Der Schrecken der Galaxie

Die Regenbogenlolli sah sehr majestätisch aus, als sie abhob. Wasser tropfte von ihrem hölzernen Rumpf und Schmetterlinge umschwärmten die süßlichen Rauchschwaden, die ihre Raketen hinterließen. Ein paar verwirrte Holzwürmer schauten aus der noch feuchten Lamperie, die die hübsche, mit Säulen verzierte Galerie, die das schlanke Raumschiff elegant umschwang, als das Schiff quälend langsam in die tiefhängende Wolkenschicht eindrang. Ein älterer Albatros rutschte vom Dach des Raumschiffes, als es weiter beschleunigte, segelte langsam an den runden, reich verzierten Bullaugen des Schiffes vorbei und wurde dann von süßlichen Wolken und Schmetterlingen eingehüllt.

Als die Regenbogenlolli die Wolkendecke hinter sich ließ, trat ein elegant gekleideter Pinguin mit Krawatte und Sonnenschirm auf die Galerie heraus und betrachtete die sich entfernenden Wolken verträumt. Ein einzelner roter Faden löste sich aus seiner Krawatte und wurde von einem vorwitzigen Windstoß erfasst und über die Reling hinaus in die Wolken getragen. Der Blick des Pinguins folgte ihm, soweit seine Augen reichten.

Ein Stück weiter rechts von ihm war ein lautes Rumpeln und eine paar Rufe in einer fremden Sprache zu hören. Dann wurde eine Tür geöffnet und ein Kleiderschrank und ein Elch traten hinaus.

"Du kan ikke..."

Der Schrank ließ sich von den Beleidigungen des Elches jedoch nicht stören. Wahrscheinlich verstand er ihn einfach nicht gut genug. Als der Schrank näher an das Geländer herantrat, unterbrach der Pinguin sein Nachdenken.

"Was wird das bei euch?"

Der Schrank drehte sich zu ihm um und starrte ihn böse an: "Das geht dich nen Scheißdreck an!"

Der Pinguin seufzte und wandte sich wieder den Wolken zu. "Hätte ich doch bloß meine Klappe gehalten, damals in Berlin..."

Die Atmosphäre wurde langsam dunkler und man konnte die ersten Sterne erkennen. In dieser abgelegenen Gegend waren es nicht viele, und sie lagen alle in der gleichen Richtung, nämlich zum Zentrum der Milchstraße hin. Nur wenige waren noch weiter außerhalb als dieser blöde Planet, auf dem sie so lange festgesessen hatten. Doch jetzt waren sie endlich unterwegs.

Der Schrank und der Elch würdigten den Weltraum keines Blickes, wahrscheinlich waren sie von zu einfachem Gemüt oder ihre Vergesslichkeit zu groß. Das Raumschiff beschleunigte weiter und durchquerte die Satellitenwolke, die jeden größeren, bewohnten Planeten unweigerlich umgibt. Der Elch musste blitzschnell den Kopf einziehen, um nicht von einem vorwitzigen Fernsehsatelliten getroffen zu werden.

Da wurde es dem Elch zu viel und er flüchtete durch die halbhohen Schwingtüren wieder in das Innere des Raumschiffs. Kurz darauf folgte der Schrank ihm und der Pinguin konnte wieder in Ruhe seinen Gedanken nachhängen.

Sie hatten noch nicht einmal die Bahnen der Monde passiert, als ein Panda den Kopf aus dem Fenster streckte. "Hast du Hunger?" fragte er den Pinguin.

"Oh, Alter", stöhnte der Pinguin. "Kann ich denn hier nicht mal in Ruhe den Weltraum betrachten?"

"Was ist'n dir für 'ne Laus über die Leber gelaufen", blaffte der Panda zurück und schlug die hölzernen Läden des Raumschiffs zu.

Weiter und weiter flog die Regenbogenlolli auf ihrem Weg durch die Galaxie. Meteoriten trafen ihren hölzernen Rumpf, Sterne wichen ihr aus Angst aus und die Weltraumpolizei machte einen großen Bogen um das Schiff, als es direkt durch das Zentrum der Galaxie hindurch schoss. Egal,wie schnell das aus Tropenholz am Strand einer einsamen Insel auf einem verlorenen Planeten zusammengezimmerte Schiff flog, ihr Ruf eilte ihr voraus und ganze Spiralarme krümmten sich, um den vier gefährlichen Freaks auf dem Schiff zu entgehen.

Oft kann man sie schon aus Lichtjahren Entfernung über den weiteren Kurs zanken hören, doch da sie sich nicht einmal einig sind, wo sie hin wollen, werden sie hoffentlich auch nie ankommen. Für die Galaxie zumindest wäre es besser.

hoch

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