Tankpa


1


Als Elorin aufschaut, sind einige Werte im roten Bereich. Erst denkt sie, daß sie träumt und schaut ein zweites Mal genauer hin. Die Meßwerte aus Tank Pa70.70.220-kqbi sind außerhalb des normalen Bereichs. Würde nur eine Skala im roten Bereich sein, wäre es wahrscheinlich ein Fehler in der Leitung und Elorin müßte einen Techniker rufen, der die Leitungen und Meßgeräte überprüft. Doch jetzt haben mehrere der Skalen, fast alle, den grünen Bereich verlassen.

Plötzlich hat Elorin Angst. Eigentlich sitzt sie ja genau hier, um bei einem derartigen Fall Alarm auslösen zu können, doch sie hat nie damit gerechnet, daß sie den schwarz-gelb gestreiften Knopf jemals selber drücken muß. Schweiß läuft ihr über die Stirn, den sie mit einem Papiertuch abwischt.

Sie klappt die Scheibe auf, die über dem Knopf angebracht ist, damit niemand aus Versehen Alarm auslöst. Ein weiteres Mal überprüft sie die Werte. Wenn sie jetzt etwas falsch macht, dann ist sie ihren Job mit Sicherheit los, denn wenn der schwarz-gelbe Knopf gedrückt wird, dann wird in den gesamten, riesigen Komplex Alarm ausgelöst, das erste Mal, seid die unendliche Energie vor über hunderttausend Jahren erfunden wurde.

Auch wenn Elorin zu zehnten Mal nun die Anzeigen überprüft, sie bleiben alle im roten Bereich. "Es hilft nichts," sagt sie zu sich selber, "die Anzeigen sind im roten Bereich, also muß Alarm ausgelöst werden." Mit einer ruckartigen Bewegung schlägt sie auf den Knopf und drückt ihn so weit wie möglich rein.

Sofort beginnen im ganzen Komplex unter den Schwarzen Bergen Sirenen zu heulen; und grell-grüne Alarmlichter pulsieren im Takt der Sirenen. Alle Sicherheitstüren werden innerhalb weniger Sekunden luftdicht versiegelt, tausende Wissenschaftler, Techniker und Hilfskräfte, die zur Zeit frei haben, werden automatisch an ihre Dienststellen beordert, so sie nicht durch versiegelte Türen davon abgeschnitten sind.

Wachmannschaften im äußeren Bereich des gewaltigen Komplexes bewachen die Zufahrtsstraßen und stoppen jeglichen Kontakt zwischen dem Komplex und der Außenwelt. Das Sicherheitssystem verhängt automatisch eine Kommunikationssperre zwischen den schwarzen Bergen und der Außenwelt, alle Informationen über den Zwischenfall werden geheim gehalten.

"Überwachungsstation Pa70.70.220, bitte melden," sagt eine aufgeregt klingende Stimme aus der Kommunikationskonsole an Elorins Platz.

"BITTE BEWAHREN SIE RUHE," tönt es im gesamten Komplex aus riesigen Lautsprechern. "ES IST ALLES UNTER KONTROLLE. WIR WERDEN DIE SCHWIERIGKEITEN IN KÜRZE BEHOBEN HABEN. VERLASSEN SIE IHRE STATIONEN NICHT. HALTEN SIE SICH BEREIT."

Elorin setzt sich Kopfhörer und Mikrophon auf, um die Ansage, die ständig wiederholt wird, nicht mehr hören zu müssen.

"Hier Überwachungsstation Pa70.70.220! Einige Werte sind im roten Bereich, unter anderen Festigkeit und Beugungskoeffizient der Draniten, verschiedene Druck- und Geschwindigkeitswerte und Sub Slostrukturen."

"Bleiben sie vorerst auf ihrem Posten, in wenigen Minuten wird eine Ablösung für sie eintreffen. Speichern sie alle wichtigen Daten auf holographischen Rollträgern und bringen sie diese, wenn ihre Ablösung eingetroffen ist, mit zu einer Besprechung."

"Eine Besprechung..."

"Sehr bald. Weiter Anweisungen werden sie in Kürze erhalten. Außerdem steht ihre Arbeit ab sofort und Geheimhaltung, sie dürfen mit niemanden darüber reden, auch nicht mit ihrer Ablösung oder der Eskorte." Es klickt kurz in der Leitung und dann ist die Verbindung unterbrochen.

2

Der Vorsitzende, zwei der leitenden Wissenschaftler und die wirtschaftliche Leiterin der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft, der dieser Komplex gehört, sind gerade in der Wohnung des Vorsitzenden beim Mittagessen, als der Alarm beginnt. Sofort eilen sie zum Kommunikationsterminal im Büro.

"Was ist geschehen," bellt der Vorsitzende in die Komleitung.

"Überwachungsstation Pa70.70.220 hat den Alarm ausgelöst, genauere Informationen folgen in wenigen Sekunden."

Fünfzehn Sekunden später meldet sich die Stimme wieder: "Es war kein Fehlalarm, bei einem der Tanks sind mehrere Werte im kritischen Bereich."

Der Vorsitzende schaut die drei anderen Personen in seinem Büro an. Ihre Gesichter sind kreidebleich und einer der Wissenschaftler zittert wie Espenlaub.

"Sicherheitsstatus?"

Alle Sicherheitssystem scheinen zu funktionieren, Kommunikation nach draußen unterbrochen."

"Geben sie folgende Meldung nach draußen: Es gibt zur Zeit einige technische Schwierigkeiten, die jedoch bald behoben sein werden. Stellen sie sicher, daß jeder von unserem externen Personal diese Mitteilung erhält. Fünfzehn Sekunden später senken sie die Energieabgabe. Binnen fünf Minuten muß die Energie völlig deaktiviert sein."

3

Vibi ist unterwegs nach Lapiowiz. Der Zug ist voll besetzt, 2538 Passagiere befinden sich an Bord, der Zug fährt mit Höchstgeschwindigkeit durch die steppenartige Landschaft zwischen Plurekin und Lapiowiz, knapp eine halbe Stunde dauert die Fahrt zwischen den weit entfernten Provinzen. Fast dreitausend Kilometer legt der Zug in der halben Stunde Fahrzeit zurück.

Der zentrale Meldungsschirm blinkt plötzlich giftgrün, eine Eilnachricht von der Zentrale. Legne drückt den Empfangsknopf. Eine aufgeregte Sekretärin verliest folgende Nachricht: "Unter den schwarzen Bergen hat es einige technische Schwierigkeiten gegeben, die jedoch bald behoben sein werden. Innerhalb von fünf Minuten wird die Energiezufuhr völlig abgeschaltet. Bewahren sie Ruhe, in Kürze wird der Verkehr wieder normal verlaufen können." Der Bildschirm wird dunkel.

"Abschaltung der Energie," sagt Legne zu sich selber, "Was soll das denn, sowas gab es doch noch nie."

Er drückt einen gelben Knopf, der das Bordpersonal an die Kommunikationsstationen ruft. Legne merkt bereits, wie die Energiezufuhr schwächer wird und der Zug langsam abbremst.

Eine halbe Minute später hat sich jede Person des Bordpersonals an seiner Komstelle eingefunden.

