Besuch der Republik Tau Ceti

Im kühlen Glitzern der Sterne dreht sich die Station um Tau-Ceti. Der Stern selber wurde von der Republik Tau-Ceti-Alpha verdeckt, als unser kleines Transportschiff an der äußersten Schale der Station andockte.

Ich bin Bjernelf, der Pilot des Schiffs. Voller Vorfreude betrachtete ich die Station. Fünf Tage frei, in denen das Schiff ent- und wieder belanden würde. Fünf Tage auf einer großen Station. Als erstes würde ich einen Eridianer suchen, um dort ein Würstchen mit Senf zu kaufen. Diese Eridianischen Würstchen... Ein Traum! Genau das, worauf sich der Raumreisende nach einem mehrmonatigen Flug durch die Galaxie freut.

Wenn ich so allein auf dem Schiff unterwegs war, fragte ich mich manchmal, ob ich nicht doch einen anderen Beruf hätte wählen sollen. Aber nach ein paar Tagen auf einer Station oder einem Planeten, war ich mir dann immer wieder sicher, dass ich das richtige machte.

Nachdem ich die Ladepapiere übergeben hatte, musste ich selber noch durch den Zoll und die ganzen Einreiseformalitäten und Untersuchungen über mich ergehen lassen, die zu einem Besuch auf einer Raumstation eben dazugehören.

"Name?"

"Bjernelf Gopperby!"

"Herkunftswelt?"

"Fliegender Reisender. Meine Vorfahren kamen von Troms-Pseria!"

"Grund der Reise?"

"Transportschiffpilot. Erholungsurlaub."

Ich hatte diese ganze Prozedur schon hunderte Male über mich ergehen lassen auf hunderten Welten und Raumstationen. Es war immer das gleiche. Man gibt seinen Pass ab, man wird überprüft, die medizinische Labor-Weltkugel öffnet sich und man klettert hinein und wird untersucht. Warum genaug das Ding Weltkugel heißt, ist mir nicht klar, da es weder eine Kugel ist noch eine Welt. Vielleicht gibt es irgendwo eine Raumstationswelt, die so aussieht. Aber auf der war ich dann noch nie.

Die Republik von Tau-Ceti ist aber auch eine sehr faszinierende Raumstation. Von außen sieht sie wie ein riesiger Zylinder aus, doch im Inneren ist sie wie eine Zwiebel aufgebaut, in jedem Zylinder steckt ein kleinerer, der sich etwas schneller dreht, um so überall die gleiche Schwerkraft zu haben.

Für jemanden wie mich, der ständig irgendwo in Raumschiffen oder auf Stationen unterwegs ist, ist es sehr ungewohnt, dass überall die gleiche Schwerkraft herrscht und man nicht von einer Seite der Station zur anderen schauen kann. Aber für Leute von Planeten soll das sehr gut sein, habe ich gehört.

Die Andockbuchten der Station waren natürlich mitten in einem Lager- und Industriegebiet, doch hier gab es glücklicherweise Bahnen, die ins Stationsinnere fuhren, so dass ich problemlos in einen Bereich kam, in dem es Restaurants gab. Ich suchte mir also sofort einen Eridianer und bestellte mir ein Würstchen mit Senf.

Leider muss bei denen in der Küche etwas schiefgelaufen sein, denn ich wurde plötzlich müde und schlief auf meinem Stuhl ein. Als ich eine Weile später wieder erwachte, fluchte ich. Ich hatte total vergessen, dass der Tau-Cetianische Senf auf alceroide Tromser wie ein Schlafmittel wirkt. Wie gut, dass ich keine Wertsachen bei mir hatte, die man hätte klauen können.

Nach dieser unfreiwilligen Pause ging ich erstmal in einen der unzähligen Parks der Republik. über komplizierte Spiegelsysteme wurde das Licht des Stern in die Parks geleitet, die sich als grünes Band auf ihrer Ebene um die ganze Station herum zogen. Es gab sogar Vögel verschiedener Art. Ich war immer wieder davon irritiert, aber das war wohl für die Leute auf Raumstationen irgendwie wichtig.

Weiter vorne konnte ich plötzlich Geschrei und sich anschreiende Personen hören. Sie stritten sich und plötzlich pfiff etwas durch mein Geweih. Sie schienen eine Art Schusswaffe zu benutzen. Hinter mir fiel ein Vogel zu Boden. Da nahm ich aber die Beine in die Hand und trabte so schnell ich konnte weg. Glücklicherweise sind wir elchartigen Personen recht schnell zu Fuß, so dass ich die Umgebung der Kampfzone verlassen hatte, bevor die Polizei eintraf.

An der nächsten Haltestelle wartete ich auf eine Bahn Richtung Geschäftsviertel, denn nach dem Ausflug in den Park und meiner Flucht daraus hatte ich so richtig Hunger bekommen. An der Haltestelle musste ich jedoch erstmal warten, denn es kam und kam keine Bahn. Dafür drängten sich aber immer mehr Menschen auf den Bahnsteig, bis schließlich ein Bahnangestellter vorbeikam und erzählte, dass ein ICE die Strecke blockieren würde. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, das ICE die hiesige Einsatzpolizie sei, die zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt würde. Interrepublikanische Control Einheit, oder kurz ICE.

Es wurde immer enger und je mehr Personen sich hier versammelten, desto dringender wünschte ich mich auf mein Raumschiff und in den Weltraum zurück. Diese Enge hier...

Irgendwann kam dann die ICE vorbeigefahren und kurz darauf kamen dann auch Straßenbahnen, ganz viele hintereinander. Ich ließ die ersten zehn vorbeifahren und nahm eine, die nicht ganz so voll war.

Nachdem ich mich gestärkt hatte, ging ich noch in einen Laden mit Weltraumbedarf und deckte mich mit Ersatzeilen und Lebensmitteln für meine nächsten Reisen ein. Die nächsten vier Tage verbrachte ich mit Lesen auf meinem Raumschiff und ging nur zum Essen in die Ruamstation.

Dann endlich kam der Tag, wo ich die Raumstation wieder verlassen konnte. Und jetzt bin ich wieder unterwegs durch den Weltraum nach Gamma Centauri III, um dort meine Waren abzuliefern.

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Genres:
* Prosa * Science Fiction *


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