hatte, stellte er fest, dass der Bus plötzlich weg war und er auf nassen Felsen saß. Wo hatte der Bus ihn bloß hingebracht? Was machte er hier? Er befand sich auf einer felsigen Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckte. In einer Richtung konnte er einen hellen Schimmer sehen. Vielleicht war dort die Sonne untergegangen. Oder sie ging grade auf. Das konnte er so nicht feststellen.

Er rappelte sich auf und legte sich die fremde Jacke über die Schulter. Dann hob er seinen Rucksack auf, überprüfte den Inhalt – die Flasche Wodka war noch heile und verschlossen – und überlegte dann, in welche Richtung er jetzt am besten gehen sollte.

Als er etwas heller geworden war – es war also Morgen – konnte er am Horizont einen Schwarm Vögel kreisen sehen. Und wenige Minuten später konnte er in ungefähr die Richtung etwas erkennen, das vielleicht ein Haus mit ein paar Bäumen war. Vielleicht war dort jemand, der ihm sagen konnte, wo um Himmelswillen er gelandet war.

Und so wanderte er über die Ebene auf das Haus zu. Während es heller wurde, änderte sich die Landschaft und die Felsen wurden von grauem, trockenem Gras bewachsen, das, als er weiterging, gelb und dann grüngelb wurde.

Je näher er dem Haus kam, desto genauer konnte er es erkennen. Und je genauer er es erkennen konnte, desto klarer wurde, dass es sich nicht um ein herkömmliches Haus handelte, denn es hatte keine Fenster und Türen. Lediglich eine Dachterrasse war zu sehen, davon abgesehen war das Haus einfach nur quadratisch und seltsam. Die Erde um das Haus herum war zu kleinen Wällen aufgetürmt.

"Hallo!" rief er, als er vor dem Haus stand. "Ist jemand da?"

Kaum hatte er das gerufen, da fing das Haus laut zu brummen an. Dann begann die Erde zu zittern und das Haus versank bis zum Dach in der Erde und bewegte sich dann von ihm weg und wurde dabei immer schneller und versank weiter in der Erde. Lediglich einige der Erdwälle blieben übrig, wo das Haus sich entlang bewegt hatte und als es ganz versunken war, gaben die Erdhügel weiter seine Richtung an, wurden jedoch immer kleiner. Offensichtlich war das Haus ein U-Boot, dass sich durch die Erde bewegen konnte. Björn fragte sich, ob ihm irgendwer seltsame Drogen in den Tee, den er getrunken hatte, gemacht hatte. Aber da er sich den Tee selber gekocht hatte, konnte er diese Vermutung wohl ausschließen.

In der Richtung, in die er unterwegs war, sah er weitere diese Häuser und auch die vielen Bodenwellen machten nun Sinn, denn dort waren wohl auch Haus-U-Boote langge- - welches Wort passte hier? Geschwommen? Aber schwimmen tut man in Flüssigkeiten. Gelaufen? Gefahren? Getunnelt? Björn entschied sich in Gedanken, zu sagen entlangbewegt zu sagen. Einige hundert Meter weiter sah er einen großen Baum mit vielen Ästen stehen. Dem Sonnenstand nach zu urteilen, östlich von ihm.

Als er auf den Baum zu ging, musste er jedoch feststellen, dass der Baum viel größer als erwartet war und daher auch viel weiter weg. Wie auch immer ein so großer Baum in dieser Einöde mit den Haus-U-Booten überleben konnte. Vielleicht konnte er sich im Schatten des Baumes vor der bereits sehr warmen und immer höher steigenden Sonne verstecken und in Ruhe überlegen, was er nun weiter machen sollte.

Als er dem Baum dann irgendwann doch merklich näher kam, konnte er die Krone nicht mehr erkennen, so hoch war sie. Und der Baum war auch viel größer als alle Bäume, die Björn je gesehen hatte. Der Stamm hatte bestimmt fünfzig Meter Durchmesser, und war doch schlank und grazil. Doch die Blätter des Baumes waren die eigentlich Überraschung, denn sie schienen zwar grün, aber doch durchsichtig zu sein. Oder vielmehr brachen sie das Sonnenlicht, dass es um den Stamm herum auf den Boden fiel. Dort würde es wohl noch wärmer sein als in der direkten Sonne.

Als er so zu dem Baum aufschaut, nahm er Bewegungen in den Blättern war. Vögel oder Insekten oder so. Wenigstens war er hier offensichtlich vor den Häusern sicher, denn die Erde hier war ganz glatt und nicht gewellt wie sonst überall.

Plötzlich war ein lautes Flattern über ihm zu hören und ein Schwarm großer Vögel kam von der Krone herab auf ihn zu. Solche Vögel hatte er noch nie gesehen, sie sahen aus wie eine Mischung aus Hummeln, Adlern und Störchen. Sehr seltsam. Eine der Vögel ergriff Björn mit seinen Krallen und flog mit ihm nach oben.

Björn hätte nie gedacht, dass es so große Vögel geben könnte, sie waren bestimmt zehn Meter lang und die Flügel erst...

Einige Minuten und viele hundert Höhenmeter später erreichten sie die Baumwipfel. Björn war sehr überrascht davon, zwischen den Ästen Brücken und Wege zu sehen und an vielen Stellen hingen Runde Objekte, fast wie überdimensionale Wespennester. Es schien sich dabei um eine Art Wohnungen zu handeln.

Die Vögel setzten ihn auf einem größeren Platz in einer gigantischen Astgabel ab, auf dem sich mehrere Menschen versammelt hatten.

"Hallo Fremder! Willkommen in Ääääähm, dem Land der Ääääähmianer."

"Ääääähm" machte Björn, da er nicht wusste, was er sonst sagen sollte.

"Genau", erklärte ein älterer Mann. " Ääääähm."

" Ääääähm?"

" Ääääähm!"

"Nun gut, und was ist Ääääähm?"

"Ääääähm ist eines der großen Reiche auf der Inneren Welt. Und wir sind hier auf dem Großen Baum."

"Der Große Baum? Da wäre ich ja nie drauf gekommen."

"Ja, der große Baum. Und wo kommst du her?"

"Aus Colditz-Klein Eilsdorf."

"Ääääähm!"

"Ja, genau. Aber ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin."

"Wahrscheinlich mit der Laber Rhabarber-Bahn."

"Die Laber Rhabarber-Bahn?"

"Ja, genau mit der."

"Und wie komm ich zurück?"

"Das wissen wir auch nicht. Sonst wären wir ja nicht mehr

Und so kam es, das Björn ein weiterer Bewohner von Ääääähm auf dem Großen Baum wurde.

hoch

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* Prosa * Fantasy *


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