"Unter den schwarzen Bergen gibt es ein paar Probleme," erklärt Legne seinen Leute. "Deswegen werden sie für kurze Zeit die Energiezufuhr zu uns abstellen müssen. Es betrifft, glaube ich, nur uns. Beruhigt die Fahrgäste, wenn wir anhalten. Wahrscheinlich wird die Energieversorgung völlig ausfallen. In den Notfallfächern müssen noch Batteriebetriebene Lampen sein, wenn Licht ist, bricht weniger leicht Panik aus. Sorgt dafür, daß die Passagiere möglichst lange ruhig bleiben. Ich hoffe, daß wir in kurzer Zeit wieder volle Energie bekommen."

4

Drei mit Neuronengewehren bewaffnete Wachkräfte mit ausdruckslosem Gesicht kommen zu Elorin.

"Würden sie uns bitte begleiten, Frau Elorin Liajuj," fragt einer der Sicherheitskräfte freundlich, doch die ungesicherten, auf sie gerichteten Gewehre machen Elorin klar, daß sie keine Wahl hat. Langsam steht sie auf, nimmt die gespeicherten Daten. Einer der Sicherheritskräft nimmt ihren Platz ein, die zwei anderen eskortieren sie.

Sie kommen zu einer abgeriegelten Sicherheitstür. Einer der Wachleute holt eine Plastikkarte aus seinem Anzug und schiebt sie in einen der Scanner.

"Optische und akustische Erkennung bitte!"

"General Hauptkommandeur Lemerkan Wachabteilung 23 Schrägstrich schwarze Berge. Code gelb-5718."

Automatische Scanner untersuchen die Augen und Hände werden auch untersucht. Die Sicherheitstür öffnet sich und der andere Wachmann drückt das Gewehr fest in Elorins Rücken.

Elorin hat noch nie einen Schuß aus einem Neuronengewehr abbekommen, aber als sie ein Kind war, hat sie einmal gesehen, wie jemand mit einem Neuronengewehr auf einen Hund geschossen hat. Der Hund hat einen schauerlichen Schrei ausgestoßen, so daß Elorin dachte, der Himmel würde ihr auf den Kopf fallen. Noch Stunden später lag der Hund jaulend vor Schmerzen unter einer Treppe.

Die Wachleute geleiten Elorin auf ein Transportband, der General geht vor, dann Elorin und der Wachmann bildet mit dem auf Elorin gerichteten Neuronengewehr die Nachhut.

Nach unzähligen, weiteren verschlossenen Türen, die sie mit Hilfe der Autorität des Generals passieren dürfen, erreichen sie ihr Ziel.

5

Die Tür öffnet sich und zwei Wachleute und eine Angestellte in Zivil betreten den Raum. Einer der Wachleute verharrt an der Tür, der andere ist Kommandant des Wachschutzes in diesem Bereich der schwarzen Berge.

"Herr Vorsitzender, hier ist die Person, die den Alarm ausgelöst hat!"

"Dort stehen zwei Stühle für sie bereit," erklärt ein älterer Mann, den Elorin als den Vorsitzenden der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft identifizieren kann. Noch nie ist sie dem Vorsitzenden persönlich begegnet, der mächtigsten Person von allen.

Vier weitere Leute befinden sich im Raum, der eindeutig zu den Privatgemächern des Vorsitzenden zu gehören scheint. Ein älterer Mann, ein junger Mann und zwei ältere Frauen, wahrscheinlich alles hochrangige Funktionäre der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft.

Der General winkt dem Wachmann, der daraufhin den Raum verläßt. Elorin steht mitten im Raum und kann sich nicht vorstellen, was nun mit ihr geschehen wird.

Der General setzt sich auf einen der freien Stühle. "Sie können sich auch setzen, wenn sie wollen," sagt der Vorsitzende zu Elorin nach einige Sekunden des gegenseitigen mustern. Elroin wird ein wenig verlegen und setzt sich schnell.

"Haben sie die Daten mitgebracht, um die wir sie gebeten haben?"

Elorin holt die holografischen Rollträger aus der Tasche und überreicht sie dem Vorsitzenden. Der schiebt sie in ein Lesegerät und kurz darauf werden die Daten von Elorins Station an die Wand projeziert.

Schon nach wenigen Sekunden wird allen Anwesenden klar, daß Elorin richtig gehandelt hat und es sich wirklich um einen Notfall handelt. Elorin sieht deutlich den Schock in den Gesichtern der Wissenschaftler.

Nach etwas mehr als fünf Minuten erklärt der Vorsitzende, der selber einmal wissenschaftlicher Leiter der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft gewesen ist: "Es stimmt also doch und das hier ist der erste Hinweis darauf. In den über hundertzwanzig Jahrhunderten der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft gab es bisher noch keinen Angestellten, der einen der schwarz-gelben Alarmknöpfen gedrückt hat, sei es nun aus Versehen oder mit Grund.

Doch heute ist der Fall eingetreten, daß dieser gefürchtete Alarm ausgelöst wurde und wir dürfen uns vor den Folgen nicht die Augen verschließen. Die unendliche Energie scheint doch die Struktur von Zeit und Raum und Draniten zu beeinflussen."

Deutlich erkennt er die Sorge in Elorins Augen, sie könnte für das ganze verantwortlich gemacht werden. Doch der Vorsitzende versucht, sie zu beruhigen: "Es ist nicht ihre Schuld, sie haben genau so verantwortungsbewußt gehandelt, wie es von ihnen erwartet wird.

Ich habe selber die Schulungen eine Zeit lang geleitet und weiß, was man ihnen über die Bedeutung und die Konsequenzen des schwarz-gelben Knopfes gelehrt hat, doch angesichts der aktuellen Daten kann ich ihre Vorgehensweise nur bestätigen.

Wahrscheinlich gab es früher schon Hinweise, die Deutlichkeit der Daten läßt keinen anderen Schluß zu, doch unsere Angst vor einem Fehlalarm, die wir unseren Angestellten beigebracht haben, hat sie wohl gehindert, bereits bei undeutlicheren Anzeigen den Alarm auszulösen. Sie hingegen haben genug Mut bewiesen, in einer schwierigen Situation richtig zu entscheiden."

Ein wenig beruhigen die Erklärungen Elorins Befürchtung, sie könnte falsch gehandelt haben, doch ganz kann auch die aufmunternde Rede des Vorsitzenden ihre Zweifel nicht ausräumen. \‚Was', überlegt Elorin, ‚wenn doch ein Problem in einer der Leitungen die Werte verursacht hat? Dann sind tausende Menschen wegen mir jetzt bis auf weiteres eingesperrt. Was, wenn man mir die Schuld dafür gibt, daß etwas falsch läuft?'

Der Vorsitzende unterbricht ihre Gedanken abrupt. "Die entscheidende Frage, meine Damen und Herren, muß nun sein, für welche Maßnahmen wir sieben Leute uns nun hier entscheiden, was weiter mit der unendlichen Energie und damit der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft geschehen soll."

Was tue ich hier, überlegt Elorin, als ihr plötzlich bewußt wird, daß sie mit den mächtigsten Menschen in einem Raum sitzt, zu einem Zeitpunkt, an dem sie wichtige Entscheidungen treffen müssen, die alles beeinflussen können. Sieben hat er gesagt. Doch sie kann nur sechs Leute außer ihr selber sehen, aber sie kann ja wohl nicht mit den Großen zusammen entscheiden...

