Das ist keine Kriminalgeschichte

Das ist keine Kriminalgeschichte Teil I

Sanft wiegt sich dein Arm aus der Ellenbeuge heraus. An deiner entspannten Hand nehmen sich deine Finger edel aus. So friedlich wie noch nie ruht deine Brust in den Kissen. Locker strecken sich deine Beine vom Sofa auf den Boden. Der Kopf hängt hintüber gestreckt über der Rückenlehne. Das Ganze ein Bild nie gesehener Harmonie – vollendet durch einen kreisrunden, tiefroten Fleck auf der Stirn, das Siegel des vollkommenen Moments.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil II

Meine Augen suchen deinen Blick. Sie finden deine Augen offen wie nie. Reglos verharrt dein Blick in sinniger Erkenntnis Für mich, meine Gefühle und meine Situation entwickelst du ein bisher ungekanntes Verständnis. Wie liebend und empfangend du da liegst! Ein aufsteigendes Gefühl von Zuneigung, Vertrauen und Sicherheit treibt mir die Tränen in die Augen – das habe ich so schmerzlich vermisst. Zutiefst angenommen und geborgen in einem Meer süßlichen Dufts, den du in unerhörter Selbstlosigkeit verströmst.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil III

Es klingelt an der Tür. Ein Mann und eine Frau, er in grünem Anzug und sie in grünem Kostüm, stehen vor der Tür.

"Oh, lieber Besuch, kommen Sie doch herein.", sage ich.

"Nein, nein", wehren beide ab, "wir sind hier dienstlich. Es geht um das Auto von Ihrem Ehemann."

Ich frage: "Und wie kommen Sie auf mich?"

"Durch Ihren Schwiegervater. Er hat uns auf Sie verwiesen, nachdem wir erfolglos Ihren Mann zu kontaktieren versuchten."

"Was wollen Sie von mir? Ich meine, kann ich irgendwie helfen?"

Die Polizistin antwortet: "Wie gesagt, es geht um das Auto Ihres Mannes, bzw. um den Parkplatz. Wie Sie vielleicht wissen, findet morgen ein Straßenfest mit Umzug statt. Das Auto Ihres Mannes steht mitten auf der Umzugsroute, auch wenn es sich im Alltag um einen ganz normalen Parkplatz handelt. Er muss es möglichst bald wegfahren."

"Ich kann ihm Bescheid sagen.", antworte ich, "Wissen Sie, seit Neuestem haben wir ein viel engeres und vertrauteres Verhältnis als bisher. Früher hätte ich ihm so etwas gar nicht sagen können."

Der Polizist sagt daraufhin:"Also sollte das Auto bis heute Abend nach 18 Uhr immer noch da stehen, dann wird es kostenpflichtig abgeschleppt."

Ich beiße mir auf die Lippen: "Ja, selbstverständlich. Ich sage sofort Bescheid."

"Notfalls können Sie es doch selbst wegfahren.", sagt der Polizist und ich antworte: "Da kennen sie meinen Mann aber schlecht. Er würde mir nie im Leben seinen Autoschlüssel anvertrauen."

"Na, dann müssen Sie ihm eben Bescheid sagen."

"Wenn Sie wüssten.", erwidere ich, "Für so etwas geht mein Mann mir nicht selten an den Kragen."

Die Polizistin übernimmt hier das Wort: "Na, dann reden wir halt mit Ihrem Mann."

Ich sage mit einem Grimm in der Stimme, der mich selbst erschrickt: "Nicht nötig. Ich habe ihm eine endgültige Lektion erteilt mit tödlichen Folgen."

Der Polizist guckt mich scharf an. "Was sagen Sie da? Eine Lektion mit ...?"

Seine Kollegin guckt ihn lachend von der Seite an, als ob sie ihn gleich knuffen wollte. "Na, sie meint wohl eine letztendliche Lektion, die große Lektion am Ende."

