Städtereise

Endlich Urlaub! Wir hatten uns schon wochenlang darauf gefreut, in die Stadt zu kommen. Mein Kumpel Lutz wollte ja lieber irgendwo am Strand Urlaub machen, aber Melanie und ich wollten nicht schon wieder die ganze Zeit in der Sonne liegen.

Und jetzt waren wir hier und drei Tage Hochhäuser, Museen und Shoppingtouren lagen vor uns. Kaum hatten wir den Bahnhof verlassen, da begann Lutz auch schon zu meckern, dass er keinen Bock mehr auf Städte hätte. Nun ja, Lutz meckert ja immer und wir ignorierten das konsequent, also war alles OK.

Wir gingen erst mal zu unserem Hotel und stellten unsere Taschen ab. Dann ging es los, die Stadt anschauen. Als wir grade eine Kirche oder Kathedrale oder so was fotografieren wollten, passierte es. Lutz trat in einen Hundehaufen! Er fluchte und schimpfte wie ein Rohrspatz.

Um ihn zu beruhigen, empfahlen wir ihm, halb im Scherz, seinen Schuh von einem der Schuhputzer, die die Stadt zahlreich bevölkerten, reinigen zu lassen. Die Idee fand er so gut, dass er gleich zu einem der Schuhputzer lief. Fünf Minuten später hatte er wieder saubere Schuhe, aber dafür auch zehn Euro weniger.

Wir besichtigten die Kirche, doch als wir wieder raus ins helle Tageslicht kamen, trat Melanie in einen Haufen. Sie versuchte, den Schuh mit Taschentüchern zu reinigen, doch das Zeug stank! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie! Also ging sie auch zu einem Schuhputzer. Danach war ihr Schuh wenigstens wieder sauber.

Erst jetzt fiel uns auf, dass der ganze Platz zwischen der Kirche und dem Rathaus über und über mit Hundehaufen übersät war, während am Rand und in den Seitengassen Schuhputzer ihrem Geschäft nachgingen. Ich hatte noch nie so viele Hundehaufen auf einmal gesehen. Ich wies die anderen darauf hin und wir beschlossen, erst mal eine etwas sauberere Gegend der Stadt anzuschauen.

Vor einem exquisiten Einkaufscenter erwischte es mich dann. Und als ich vor Schreck zur Seite sprang, stieß ich Lutz an, der vor Überraschung einen Schritt zur Seite machte und auch in einen Haufen latschte.

Nun gut, dachten wir uns, dann gehen wir eben mit Scheiße am Schuh einkaufen, es war ja nicht unsere Schuld, dass diese Stadt so schmutzig war. Doch die Türsteher wiesen uns ab.

„Mit Hundekacke am Schuh kommt hier keiner rein!“

„Wascht erst mal gründlich eure Schuhe. Oder lasst sie putzen!“

Nun gut, dachten wir uns, dann lassen wir unsere Schuhe eben nochmal putzen, Schuhputzer gab es hier ja genug.

An diesem Abend erwischten wir noch zwei weitere Hundehaufen, bis Melanie eine Entdeckung machte. „Sagt mal, Leute, gibt es hier eigentlich Hunde?“

Wir schauten sie verblüfft an. „Na klar, massenhaft“ erklärte Lutz. „Es ist schließlich alles voller Haufen.“

„Das schon“, überlegte Melanie, „aber habt ihr auch Hunde gesehen?“

Lutz und ich schauten uns an. Wir konnten uns beide nicht daran erinnern, einen gesehen zu haben. Ein wenig seltsam war das schon, aber mit den ganzen Haufen musste es auch irgendwo Hunde geben.

Am nächsten Tag achteten wir auf Hunde, doch wir sahen den ganzen Tag über keine. Dafür gab es in dieser Stadt doch tatsächlich ein Hundescheißmuseum. Doch so, wie das Gebäude schon aus der Ferne roch, beschlossen wir lieber einen großen Bogen um es herum zu machen,

Wir haben an diesem Tag nicht mitgezählt, wie oft wir in Hundehaufen gelatscht sind, aber Abends hatten wir vom vielen Schuheputzen kein Geld mehr, um etwas trinken zu gehen. Also gingen wir sehr früh ins Bett.

Am nächsten Morgen waren wir dann schon sehr früh wach, also gingen wir den Sonnenaufgang in den Straßenschluchten der Stadt anschauen.

Was wir da sahen, haute uns voll aus den Socken, denn Leute mit Schubkarren liefen durch die Straßen und verteilten überall kunstvoll geformte, stinkende Hundehaufen.

Wir hatten ja schon geahnt, dass hier etwas faul war, als wir keine Hunde gesehen hatten, aber dass die Schuhputzer selber die Kacke verteilten...

Nun ja, nach dieser Reise beschlossen wir, demnächst wieder in Touristenburgen am Strand Urlaub zu machen.

hoch

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Genres:
* Prosa * Alltagsgeschichten * Humor * Satire *


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