"Ich erwarte ihre Vorschläge, wie wir diese Krise zum Wohle aller meistern können."

"Nun," erklärt der ältere Mann, "wenn bekannt wird, daß die unendliche Energie die Struktur von Raum und Zeit und Draniten beeinflußt, dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Sicherlich wird man die gesamte Anlage schließen, deaktivieren und für alle Zeiten verbieten. Die transprovinziale Eisenbahngesellschaft ist dann Geschichte."

"Wenn die unendliche Energie," wirft die ältere Frau die neben Elorin sitzt ein, "die Struktur stört, dann wird es früher oder später so schlimm werden, daß jeder es bemerken kann. Wir wissen nicht, wie diese Störungen sich auf unsere Welt auswirken, aber ich halte es durchaus für möglich, daß die Welt als ganzes sich auflöst."

"In den letzten Jahrhunderten," wirft die andere Frau ein, "gab es nicht die geringste Störung durch die unendliche Energie. Wahrscheinlich dauert es noch Millionen von Jahren, bis die Welt durch die unendliche Energie zerfällt. Und bis dahin hat man sicherlich Mittel und Wege gefunden, wie man die negativen Auswirkungen der unendlichen Energie abstellen kann."

"Vielleicht ist es aber auch so, daß der Prozeß sich beschleunigt, ähnlich einem Damm, der ein kleines Loch hat. Das durchfließende Wasser vergrößert das Loch immer mehr, bis in kurzer Zeit der gesamte Damm zerbricht. Und doch kann wenige Tage vorher noch nicht das geringste Anzeichen wahrgenommen werden, daß die Katastrophe bevorsteht."

"Raum und Zeit und Draniten sind aber etwas anderes als ein Damm aus Erde. Daher vermute ich, daß wir noch ein wenig Zeit haben. Wir sollten die unendliche Energie möglichst schnell wieder aktivieren und den Vorfall unter Geheimhaltung stellen. Die Möglichkeit dazu gibt es in der Gesellschaft, es sollte kein Problem sein, den Kreis der Leute, die die wirkliche Ursache des Alarms kennen, relativ klein und überschaubar zu halten, bisher wissen höchsten zwanzig Leute, was geschehen ist und deren Identität ist uns bekannt."

"Außerdem sollten wir überlegen, was passiert, wenn der Vorfall bekannt wird," erklärt der General. "Man wird die Gesellschaft schließen und den gesamten Komplex sowie alle transprovinzialen Verbindungen schließen. Über fünf Millionen Leute verlieren dann auf der Stelle ihre Arbeit, denn zur Sicherung des Komplexes werden Sie sicherlich nicht benötigt. Meine Leute haben eine vergleichsweise gute Chance, da der Komplex auch noch bewacht werden muß, wenn er deaktiviert wurde. Aber die Leute in den anderen Abteilung werden so schnell keinen Job finden. Und die vielen Millionen, die nur indirekt von der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft abhängig sind, die dann ebenfalls ins Elend gestürzt werden. Bedenkt das bei euer Entscheidung."

Elorin hört aufmerksam zu. Schnell wird klar, daß sie zwei Möglichkeiten haben. Entweder sie vertuschen den Vorfall oder sie veröffentlichen, was geschehen ist und zum Dank für die Ehrlichkeit wird die Gesellschaft liquidiert. Der General, der ältere Mann, der wirtschaftlicher Leiter der Gesellschaft ist und eine der Frauen wollen den Vorfall vertuschen. Die andere Frau und der jüngere Mann sind auf der Seite des Vorsitzenden, der die Sache an die Öffentlichkeit bringen will. Elorin selber hat sich bisher kaum an der Diskussion beteiligt, aber eigentlich, denkt sie, ist sie in dieser Runde auch völlig falsch.

Schließlich beendet der Vorsitzende die Diskussion: "Zwanzig Minuten sind um, unsere Angestellten und unsere Kunden, die überall auf den Bahnhöfen und in den Zügen festsitzen, erwarten unsere Entscheidung, wie auch immer sie ausfallen mag. Die entscheidende Frage ist, ob wir den Vorfall vertuschen und den Dinator wieder hochfahren oder nicht. Jeder hat eine Stimme, Enthaltung gibt es nicht. Ich stimme gegen eine Vertuschung. General, ihre Stimme?"

"Vertuschung!"

"Herr Wirtschaftsdirektor?"

"Vertuscheung!"

"Herr Öffentlichkeitsbeauftragter?"

"Keine Vertuschung!"

"Frau Forschungsdirektorin?"

"Vertuschung!"

"Frau Vizeforschungsleiterin?"

"Keine Vertuschung!"

"Drei zu drei, sieht so aus, als würde der normale Angestellte unser Gesellschaft über die Zukunft entscheiden. Wie lautet ihre Stimme?"

Alle schauen Elorin an. Es dauert einige Sekunden, bis Elorin klar wird, daß wirklich sie gemeint ist. Gespannt schauen diese sechs Leute, die konzentrierte Macht, sie an. Plötzlich ist Elorin heiß und sie beginnt zu zittern. Doch irgendwo in ihr gibt es einen Teil, der Spaß daran hat, diese Entscheidung zu treffen. Es dauert ein paar Sekunden, bis sie diesen Teil aufgestöbert hat, doch dann gelingt es ihr zu antworten.

"Ich bin gegen eine Vertuschung. Alle sollen wissen, was geschehen ist."

"Gut, die Entscheidung ist gefallen, wir werden den Vorfall nicht vertuschen."

Der Vorsitzende drückt eine Knopf und bekommt Augenblicklich eine Verbindung zu seiner Sekretärin.

"In drei Minuten brauchen wir eine Konferenz, die jeder empfangen kann. Sie müssen alle unsere Angestellten damit erreichen, wo auch immer diese sich im Moment befinden. Und auch die Zivilbevölkerung müssen sie erreichen, möglichst jeden der lebt. Dafür können sie minimale Energie einsetzen. Drei Minuten!" Bei den letzten Worten des Vorsitzenden hat die Sekretärin sich bereits abgewannt und ruft mehreren ihrer Untergebenen etwas zu.

"Wir sieben haben die Entscheidung gefällt, wir werden gemeinsam vor die Öffentlichkeit treten." Elroin wird plötzlich weiß im Gesicht. Jeder Lebende soll sie sehen, und das in drei Minuten?

"Auch sie, Frau Elorin Liajuj. Sie waren zweimal der Entscheidende Faktor, sie scheinen irgendwie das Schicksal der Gesellschaft zu sein. Erst lösen sie den Alarm aus und dann haben sie die entscheidende Stimme, was das weitere Vorgehen betrifft. Wenn wir den Vorfall erklären, dann haben wir alle Entscheidungen über das weitere Vorgehen einstimmig beschlossen. In einer Minute und 50 Sekunden gehts los. Setzen sie sich nebeneinander, Elorin, sie sitzen rechts von mir, General, sie sitzen links, die anderen daneben, zwei rechts, zwei links."

