Prinzessin Ökonomika

Von Ute und Peter

Es ist wissenschaftlich erwiesen: das Volk verschlingt zuviel Brot und trinkt zuviel Wasser und Wein. Don Quixote spürt die Kräfte der Wirtschaft in sich. Er regt sich und fühlt sich zum Ballon wachsen.

"Nein, nein," sagt Prinzessin Ökonomia charmant. "So war das nicht gemeint. Die Kräfte der Wirtschaft müssen nicht direkt in Euch und Euresgleichen gestärkt werden. Das ist sehr kompliziert. Um die ganze Wahrheit herauszubringen, ihr belastet mit eurem überbordenden Wohlergehen sehr die Kräfte der Wirtschaft, und es ist Eure Aufgabe in Demut und Dankbarkeit die Wirtschaft nicht weiter zu schwächen. So ein wertvoll Ding ist empfindlich, weißt ihr? ... nee, nee, nee."

Beschämt sank Don Quixote in sich zusammen.

"Nicht ihr! In erster Linie seid nicht ihr gemeint! Aber guckt euch nur alle die Taugenichts und Tagediebe an In ihrer Parasitären Unzahl fallen sie über die Weidegründe her und fressen diese ratzekahl. Überlegt doch nur, wie viel Ihr und Euresgleichen sparen und erwirtschaften könntet, wenn dieser Humanballast nicht derartig auf euch lasten würde? Nicht nur daß ihr eurer Dankespflicht gegenüber den Euch erhaltenden Kräften besser nachkommen könntet, wie frei wäre Euer Dienst und wie unbeschwert Euer Leistungsvermögen ohne diese assoziale Bürde – Entfesselung des Mittelstandes – Du musst reisen, Don Quixote, denn das größte Übel ist die Orientierungslosigkeit. Deshalb halte dich niemals länger als einen Tag an einem Ort auf. Die starke und gesunde Seele weiß wohin sie will und geht ihren Weg. Suche halt in der Flexibilität, deiner höchsten Rittertugend."

Seitdem er an der Umfrage teilgenommen hatte, verließ er Haus und Hof, um sich auf Wanderschaft zu begeben. Die Don Quixoterie als nicht ablegbare Eigenschaft. Sie hielten ihm den Spiegel vor. Und er überlegte hin und her, wie er diese lächerliche Rüstung ablegen konnte. Doch alles, was darunter zum Vorschein kam, war mindestens ebenso lächerlich.

Als machte er bis auf weiteres weiter.

So zog er durch die Lande, von Ort zu Ort um dort für die Wirtschaft zu kömpfen und den Humanballast zu beseitigen.

"Du, Don Quixote," sagten die Leute zu ihm. "Mach, das es uns besser geht! Kämpfe für uns gegen die Wirtschaft."

Doch er antwortete ihnen: "Die Wirtschaft ist Euer Freund, wenn ihr sie lasst. Und was für Eure Freunde gut ist, ist auch für Euch gut."

Im Laufe der Zeit gelang es ihm, Leute zu überzeugen, ihm bei seinem Kampf beizustehen. Oder ihm zumindest Geld zu geben für seinen Kampf."

Als ihm mehr Leute folgten, sagten sie zu ihm: "Don Quixote, wenn du Politiker wärest, ich würde dich sofort wählen!"

Doch Don Quixote winkte ab. "Ich werde lieber weiter kämpfen." Und bei sich dachte er, dass so eine lächerliche Gestallt wie er sicherlich nicht gewählt werden würde.

Irgendwann traf er dann einen Unternehmensberater, der ihm empfahl, sich einen neuen Namen zuzulegen.

"Aber ich BIN doch Don Quixote!" wendete Don Quixote ein. Doch der Berater erzählte ihm so lange von der Bedeutung der Namen im Kontext der kommerziellen Verwertbarkeit der egozentrischen Poly-und-so-weiter, dass er schließlich nachgab. Und so ließ sich Don Quixote in Udigo Osterwoge umbenennen. Dieser Name sei dafür viel besser, shcwärmte ihm der Unternehmensberater vor, der sich als verkleidete Prinzessin Ökonomika entpuppte und ihm die Hälfte seines Geldes abknöpfte. Und so gründete Don Quixote als Udigo Osterwoge die Partei Freundliche Dons für die Politik, oder kurz FDfdP.

Mit dieser Partei zog er nun los und pries landauf-landab die Vorzüge, die alle hätten, wenn die Wirtschaft besser wäre und man die Steuern deswegen abschaffen könne, da es der Wirtschaft, der es dann ja gut ginge, für alles wichtige Spenden würde.

Und so kam es, das Udigo Osterwoge von Wahl zu Wahl mit seiner Partei immer mehr Stimmen bekam und er im Parlament saß. Dort predigte er unaufhörlich die Vorteile einer guten Wirtschaft und wie böse doch die Leute seine, die das nicht einsehen würden.

Immer mehr Leute wählten ihn, immer weitere Abschaffungen von Steuern versprach er, so dass er schließlich sogar, zusammen mit anderen, regieren durfte.

Das war eine Sache, das Regieren. Plötzlich musste er feststellen, dass die Wirtschaft nicht besser wurde, doch die Leute fragten: "Was ist nun mit uns? Warum ist unser Essen teurer geworden aber der Urlaub billiger?"

Und andere fragten dann: "Welcher Urlaub? Der Wurde doch abgeschafft."

"Seht ihr," erklärte dann Don Quixote ihnen, "ihr bezahlt viel weniger für Urlaub als letztes Jahr, das ist doch super."

Und die Wirtschaft ließ die Leute nun länger arbeiten, und das für weniger Geld, denn Udigo Osterwoge hatte es ihnen erlaubt. So konnten natürlich viele Leute entlassen werden, die nun nicht mehr gebraucht wurden. Und gegen diesen neuen Humanballast musste man natürlich nun kämpfen.

Und die Leute beschwerten sich weiter über dies und das. Don Quixote konnte das nicht verstehen, denn er bekam doch auch von der Wirtschaft Spenden und es ging ihm so gut wie noch nie. Und er machte ja nur das, wofür er gewählt wurde.

"Höre nicht auf die Leute, die immer meckern müssen," erklärte Prinzessin Ökonomika ihm schließlich. "Mache deine Politik, die Leute sind doch egal. Humanressourcen sind schließlich austauschbar."

Und so regierte Udigo Osterwoge vier lange Jahre das Land, bis auch der letzte verstanden hatte, was eine freie Wirtschaft für ihn bedeutet.

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Genres:
* Prosa *


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