Der Papst und das Streufahrzeug

Es war einmal ein Streufahrzeug, deren beste Freundin eine Klarinette war. Das Streufahrzeug war auf seltsamen Pfaden und nach einer Begegnung mit dem bösen Wolf, der den Papst aus der Ferne anhimmelte, nach Mallorca gelangt und hatte dort die Klarinette kennen gelernt. Sie waren beste Freundinnen und konnten über alles reden.

Doch eines Tages sagte die Klarinette: "Du, Streufahrzeug", sagte sie, "ich würde so gerne BWL studieren, weißt du. Da ist voll spannend. Aber leider darf ich das hier nicht, weil sie an der Uni keine Pfeifen wollen."

Das Streufahrzeug surrte mitleidig. "Und Klarinetten zählen die nun mal zu den Pfeifen" erklärte sie weiter. "Deswegen muss ich nach Tromsø auswandern."

"Ohh, und ich bin dann hier ganz alleine?"

"Tut mir Leid für dich. Ich weiß, dass du die Trennung von Schneewittchen noch immer nicht verarbeitet hast."

Beim Gedanken an Schneewittchen musste das Streufahrzeug weinen und dicke Streusandtränen tropften auf den heißen Strand.

"Armes Streufahrzeug", flötete die Klarinette. "Aber ich muss wirklich los, denn morgen ist die Aufnahmeprüfung."

"Nun gut", schniefte das Streufahrzeug. "Vielleicht sollte ich mal Urlaub machen, was hältst du davon?"

Die Klarinette war begeistert. "Ein Tapetenwechsel wird dir sicher gut tun."

Und so kam es, dass sich das Streufahrzeug auf einer Fähre einschiffte und nach Italien fuhr. Die Fähre kam um fünf Uhr morgens an, doch das machte dem Streufahrzeug nichts aus, weil es, so wie alle Streufahrzeuge, kein Problem mit dem früh Aufstehen hatte.

In Italien angekommen stellte es fest, dass es in Rom gelandet war. Doch auch hier gab es, genauso wie auf Mallorca, weit und breit keinen Schnee, und das, wo Schneewittchen doch erzählt hatte, dass man in Italien Ski fahren könne. Und wo könnte man das besser als in der Hauptstadt? Aber es gab hier einfach weit und breit keine einzige Schneeflocke zu sehen.

Das Streufahrzeug irrte durch die engen Gassen, als es von einem italienischen Auto angerempelt wurde. Sowas war ihm ja noch nie passiert. Wer wagte es, ein tonnenschweres Streufahrzeug anzurempeln? Und dann auch noch so ein kleines italienisches Auto, dass man fast übersehen könnte.

"Du Arschloch!" hupte das Auto das Streufahrzeug an. "Pass doch auf!"

"Was nimmst du denn für Worte in den Mund", erwiderte das Streufahrzeug. "Das heißt höchstens Künstlicher Darmausgang. Jawohl. Habt ihr hier überhaupt keine Manieren?" Aber das Auto war schon um eine Ecke verschwunden.

Da beschloss das Streufahrzeug, Rom möglichst schnell zu verlassen. Auf dem Weg in die Berge, kurz nachdem es die letzten Vororte der Stadt hinter sich gelassen hatte, musste es scharf bremsen. Eine Person torkelte mitten auf der Straße, in eine schwarze Kutte gekleidet.

"Heee!" hupte das Streufahrzeug. Die Person drehte sich um und hob die Arme: "Ich bin Papst Mohammed der VIII! Was willst du von mir?"

"Du bist der Papst?"

"Natürlich, Mohammed der VIII! Aber ich wurde verbannt."

Da dachte das Streufahrzeug an den Bösen Wolf, der so sehr in den Papst verliebt war. "Soll ich dir Asyl gewähren", fragte das Streufahrzeug dann mit seiner einschmeichelndsten Stimme.

"Asyl?"

"Ja, ein Freund von mir würde dich bestimmt gerne bei sich aufnehmen."

Und so kam es, dass sich das Streufahrzeug mit Papst Mohammed VIII auf den Heimweg machte. Der Böse Wolf freute sich irrsinnig darüber. "Der Papst, er ist zu mir gekommen!" Und Mohammed der VIII freute sich auch, denn er hatte sich auf den ersten Blick in den Bösen Wolf verliebt.

Und um das Glück perfekt zu machen, fing es an zu schneien und das Streufahrzeug fuhr surrend durch die heimischen Wälder.

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* Prosa * Märchen *


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