Während der Vorsitzende spricht, nehmen sie die gewünschte Sitzordnung ein. Elorin rutscht unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. Seit sie als kleines Kind mal in der Schule an einer Theateraufführung teilgenommen hat, war sie nicht mehr so aufgeregt. Lampenfieber!

"Herr Vorsitzender," tönt die Stimme der Sekretärin aus den Lautsprecher an der gegenüberliegenden Wand, alles ist bereit."

6

Plötzlich blinkt der zentrale Meldungsschirm wieder giftgrün. Scheint, daß der Zug wieder minimale Energie hat. Legne drückt den Empfangsknopf.

"...sieht. Achtung: Der Vorsitzende wird in zwei Minuten eine Rede zur Lage halten. Sorgen sie dafür, daß jeder Angestellte und jeder Passagier die Rede sieht. Achtung: Der Vorsitzende..."

Legne drückt den Knopf für die zuginterne Sprechanlage. "Achtung, hier spricht Kapitän Legne, der Zugführer. Der Vorsitzende der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft wird gleich eine Erklärung abgeben. Bitte Verhalten sie sich ruhig, unabhängig davon, wie der Inhalt der Erklärung lautet."

Legne legt einen Schalter um und das Bild einer blonden Frau, die eine Ansage vorliest um immer wiederholt, erscheint auf jedem Bildschirm im Zug. Kurz darauf verschwindet die Frau und es wird ein Raum, vielleicht ein Büro gezeigt. Sieben Leute, drei Frauen und vier Männer, sitzen dort nebeneinander. In der Mitte sitzt der Vorsitzende, rechts außen der Chef der Public Relations Abteilung. Die anderen fünf sind Legne unbekannt. Der General hat ein Neuronengewehr auf dem Schoß liegen, das jedoch gesichert ist.

"Liebe Mitarbeiter, Kunden und Menschen!

Leider muß ich ihnen mitteilen, daß es im Komplex der unendlichen Energie einen Zwischenfall gegeben hat. Unsere sorgfältig überwachten Kontrolleinrichtungen im inneren Bereich des Komplexes unter den schwarzen Bergen zeigen einige Veränderungen. Da wir nicht ausschließen können, daß es sich hierbei um eine Veränderung der Struktur von Raum und Zeit und Draniten handelt, deaktivieren wir die unendliche Energie, bis die Ursache einwandfrei geklärt ist. Soll sich die unendliche Energie als Ursache erweisen oder sollte diese nicht feststellbar sein, so wird die transprovinziale Eisenbahngesellschaft binnen eines Monates liquidiert. Ich bitte um ihr Verständnis für diese Maßnahme. Genauere Informationen werden wir ausgeben, sobald sie uns vorliegen. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit."

Der Bildschirm wird wieder dunkel. Deutlich hat man dem Vorsitzenden und auch allen anderen Anwesenden angesehen, wie schwer es ihnen fällt, diese Erklärung abzugeben. Am Schluß der Rede konnte der Vorsitzende nur noch unter Tränen sprechen.

Legne stellt eine Verbindung zu seinen Mitarbeitern her: "Leute, wie ist die Lage?"

"Gespannt, aber noch ruhig."

"Geschockt!"

"Es wird eine Weile dauern, bis wir hier raus können. Versucht, die Leute abzulenken. Vielleicht können sie ja spekulieren, was aus unser Welt wird, wenn es keine transprovinziale Eisenbahn mehr gibt und keine unendliche Energie."

"Und was wird dann aus uns," fragt eine junge Schaffnerin.

"Auch darüber können die Fahrgäste mit euch diskutieren. Aber paßt auf, daß sie nicht die Frage diskutieren, wie wir jetzt nach Lapiowiz kommen, denn das wird ein Problem, über das ich noch nicht nachdenken mag."

7

Elorin hört der Erklärung des Vorsitzenden zu und versucht mit aller Gewallt nicht an die vielen Milliarden und Billionen Menschen zu denken, die sich möglicherweise am anderen Ende der Leitung befinden und sie anstarren.

Zum Ende der Rede merkt sie ganz deutlich die niedergeschlagene Stimmung, der Vorsitzende ist den Tränen nah. Als er die Erklärung beendet hat, nimmt er ein Taschentuch und wischt die Tränen ab. Der General und die Forschungsdirektorin geben sich den Tränen hin und weinen ungehemmt und auch bei den anderen kann man Tränen in den Augen sehen.

Zwei Minuten später meldet sich die Sekretärin wieder: "Herr Vorsitzender, tausende Anfragen treffen hier ein von Abteilungsleitern, die wissen wollen, was sie ihren Leuten sagen sollen, wie es jetzt weiter geht."

Mühsam reißt sich der Vorsitzende zusammen und auch die anderen trocknen ihre Tränen ab.

"Es gibt einiges zu tun. Zuerst einmal müssen wir uns um unsere Kunden kümmern. Die Leute können ihre Fahrscheine zurückgeben und bekommen das Geld plus einen Unkostenbetrag erstattet. Die Leute in den Zügen, die zum Unglückszeitpunkt unterwegs waren, müssen evakuiert werden. Mark, du hast alles Geld der Gesellschaft zur Verfügung, das zu organisieren. Kümmer dich drum, los!"

Der Wirtschaftsdirektor steht auf und verläßt den Raum.

"Susi und Verena, ihr kümmert euch darum, daß ihr die Ursache für die Werte im roten Bereich findet. Und keine Ausflüchte, ich will die Wahrheit hören, keine Vertuschung mir gegenüber. Wenn wir die Gesellschaft liquidieren müssen, dann muß das eben sein. Auch ihr habt alle Arbeitskräfte zur Hilfe, die ihr benötigen."

Die beiden Frauen verlassen eilig den Raum.

"General, sie sorgen dafür, daß sämtliche abgeriegelten Türen wieder funktionieren. Keine Verbindung darf weiter unterbrochen sein, ist das klar. Ich hoffe, ihre Männer sind dafür geschult. Als die Sicherheitsvorkehrungen geplant wurden, hätten sie wirklich einplanen sollen, daß man den Notfallalarm auch wieder abschalten möchte, wenn der Notfall mehr oder weniger unter Kontrolle ist. Und wir drei, Steffen, Elorin und ich, wir stellen ein Informationspaket für die Öffentlichkeit und für unsere Angestellten zusammen. Tut mir Leid, daß ich deine Hilfe noch weiter brauche, Elorin, aber du warst von Anfang an dabei und bist daher unverzichtbar."

"Jawohl Herr Vorsitzender."

"Wenn wir unter uns sind, kannst du mich Hans nennen, das vereinfacht das Arbeiten. Wir Direktoren Duzen uns alle untereinander."

"OK Herr Vorsitz - äh - Hans."

8

Zwei Tage später werden die letzten Passagiere aus den liegen gebliebenen Zügen gerettet. Tagelange, mühsame Reisen mit alternativen Verkehrsmitteln stehen ihnen bevor, um das gewünschte Ziel oder den Startort, je nach Bedarf, zu erreichen.

Die Forschungskommission, die nach der Ursachen für die abweichenden Werte sucht, hat bereits einige Ergebnisse, die nun von den beiden Forschungsdirektorinnen in der Direktorenrunde präsentiert werden.