"Ja", beeile ich mich zu sagen, "eine Lektion am dicken Ende. Hat sich auch wirklich gelohnt. So entspannt und gelassen habe ich ihn nie erlebt. Und freundlich ist er zu mir geworden. Sie glauben es nicht."

"Gut", sagt die Polizistin, "dann sagen Sie ihm Bescheid, ja?"

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil IV

Eine Geburtstagsüberraschung! Du hattest an meinen Geburtstag gedacht! Das hätte ich mir ja nicht träumen lassen. Du wolltest mich entführen und mir deswegen die Augen verbinden. Mit verbundenen Augen stieg ich also in dein Auto. Die ganze Fahrt hindurch grinste ich wie ein Honigkuchenpferd. Bei dir angekommen – irgendwie wusste ich es doch – führtest du mich in die erste Etage – wieso die erste, du wohnst doch in der dritten? Eine Wohnungstür öffnete sich, du geleitetest mich hinein, drehtest mich ein wenig herum und nahmst mir die Augenbinde ab. Ich guckte vor eine kleine geschlossene Tür am hinteren Ende einer Diele. Dir entschlüpften die Worte: "Das habe ich nicht bedacht", und schnell öffnetest du die Tür. Aber ich konnte nichts ausmachen, ich guckte in eine volle Abstellkammer hinein. Hektisch schautest du dich um, "Herr Kraus!", riefst du mit Ärger in der Stimme. Niemand antwortete, die Wohnung war leer. Nervös öffnetest du verschiedene Tüten, gucktest unter Zeitungspapier. Da fiel dein Blick auf einen Vorhang, der etwas Großes verdeckte. ‚Und siehe da‘, sagte das breite aufgehende Lächeln auf deinem Gesicht. Und was kam zum Vorschein? Ein alter klappriger Hometrainer. Ich gucke dich etwas verdutzt an.

"Na, Schätzchen", sagtest du, "freust Du dich nicht? Als ob Du das nicht gebrauchen könntest." Verlegen fing ich an zu stottern.

"Siehst Du!", fuhrst du mir dazwischen.

Ich stockte, "vievielen Dank, äh, für das äh totolle Geburtstags äh Geburtstagsgeschenk!"

"Bitte, bitte", sagtest du händereibend. Gönnerhaft setzest du hinzu: "Mein kleiner Cousin wäre auch noch daran interessiert. Aber natürlich dachte ich an Deinen Geburtstag."

"Dein kleiner Cousin? Ja, möchte er das Dinge vielleicht haben?"

"Nicht ganz. Er bräuchte es nur als Requisit für ein Bühnenstück, in dem er mitspielt."


Ich konnte meine Enttäuschung nicht verbergen. Ein Schlüssel drehte sich in der Wohnungstür um. Dein Nachbar trat ein.

"Guten Tach, die Herrschaften", sagte er lustig, "sagen’Se Fräulein, nehmen‘Se das Ding am besten gleich mit. Ich kann’s hier so gar nicht gebrauchen."

Verdattert sah ich dich an, "Selbstverständlich, Herr Krause, sie nimmt es sofort mit."

Und du stupstest mich in die Seite, "nicht wahr?"

"Ich, ich...", ich schnappte nach Luft "dein Cousin möchte sich das Teil doch vorerst einmal ausleihen."

"Sehr nett von Dir, an meinen Cousin zu denken, aber er braucht es erst in drei Wochen. Wäre schön, wenn du es ihm bringen könntest."

Ich fragte: "Kann es hier nicht solange stehen bleiben?"

"Auf gar keinen Fall!", warf Herr Krause ein, "das Ding muss sofort raus."

"Da hörst Du’s", sagtest du.

"Aber ..."

"Nichts ‚aber‘, einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul."

Herr Krause, wandte sich an dich: "Sie haben mir versprochen, den Hometrainer heute mitzunehmen!"

Du gucktest auf die Uhr. "Ich muss mich leider entschuldigen. Ich muss gehen – dringend! Also mein Schatz", und du drücktest mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn, "mach’s gut und viel Spaß mit dem Hometrainer."

