Gießkannen und Wein am Klondike


Es war einmal eine Öllampe, die am Schlitten eines Goldsuchers hing. Diese Geschichte wird natürlich nicht aus der Sicht der Öllampe erzählt, denn das wäre ja sehr langweilig. Die ganze Zeit würde sie nur denken: "Warum muss ich mit diesem billigen Öl brennen... Das stinkt doch immer so."

Nun ja, da das so langweilig wäre, geht es nicht um die Öllampe, sondern um den Goldsucher. Und der ist mit seinem Schlitten auf dem Weg zum Klondike, um dort nach Gold zu suchen. Es war natürlich eine beschwerliche Reise, aber darum soll es hier auch nicht gehen, denn das spannende ist doch, wie dieser spezielle Goldgräber reich geworden ist.

Der Goldgräber kam also mitten im Goldrausch in Dawson an. Da jedoch alle Claims bereits besetzt waren, musste unser Goldgräber sich etwas anderes ausdenken. Bereits sein alter Großvater hatte vor vielen Jahren einen Gießkannenverkauf in Innsbruck gegründet und war damit wohlhabend geworden. Sein Vater und dann sein ältester Bruder hatten das Geschäft übernommen, doch für ihn als jüngsten Bruder gab es dort keine Perspektive und er wanderte aus. Doch jetzt sah er seine Chance gekommen, denn hier am Klondike gab es überhaupt keine Konkurrenz. Also ergriff er seine Chance und ließ sich eine Ladung Gießkannen aus Kalifornien kommen und machte seinen Laden auf.

Das Problem war nur, dass die ganzen Goldgräber leider überhaupt keine Verwendung für Gießkannen hatten. Die ersten Tage lief das Geschäft einfach nur schlecht und unser Goldgräber bekam schon seine Zweifel, ob ein Gießkannenverkauf am Klondike so eine gute Idee war. Doch dann fand er schließlich doch einen Goldgräber, der ihm wenigstens eine Kanne abkaufte. Und als ausgerechnet dieser Goldgräber ein paar Tage später wirklich Gold fand und reich wurde, erzählte der Innsbrucker allen Goldgräbern, dass das nur an seiner Kanne gelegen habe und auch sie mit einer seiner echten Tiroler Gießkannen reich werden könnte. Da rissen sich die Goldgräber natürlich um seine Kannen und im Nu hatte er alle hundertfünfzig Stück verkauft – noch dazu zu überhöhten Preisen.

Doch sein Glück hielt nicht lange an, denn die Goldgräber bemerkten natürlich schnell, dass seine Gießkannen nicht halfen, um Gold zu finden. Den ersten, die sich beschwerten, konnte er noch erklären, dass sie die Gießkannen falsch benutzten, doch als es immer mehr wurden, packte er seine Sachen und machte sich auf den Weg zurück nach Kalifornien.

Der Weg führte ihn am Flussufer hinab Richtung Meer. Nach kurzer Zeit kam ihn eine Gruppe Leute mit Rindern entgegen. Auf dem Rücken der Tiere waren jeweils mehrere Kisten geschnallt und die bestimmt zwanzig Tiere wurden von drei Cowboys begleitet. Einer davon, so stellte sich heraus, war ebenfalls aus Tirol, so dass unser Gießkannenverkäufer sich mit ihm über die Heimat unterhalten konnte. So erfuhr er auch, dass die Cowboys Versorgungsgüter nach Klondike brachten.

Nach einer Pause von einer Stunde machten sie sich wieder auf den Weg, die Cowboys flussaufwärts zum Klondike und der Gießkannenverkäufer flussabwärts.

Eine halbe Stunde später hörte er dann hinter sich in der Ferne lautes Geschrei und Rufen und kurz darauf Getrampel. Das Getrampel kam immer näher und so versteckte er sich lieber neben dem Weg in einem Gebüsch. Es waren die Rinder, die in Panik den Weg entlang kamen. Von den Cowboys war nichts zu sehen. Da erinnert er sich an die Besuche bei seinem Onkel auf einer Alm und seine Erfahrungen mit Rindern dort und er wagte sich aus dem Gebüsch.

Es gelang ihm mit Mühe, eines der Rinder anzuhalten. Neugierig, mit was es beladen war, öffnete er eine der Kisten. Es war Wein, ungarischer Wein. Echter Tokaier, den Flaschen nach. Wie der in diese gottverlassene Gegend am Ende der Welt kam, wusste er nicht, doch einen guten Wein wusste er durchaus zu schätzen.

Kurz darauf waren wieder Rufe und Geschrei zu hören. Eine Horde wütender Goldgräber kam Gießkannenschüttelnd den Weg entlang gerannt. Sie folgten ihm und wollten ihm offensichtlich an den Kragen. Doch er stellte sich ihnen in den Weg, in jeder Hand eine Flasche Wein: "Trinkt lieber etwas Wein als mich zu jagen", erklärte er, doch die Angreifer ließen sich nicht so einfach beruhigen. Schließlich gelang es ihm aber doch, sie zumindest so lange zu bequatschen, bis sie wenigstens den Wein probierten. Erst fanden sie ihn seltsam, denn sie waren ja härtete Getränke gewohnt, doch schnell kamen sie auf den Geschmack. Und als sie dann nach einer halben Stunde alle sehr besoffen waren, nahm unser Held die Beine in die Hand und machte sich so schnell er konnte auf den Weg. Tja, und so war das damals mit dem Gießkannenverkäufer am Klondike.


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Genres:
* Prosa * Abenteuer *


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