Auch Elorin ist wieder anwesend. Irgendwie ist sie in den letzten zwei Tagen zum Maskottchen der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft geworden und wird in einigen Regionen bereits als Held verehrt.

Steffen hat versucht, ihr das zu erklären, irgendwie soll sie wohl von den Menschen als eine von ihnen angesehen werden, eine normale Angestellt, die von einer Sekunde zur anderen über die Zukunft der Welt entscheidet. Bei dieser Erklärung mußte Steffen grinsen, denn in Wirklichkeit hat sie sogar zweimal über die Zukunft der Welt entschieden.

In einigen Städten hat es Demonstrationen gegen die transprovinziale Eisenbahngeselschaft gegeben und in Verteilcat wurde ein Bombenanschlag auf den Bahnhof des Vibi verübt. Drei Menschen wurden dabei getötet und das Bahnhofsgebäude wurde zur Hälfte zerstört und muß wahrscheinlich abgerissen werden.

Die sechs Direktoren und das Maskottchen sitzen um den Tisch des Vorsitzenden herum. Marc erklärt, daß sie meisten Passagiere das Geschehene akzeptiert haben und der häufigste Kommentar war: Hoffentlich fahren die Vibis bald wieder. Nur vereinzelt gab es Handgreiflichkeiten gegen Bahnpersonal, drei gebrochene Arme, eine geprellte Rippe, das sind alle Verletzungen, die Mitarbeiter bisher abbekommen haben. Und die drei toten Wachleute in Verteilcat.

Vorraussichtlich in fünf oder sechs Wochen werden die letzten der Passagiere ihr Ziel erreicht haben. Diese nehme die ganze Krise jedoch überwiegend gelassen.

Danach erklärt der General, daß 90 \% der Korridore wieder ohne Spezialkarten passierbar sind und die restlichen Türen im Laufe der Zeit gefunden werden, da es im ganzen System kein Programm gibt, das abgeriegelte Türen aufzeigt. Ein weiterer Konstruktionsfehler des uralten Sicherheitsprogrammes.

Steffen gibt als nächster seinen Bericht ab. In der Gesellschaft, so sagt er, sei die Hoffnung groß, daß der Vibi bald wieder fährt, daß sich alles nur als Irrtum oder gar nicht so schlimm oder beides erweist. In vielen Städten gibt es zwar Proteste gegen die unendliche Energie, doch meistens sind die Demonstranten sehr wenige. Besonders betont er dabei die Rolle Elorins, die innerhalb von zwei Tagen zum Idol von Milliarden Menschen geworden ist. Durch sie, so sagt er, sind viele Menschen auf ihrer Seite und gegen die Demonstranten.

Schließlich stellen die beiden Forschungsdirektorinnen ihren Bericht vor:

Ganz eindeutig ist das Problem durch die unendliche Energie verursacht worden. Daran besteht zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen überhaupt kein Zweifel mehr. Auch an anderen Stellen wurden diese Veränderungen bereits früher festgestellt, jedoch nur einzeln und daher nicht so auffällig. Folgende paradoxen Effekte sind dabei festzustellen:

1. Gerade ist nicht mehr grade sondern kann durch äußere Umstände modifiziert werden.

2. Die Draniten sind seltsam verzerrt, allerdings bisher in so kleinem Maßstab, daß man es noch nicht mit bloßem Auge sehen kann. Wenn wir die unendliche Energie weiterhin nutzen, wird das allerdings irgendwann sichtbar.

3. Atome und Moleküle verschwinden plötzlich oder tauchen auf. Irgendwie sind sie zwar die ganze Zeit da, aber trotzdem sind sie irgendwie anders, scheinbar eine neue, bislang unbekannte Eigenschaft. Irgendwie bewegen sie sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, was natürlich völlig unmöglich ist, zumindest in atomarem Maßstab. Die durchschnittliche Geschwindigkeit kann man messen.

4. Wasser bildet kleine Tröpfchen und ist nicht mehr gleichmäßig verteilt.

5. Die Lichtgeschwindigkeit ist mal schneller und mal langsamer, allerdings immer schneller als alles andere in Tank Pa70.70.220-kqbi.

6. Zeit und Raum und Draniten hängen irgendwie unvorhersehbar mit Licht und Energie und Molekülen und diversen anderen Dingen zusammen. Die meisten physikalischen Gesetze scheinen dort nicht so ganz richtig zu funktionieren.

7. Gestern Abend ist die Annomalie plötzlich verschwunden und alles war wieder normal. Da wir nun allerdings wissen, welche Effekte wir beobachten können, finden wir diese einzeln und in Gruppen auf in anderen Tanks und auch in alten Aufzeichnungen.

Daher empfehlen wir, die unendliche Energie nicht mehr zu aktivieren und die Gesellschaft zu liquidieren. Wir wissen nicht, ob die Effekte dann mit der Zeit nachlassen, aber wenn wir die unendliche Energie Weiter benutzen, werden sie auf jedem Fall immer stärker, bis sie, in hundert oder fünfhundert oder zehntausend Jahren die Welt zerreißen."

"Beängstigende Prognose," bemerkt Steffen.

"Scheint, als wäre die Ursache eindeutig. Damit bleibt uns nur eine Möglichkeit: Wir müssen die transprovinziale Eisenbahngesellschaft liquidieren. Unsere Aufgabe wird nun sein, dies möglichst reibungslos zu tun und einer möglichst großen Zahl Angestellen neue Jobs zu besorgen.

Das finanzielle Polster der Gesellschaft ist relativ dick, daher sollten wird uns darum vorerst keine Sorgen machen. Außerdem, so wie die Stimmung im Augenblick ist, wird die Öffentlichkeit uns in unserem Tun unterstützen und alle Entscheidungen, die wir sieben hier fällen, mittragen. Kommentare?"

Da niemand sich dazu äußert, spricht der Vorsitzende weiter. Zu stark sind alle geschockt über das jähe Ende der Gesellschaft, niemand kann sich vorstellen, was aus der Welt wird ohne transprovinziale Eisenbahnen. Die Verbindungen zwischen den Provinzen werden schwächer werden, da man nun wieder Wochen benötigt, um von einer Provinz in eine andere zu gelangen und dies nicht mehr in wenigen Stunden schaffen kann.

Vielleicht zerfällt der Zusammenhalt zwischen den Regionen so weit, daß sie wieder Kriege gegeneinander führen, was seit Einführung des Vibi zu einer absoluten Seltenheit geworden ist.

Zwei Stunden später verkündet der Vorsitzende auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Untersuchung und die daraus resultierenden Folgen.

9

Vor dem Bahnhof von Catuntcmeacij versammeln sich spontan Tausende, die mit lautstarken Parolen gegen das Ende der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft demonstrieren. Auch in anderen Städten bilden sich auf den Bahnhofsvorplätzen binnen kurzer Zeit Solidaritätskundgebungen für den Vibi und die unendliche Energie.

In Lapiowiz kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen, als tausende Pro-Vibi-Demonstranten auf eine Demonstration gegen die unendliche Energie treffen. Fünfundvierzig Menschen werden verletzt, über hundert vorläufig festgenommen. Mehrere Schaufensterscheiben werden eingeschlagen und eine Apotheke wird geplündert.