Dann drehtest du dich um und verschwandst. Ich brach in Tränen aus. Herr Krause schreit dir hinterher: "Hat man sowas schon gesehen?!" und weiter, "Was haben sie bloß für einen Freund? Nicht weinen, Fräuleinchen, nicht weinen."

Und der alte Sack nahm mich tröstend in die Arne, nicht ohne seine Hand auf meinem Po landen zu lassen. Meine sachten Befreiungsversuche nutzten nicht viel – doch endlich ließ er mich los.

"Fräuleinchen, trösten Sie sich, Ihnen werde ich das olle Klapperteil nicht anhängen." Ich beäugte den Hometrainer nochmals. "Es sei denn, Sie wollen ihn unbedingt haben."

"Nein, ehrlich gesagt", stieß ich hervor, "aber der kleine Cousin meines Freundes..."

"Aber Fräuleinchen", antwortete Herr Krause, "um den würde ich mir an ihrer Stelle keine Sorgen machen."

"Aber was wird denn mein Freund dazu sagen?"

"Fräuleinchen!", rief er vorwurfsvoll aus und seufzte "Um Himmelswillen, soll sich doch ihr Cousin direkt an ihren Freund wenden!"

"Sein Cousin!"

"Ja, Herr Gott Sapperment"

"Aber er denkt doch, dass ich den Hometrainer habe. Das kann ich doch nicht machen."

"Fräuleinchen, Ihnen ist nicht zu helfen."

Entschlossen sah ich den Hometrainer an, ich musste ihn in drei Wochen für den kleinen Cousin bereitstellen.

"Armes Fräulein, wenn Sie es nicht wären. Ich behalte das olle Ding hier. Soll sich der Cousin es selbst abholen."

"Nein, ich muss das machen."

"Fräulein!", Herr Krause schüttelte den Kopf "Geben sie mir die Telefonnummer ihres Freundes. Ich regel das schon."

"Jaaa", sagte ich lahm.

Herr Krause nehm mich noch einmal in die Arme: "Armes, armes Ding, sie", und tätschelte meinen Po.

"Auf Wiedersehen, " sagte ich und ging. Vor der Tür bekam ich einen weiteren Heulkrampf.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil V

Am Abend, ich meine deinen letzten Abend gestern, kam noch mal der Gärtner völlig überraschend bei uns vorbei. Er war so zuvorkommend, oh. Wir waren gerade beim Abendessen, und du hattest dich mal wieder furchtbar aufgeregt. Die Gurken im Salat würden wie Gummi schmecken, außerdem wäre ich nicht pünktlich mit dem Essen fertig gewesen. Der Gärtner kam hereingeschneit und setzte sich frank und frei zu uns an den Tisch. "Ich möchte nur eine Kleinigkeit probieren, so lecker wie es aussieht, und wie schön es hergerichtet ist." Beinahe errötete ich. "Schmeckt ganz vorzüglich.", sagte er noch. Und du konntest nicht umhin, ein abfälliges "Wenn sie meinen" von dir zu geben und schnell das Thema zu wechseln: "Was führt Sie eigentlich zu uns her?"

"Jetzt ist doch bald Wochenende", antwortete der Gärtner, "und ich kann einfach keine einzige Rosenschere finden."

"Zumindest habe ich noch eine hier im Haus.", sagtest du und "Oh, ich brauche dringend eine.", der Gärtner.

