Unwetter

Dunkelheit herrscht an diesem Abend vor. Unheilvoll sieht der Himmel aus, es braut sich etwas zusammen. Der Regen peitscht mir ins Gesicht, es lohnt sich nicht den Schirm zu nehmen, er wäre hinüber oder fort, sobald ich ihn aufspannen würde. Es kleben mir Haarsträhnen an der Stirn und den Wangen, der Wind hat sie aus dem Zopf gelöst. Er zerrt an meiner Kleidung, als wäre ich ein Spielball. Ob ich heute heil nach Hause kommen werde? Ein langer Weg steht mir bevor, ich tappe im Dunkeln, in der Hoffnung, bald das rettende Heim zu erreichen. Kaum ein Passant ist auf der Straße, sie alle haben sich ins Warme verkrochen. Diejenigen, die dem noch fern sind, eilen den Weg entlang ins schützende Haus. Einzelne Böen fegen an mir vorbei, manchmal gehe ich schräg, da der Druck zu stark ist. Angst schwingt in meinem Schritt mit, ich muss es schaffen. Ein Sinnbild steigt vor meinem geistigen Auge auf: ich hänge an einer Laterne, festgekrallt, damit ich nicht weggeweht werde. Meine Kraft lässt nach, lasse los, und fliege wie eine Plastiktüte durch der Luft. Kein beruhigendes Gefühl! Ich vertreibe den Gedanken und pirsche mich Schritt für Schritt vor. Es ist nicht mehr weit! Sieh dort, Zivilisation!! Ein Licht! Instinktiv laufe ich schneller, um dem Ziel immer näher zu kommen. Es ist der Bahnhof, der mich aufnimmt, um auf die Bahn zu warten. Nach einer schier endlosen Wartezeit rollt sie dann ein und es schüttet wie aus Kannen, der Regen peitscht nur so gegen die Scheiben der Bahn. Fröstelnd schauen einige Mitfahrer hinaus, sicherlich mit dem Wunsch, auch bald halbwegs trocken ins wohlige Heim zu gelangen. Vom Bahnhof sind es nur noch 15 min bis zu meiner Wohnung. Das Unwetter erreicht nun bald seinen Höhepunkt und ich versuche, so schnell wie möglich voranzukommen. Völlig durchnässt jage ich durch die Straßen, vorbei an hoffnungslos überfüllten Gullis, knöcheltief im Wasser watend. Endlich angekommen, ziehe ich die nassen Kleider aus und koche mir Tee, froh, die Nacht nicht draußen verbringen zu müssen. Und vor meinen Fenstern tobt der Sturm.

hoch

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Genres:
* Prosa *


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