Unter den schwarzen Bergen begehen mehrere Menschen in Führungspositionen Selbstmord, unter anderem auch der Wirtschaftsdirektor der Gesellschaft. Der Vorsitzende bestimmt Rosania von Fsapvisheng zu seinem Nachfolger.

Nur langsam wird den Menschen klar, was es bedeutet, wenn es keinen Vibi mehr gibt. Nachrichten zwischen den Provinzen wird es dann nicht mehr in der Geschwindigkeit geben. Es wird Stunden dauern, bis Nachrichten, Informationen ohne die unendliche Energie andere Provinzen erreichen. Selbst wenn die unendliche Energie mit minimale Leistung läuft, lassen sich doch mit ihrer Hilfe Informationen in die verschiedenen Regionen senden.

Waren die spontanen Protestkundgebungen für Vibi in den ersten Tagen nach der Katastrophe mehr aus Sorge um die vielen Mitarbeiter, so mischt sich nun immer mehr die Sorge um die eigene Zukunft der Menschen in die Demonstrationen.

Keiner will auf den Vibi und die unendliche Energie verzichten. Und den Wissenschaftlern zu Folge werden die Probleme durch die unendliche Energie erst in hunderten Jahren so schlimm werden, daß man es wirklich selber bemerken kann. In den ersten Jahren des Vibi jedenfalls hat es keine solchen Probleme gegeben.

In Lapiowiz, der Hauptstadt, versammeln sich täglich über eine Million Menschen, um für Vibi zu demonstrieren. Und auch in anderen Städten, Djotplep und Trinchensahn und weitere, wird die Teilnehmerzahl an den Demonstrationen auf ungefähr eine Million geschätzt und täglich werden es mehr.

Vor fast jedem Bahnhof finden diese Demonstrationen statt, bis schließlich nach drei Wochen sich die Regierung mit dem Problem befaßt. Hierzu hat sie die Führungsriege der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft zur Konferenz eingeladen, die selber nur durch die Kommunikationskanäle des Vibi so statt finden kann, da die Vertreter in allen Provinzen sind und per holographischer Schaltung den großen Saal betreten können.

"In zwei Wochen," erklärt der Vorsitzende dem Präsidenten und den Abgeordneten, "werden wir so weit sein, daß wir die unendliche Energie endgültig abschalten können."

Einige der hunderttausend Abgeordneten rufen ihren Protest dagegen in den Saal.

"Ich bin mir nicht sicher," erklärt der Präsident, "ob das der richtige Weg ist. Ob wir die unendliche Energie nicht weiter nutzen sollten, auch auf die Gefahr hin, daß unsere Welt dann zerfällt. Denn die Alternative, eine Welt ohne Vibi, erscheint mir und den meisten Menschen wesentlich schlimmer. Und wenn es noch zehntausend Jahre so weitergehen kann, dann ist das eine so lange Zeit, daß weder wir noch unsere Kinder sie erleben werden. Außerdem haben sie selber gesagt, daß sie nicht wissen, ob es nicht schon zu spät ist."

"Ob es wirklich noch zehntausend Jahre dauert, bis die Welt zerfällt," erklärt die Vizeforschungsdirektorin, "wissen wir nicht, es ist gut möglich, daß die Welt schon in hundert Jahren zerfällt. Die unendliche Energie ändert die physikalischen Gesetze in chaotischer Weise, wir können nichts vorhersagen. Möglicherweise können einige von uns hier Anwesenden noch zu Lebzeiten die ersten Auswirkungen in freier Natur beobachten. Und ich kann ihnen sagen, das, was sie dann zu sehen bekommen, können sie sich nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen vorstellen. Es ist so grausam, daß zwei von drei Technikern, die es gesehen haben, Selbstmord begehen. Sie können sich sicherlich vorstellen, was geschieht, wenn so etwas an einer Stelle auftaucht, wo niemand es erwartet, zum Beispiel auf der großen Promenade in Lapiowiz."

Erneut ergreift der Präsident das Wort: "Sie sind zu einem bestimmten Zweck zu dieser Sitzung der Legistlative eingeladen worden.

Die Proteste in den Städten und Provinzen werden immer größer und schlimmer, Millionen Menschen demonstrieren für ihre Gesellschaft, anstatt zur Arbeit zu gehen. In einigen Städten ist das öffentliche und wirtschaftliche Leben bereits völlig lahmgelegt. Und die Demonstrationen werden immer größer.

Zurückhaltende Prognosen erwarten, daß Ende der Woche in Lapiowiz mehr als zehn Millionen Menschen sich auf der großen Promenade zur Demonstration einfinden werden. Und auch in anderen Städten werden ähnlich große Demonstrationen erwartet.

Beängstigende Ausmaße haben die Demonstrationen in einigen Randprovinzen angenommen, wo über 95 \% der Stadtbevölkerung an den Demonstrationen teilnimmt.

In Vauhengoff sprechen vorsichtige Schätzungen davon, daß mindestens 120 \% der Stadtbevölkerung an den Demos teilnehmen. Leute, die vom Land extra in die Stadt fahren zu demonstrieren.

Stundenlang könnte ich ihnen von diesen Zahlen erzählen, um ihnen meinen Entschluß zu verdeutlichen:

Wir werden über die Zukunft der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft abstimmen. Ihre Aufgabe wird es sein, sich unserem Ergebnis zu beugen. Sollten sie das nicht machen, werden sie einfach durch neue Direktoren ersetzt."

"Herr Präsident," wirft Elorin ein, "ich möchte einen Vorschlag machen. Und ich denke, der Vorsitzende und die anderen Direktoren werden damit einverstanden sein. Ich hoffe, sie sind es auch.

Diese Frage, die Zukunft der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft, betrifft nicht nur uns. Ich finde, wir sollten die Menschen darüber abstimmen lassen. Und zwar alle in sämtlichen Provinzen.

Ich weiß, daß das einen erheblichen Aufwand bedeutet, aber alle Menschen müssen später mit der Entscheidung leben, egal, wie sie ausfällt, unsere Welt wird sich verändern. Daher finde ich, alle sollten auch darüber entscheiden.

Mit alle< meine ich auch wirklich alle, denn, auch die Kinder und alte Leute sollten sich daran beteiligen, denn insbesondere die Kinder betrifft es, wenn wir uns für die transprovinziale Eisenbahngesellschaft entscheiden."

Elorin wirft einen kurzen Blick auf den Vorsitzenden, der zustimmend nickt. Ein leichtes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.

"Der riesige Aufwand wird sich sicherlich lohnen, denn, diese Entshceidung betrifft jeden. Und während sie das vorbereiten, wird die transprovinziale Eisenbahngesellschaft versuchen, weitere Informationen über die Art der Veränderungen und unsere mögliche Zukunft zu finden. Wir werden versuchen, jeden Menschen über die Konsequenzen richtig zu informieren, wenn er für uns stimmt."

Elorin setzt sich wieder hin. Nach einigen Sekunden des schweigens sagt der Präsident: "Herr Vorsitzender, die Damen und Herren Direktoren, sind sie mit dem Vorschlag, den Frau Liajuj gemacht hat, einverstanden?"

Der Vorsitzende und die Direktoren sagen wie aus einem Mund "Ja, Herr Präsident!"

"Ich frage die Abgeordneten, wollen wir den Versuch unternehmen, zum ersten Mal in der Geschichte die gesamte Bevölkerung über ein derart wichtiges Thema entscheiden zu lassen? Ich bitte sie um elektronische Abstimmung."

Sekunden später ist das Ergebnis komplett:

"354178 zu 109069 Stimmen, damit ist der Vorschlag angenommen. Ich werde unverzüglich eine Kommission bilden, die die Abstimmung binnen drei Wochen organisieren soll."

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Unter den schwarzen Bergen werden, während die Menschen sich darauf vorbereiten über ihre Zukunft abzustimmen, weitere Vorbereitungen zur endgültigen Abschaltung der unendlichen Energie getroffen.

Weitere Untersuchungen bezüglich der Folgen der unendlichen Energie werden angestellt und fast täglich gibt es neue, teilweise widersprüchliche Prognosen über die Zukunft. Dabei sind die Alternativen immer ziemlich düster. Die Gegner der unendlichen Energie können der Bevölkerung kaum ein positives Szenario anbieten, was mit der Welt geschieht, wenn die transprovinziale Eisenbahngesellschaft liquidiert wird. Reisen zwischen den Provinzen werden erheblich erschwert, dauern dann wieder Wochen anstatt wenige Stunden wie zur Zeit. Die Gesellschaften der verschiedenen Regionen werden sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln, die einheitliche Regierung wird binnen hundertfünfzig Jahren, prognostizieren vorsichtige Schätzungen, völlig handlungsunfähig und machtlos werden und schließlich zerfallen. Wahrscheinlich werden neue Kriege um Rohstoffe und Land und Menschen die Welt zerreißen. Realistischeere Schätzungen erwarten diese Entwicklungen wesentlich früher, 20 Jahre oder höchsten 50 Jahren verbleiben der einheitlichen Regierung noch ohne Vibi.

Die Alternative, die unendliche Energie weiter zu nutzen, ist ähnlich düster. Die physikalische Struktur der Welt wird sich ändern, physikalische Gesetze werden sich nach einem chaotischen Muster ändern und wandeln und man kann sich auf nichts mehr verlassen. Der Zeitraum, in dem diese Veränderungen angesiedelt werden, erstreckt sich von 50 Jahren bis hin zu einigen Tausend. Niemand hat bisher genug Ahnung vom wirken der unendlichen Energie, so daß die Prognosen sehr schwankend sind. Auch die genauen Auswirkungen sind in den verschiedenen Prognosen sehr unterschiedlich beschrieben. Einzig scheint sicher zu sein, daß die Veränderungen mit unendlicher Energie länger brauchen um einzutreten als die ohne.

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Siebzehn Tage nach dem Beschluß in der großen Versammlung findet die Volksabstimmung statt. Die gesamte Menschheit stimmt an diesem Tag an Kommunikationsterminals über ihre Zukunft ab. Am nächsten Morgen kann der Präsident bereits das Ergebnis in einer öffentlichen Ansprache verkünden.

"... liegt das Ergebnis der Abstimmung über die Zukunft der unendlichen Energie vor. Die Wahlbeteiligung lag bei 96,718 \%. Dabei entfielen 81.947 \% für die unendliche Energie und 18.053 \% der Bevölkerung stimmten dagegen. Damit wird die transprovinziale Eisenbahngesellschaft verpflichtet, ihren Betrieb wieder aufzunehmen..."

Verhaltene Freude zeigt sich auf den Gesichtern des Vorstandes der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft. Diese überwältigende Mehrheit, die für den Erhalt des Vibi gestimmt hat und die trotz der sachlichen Aufklärung, die die Nachteile des Vibi deutlich mehr den Menschen bewußt gemacht hat als die Vorteile, zustande gekommen ist, löst bei den Männern und Frauen des Vorstandes nur wenig Freude aus.

Zu deutlich haben sie sich in den letzten Tagen mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzen müssen. Die Folgen, die die unendliche Energie für die gesamte Welt hat, sind einfach u extrem, um sich wirklich darüber zu freuen.

Mittlerweile werden spezielle Schulungen angeboten für Mitarbeiter, die mit den Veränderungen der Struktur in Kontakt kommen. Zu hoch ist die Selbstmordquote bei Personal, das nicht richtig darauf vorbereitet ist. Und selbst bei den Mitarbeitern, die wissen, was sie erwartet, ist die Selbstmordquote noch unerträglich hoch.

2143 Mitarbeiter haben seid der Entdeckung der ersten Veränderungen bereits Selbstmord begangen, die meisten davon haben direkt die Veränderungen beobachtet, an Bildschirmen und vor Lautsprechern. Einige der Selbstmörder waren auch höhere Angestellte, die nicht die Verantwortung für die Zukunft übernehmen wollten.

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Elfeinhalb Jahre später macht Elorin, die noch immer als Maskottchen der transprovinzialen Eisenbahngesellschaft von vielen Menschen bewundert wird und als gesellschaftspolitische Sprecherin dem Vorstand angehört, in Djotplep Urlaub. Zumindest offiziell heißt es, daß sie dort Urlaub macht.

Inoffiziell ist sie für die unendliche Energie unterwegs. Djotplep ist die einzige große Stadt mit transprovinzialem Bahnhof in der Nähe der schwarzen Berge, unter denen sich die unendliche Energie befindet.

Elorin soll in der Stadt nach Veränderungen suchen, die durch die unendliche Energie hervorgerufen werden. In letzter Zeit ist die Selbstmordrate in Djotplep steil angestiegen und in der Gesellschaft erinnert man sich noch gut an die vielen Selbstmorde nach den ersten Veränderungen. Die Öffentlichkeit hat bisher von den besorgniserregenden Statistiken in Djotplep noch keine Notiz genommen, doch die transprovinziale Eisenbahngesellschaft hat Zugang zu allen statistischen Daten und so auch viel bessere Vergleichsmöglichkeiten.

In den letzten zwei Jahren ist die Selbstmordrate in Djotplep und Umgebung jährlich um über 150 \% angestiegen. Mehr als 10 000 Suizidfälle wurden bereits in diesem Jahr in der Region mit knapp 100 Millionen Einwohnern gemeldet.

Elorin und drei ihrer Mitarbeiter fahren mit einem Regionalzug von der Zentrale des Vibi in den schwarzen Bergen nach Djotplep.

Elorin und ihre Mitarbeiter haben sich einen Wagen mit Fenstern geben lassen, um unterwegs bereits nach Veränderungen suchen zu können. Normalerweise reisen alle Menschen in geschlossenen Abteilen, da es außerhalb des Zuges überall gleich aussieht. Nur sehr selten besteht jemand darauf, aus dem Fenster sehen zu können.

"Oh mein Gott," stöhnt einer der Mitarbeiter Elorins plötzlich, als er aus dem Fenster sieht. "Seht euch das an. Es ist bereits überall!"

Elorin schaut aus dem Fenster und erkennt sofort die Veränderungen von Raum, Zeit und Draniten. Der Himmel ist nicht mehr gleichmäßig, die dunkelroten Linien, die den Himmel normalerweise in völliger Gleichmäßigkeit durchziehen, sie irgendwie verbeult, verzerrt, an den Stellen, an denen es ganz schlimm ist, hat der Himmel andere Farben, Blau, grün, ultraviolett, schwarz.

"So sieht es aus, wenn alles zerfällt," sagt Elorin einfach. "Gewöhnt euch daran, ihr werdet das noch öfters sehen als euch lieb ist."

"Du hast so etwas schon einmal gesehen, oder? Du hast erwartet, daß so etwas passiert."

"Nun, man hat mir gesagt, daß sich alles ändern kann und ich habe sehr komische Meßwerte gesehen, gebogene Lichtstrahlen, verschwindende Materie, ich denke, schiefe Draniten und bunte Flecken am Himmel passen ganz gut in das Schema. Wir sind daran Schuld, wir hätten uns niemals darauf einlassen sollen. Aber das hilft jetzt nicht mehr, denn nun ist es zu spät für einen Rückzieher."

"Es wird noch schlimmer, nicht wahr? Und es wir bald überall sein, nicht nur in der Nähe der schwarzen Berge, richtig?"

"So hat man es mir beigebracht. Aber in Djotplep ist es noch nicht so schlimm, das hätten wir sehr schnell erfahren. Nur hier, wo niemand mit gesundem Verstand den Himmel betrachtet, ist es bisher so extrem. Doch es breitet sich aus."

Zehn Stunden später haben sie Djotplep erreicht. Wie überall wird Elorin von vielen Leuten begeistert empfangen. In den letzten Jahren ist es für sie zu einem Stück Normalität geworden, überall bewundert zu werden. Im Laufe der letzten Jahren sind immer mehr Details der Geschehnisse nach dem Vorfall an die Öffentlichkeit gesickert, insbesondere nachdem der alte Vorsitzende in den Ruhestand gegangen ist.

Jeder weiß mittlerweile, wie knapp die Abstimmung über die Zukunft in Wirklichkeit war, wie knapp sich die Vorstandsmitglieder für eine Veröffentlichung des Vorfalles entschieden haben.

In der Stadt ist es relativ ruhig, doch bereits nach kurzer Zeit piept Elorins Veränderungs-Warngerät. Im Keller eines kleinen Restaurants in der Innenstadt finden sie die erste Veränderung, eine Stelle, die man nur mit ungeheurer Anstrengung bewußt sehen kann. Es scheint, als würde der Verstand versuchen, den Blick davon abzuwenden, ein sogenannter Anitattraktor, etwas, das einen abstößt.

Als Elorin dem Wirt davon berichtet, ist er überrascht, doch als er im Keller versucht, die Stelle anzuschauen, erinnert er sich, daß diese schon länger dort ist. Oftmals hat er im Keller nach etwas gesucht und sich später gefragt, warum er eigentlich in dieser speziellen Ecke nicht nachgesehen hat.

"Breitet dieses Ding sich aus?"

"Möglich, wir haben bisher davon noch nicht viele gefunden."

"Und was passiert, wenn ich es berühre?"

"Versuchen sie es, es wird ihnen kaum gelingen. Das, was es mit dem Blick macht, macht es mit allem. Es stößt alles ab."

Er versucht, den Arm zu dem Ding hin auszustrecken, zieht den Arm jedoch schnell wieder zurück.

"Was ist?"

"Ich wollte es plötzlich nicht mehr berühren, meine Hand wollte es nicht."

"Sie haben Glück, daß sie einen Anti-Attraktor haben und nicht einen Attraktor oder eine andere Veränderung. Ein Attraktor würde sie völlig fesseln, nur mit der Willensanstrengung, die sie hier brauchen, um in die Ecke zu schauen, würden sie von ihm loskommen. Und wenn sie nicht aufpassen, saugt sie ein Attraktor einfach auf. Dem bisherigen Stand der Forschung ist ein Anti-Attaktor zwar ärgerlich, weil er einem Lagerplatz besetzt, aber völlig ungefährlich."

"Ist das Ding stabil oder verschwindet es wieder?"

"Möglich ist es, das der Anti-Attraktor wieder verschwindet, aber vielleicht bleibt er auch lange Zeit konstant. Unter den schwarzen Bergen gibt es einen, der sich seit zehn Jahren nicht verändert hat."

"Ist das Ding geheim?"

"Nun, in Zukunft werden solche Dinger überall sein, ich glaube kaum, das man es dauerhaft geheim halten kann."

"Das ist eine völlig neue Attraktion für mein Restaurant, ich möchte damit Werbung machen."

"Je eher sich die Leute an den Anblick der Veränderungen gewöhnen, desto besser. Und ein Anti-Attraktor ist eindeutig eine der harmlosesten Veränderungen."

"Behalten sie das Ding gut im Auge, wenn möglich, sollten sie regelmäßig seine Größe messen und uns über jede Veränderung und auch über Vorkommnisse mit Besuchern genauestens informieren."

"Hier haben sie meine Codenummer, damit sie nicht erst der Auskunft erklären müssen, welche Abteilung sie sprechen wollen." Elorin gibt ihm ihre Visitenkarte.

"Noch etwas, sollten aus dem Anti-Attraktor plötzlich irgendwelche Dinge, Strahlung oder sonstiges austreten, so informieren sie uns bitte sofort, die Notfallnummer steht auf der Rückseite der Visitenkarte."


Fünf weitere Veränderungen finden sie in den nächsten zwei Wochen in Djotplep, einen Attraktor in einem alten, leerstehenden Industriegebäude in einem der Außenbezirke der Stadt, zwei Stellen mit schwankender Schwerkraft, eine rätselhafte Strahlungsquelle und eine kleine Verzerrung des Himmel über einem Dorf in der Nähe von Djotplep.

Überall in der Region werden Informationsbroschüren über die vierzehn bisher bekannten Arten der Veränderungen mit Notfallprogramm und Verhaltenshinweisen verteilt. Einmal pro Woche erhält die transprovinziale Eisenbahngesellschaft eine Stunde Sendezeit, in der über die neuesten Veränderungen und ihre Auswirkungen berichtet wird, neueste Forschungsergebnisse vorgestellt werden und Verhaltensregeln erläutert werden.

13

Bereits zehn Jahre später werden in jeder Region die ersten Veränderungen beobachtet, deutlich ist jetzt zu erkennen, daß sich die Struktur der Welt verändert, Entfernungen beginnen sich langsam in eine chaotischen Art und Weise zu ändern. So kreuzt sich die Strecke des Vibi zwischen Djotplep und Votdjvippot plötzlich und fährt eine Schlaufe. Das stört den Vibi jedoch nicht im geringsten, nur, daß seine Strecke nun etwas länger ist und er mehr Zeit benötigt, um von einer Stadt zur nächsten zu gelangen.

Überall sieht man Löcher im Himmel, die Linien sind verzerrt und verdreht, in manchen Regionen ist der Himmel sogar in der eine oder andere Richtung gewölbt.

Noch ist die Welt ein ganzes, doch innerhalb der nächsten hundert Jahren erwarten die Wissenschaftler den Zerfall. Was danach kommen wird, ob sich die Struktur in der einen oder anderen Art wieder stabilisiert, weiß niemand. Solange wie möglich wird die transprovinziale Eisenbahngesellschaft die Regionen verbinden und somit die Welt zusammenhalten.

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Genres:
* Prosa * Science Fiction *


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