"Na, dann bringe ich sie her.",

und du standest augenblicklich auf und verließest den Raum. Kaum warst du aus der Tür, nahm der Gärtner meine Hand in die seine. "Fräulein, was sind sie für eine entzückende Frau. Wie ich ihren Mann beneide. Doch, ehrlich gesagt, glaube ich gesehen zu haben, dass er sie doch recht grob behandelt – so eine feine Person, wie sie eine sind!" Ich wusste gar nicht was ich machen sollte, jeden Augenblick konntest du zurückkommen, und meine Verlegenheit erst. Laut sagte ich: "Und sie müssen sich möglichst vor dem Regen einen Strauß Rosen schneiden?" Du hast die Tür aufgerissen und "Was?", gebrüllt, "Kommt gar nicht in Frage!" Statt der Rosenschere hattest du plötzlich ein Gewehr in der Hand, mit dem du wild herumgefuchtelt hast. Ich sehe noch den Gärtner erblassen. Ich habe mich auf dich gestürzt "Um Himmels Willen, Oskar! Hilfe, wo kommt denn das Gewehr her?". "Das Gewehr?", irritiert sahst du auf deine Hand, die es hielt, um es in der nächsten Sekunde auf das Sofa zu schleudern "Ich wollte es nur meinem Gärtner zeigen – ein sehr gutes Jagdgewehr. - Ich erlaube es nicht, meinen Rosengarten zu plündern!" "Schon gut, schon gut", wiegelte der Gärtner ab, "das war nur so eine Überlegung ihrer Frau." "Fotze", brach es aus dir heraus, und ich duckte mich. "Das sieht dir ähnlich", und du hattest eine Hand gegen mich erhoben. "Aber Herr Strecker", begehrte der Gärtner auf. "Nein, natürlich nicht.", gabst du leicht durcheinander von dir, "Gehen sie bitte, ich werde das hier schon regeln." Der Gärtner sagte, dass er ein sehr schlechtes Gefühl dabei hätte, wenn er jetzt ginge und bat dich, bleiben zu dürfen. "Nun gut", knurrtest du und beruhigtest dich. Auf der einen Seite war ich dankbar, auf der anderen Seite brachte mich der Gärtner mit seinen Blicken und heimlichen Versuchen, mich zu berühren, arg in Bedrängnis. Dir schien das alles zu entgehen. Jedenfalls zeigtest du stolz dein Jagdgewehr herum. "Wie bedient man den Abzug?", fragte ich und du zeigtest es mir. "Und wie lädt man das Gewehr?", fragte ich weiter. Du holtest Patronen aus einem Nebenzimmer. Wir spielten ausgiebig mit dem Jagdgewehr herum. "Huch, das ist ja gefährlich.", sagte der Gärtner "Jahaha, das ist es!", lachtest du ein wenig stolz. An einem Punkt des Abends ging ich ins Badezimmer zum Frischmachen. "Das ist ja geladen.", hörte ich dich noch sagen, dann einen Schuss. Als ich wieder kam, war der Gärtner verschwunden. Dafür fand ich dich auf dem Sofa so liegend vor. Zuerst war ich etwas konsterniert, dann überwogen die positiven Gefühle. Was hatte sich eigentlich verändert?

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil VI

"Schau mal, Liebling, fällt Dir nichts auf?" Ich strahle, es fühlt sich gut an, so respekt- und rücksichtsvoll behandelt zu werden. Vor einer Woche noch... Ich hatte extra meinen Hosenanzug angezogen, weil du ihn für mich als vorteilhaft erachtet hast. Aber du hast mich nur angebrüllt. "Wie siehst Du denn aus! Meinst Du, so gehe ich mit Dir aus oder auch nur vor die Tür?" Ich bot an, mich sofort umzuziehen. Mein rotes Kostüm, das hatte dir doch sonst immer gefallen. Aber als ich damit vor dich hintrat, hast du mir einen Hieb gegeben. "Du hast einfach keinen Geschmack.", hast du geschrien, "Was habe ich bloß für eine Frau geheiratet?" Ich habe dich um Verzeihung gebeten. Mit hochrotem Kopf hast du dich ereifert: "Ich verzeihe nicht!" Die folgenden Tage durchstöberte ich Boutiquen, Kaufhäuser und Second-Hand-Läden (obwohl ich wusste, dass du Second-Hand eigentlich immer schon verachtet hast.). Ich war vorsichtig damit, etwas zu kaufen, weil ich wusste, wie sehr du es hasstest, wenn ich das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster schmiß. Ehrenwort – das wollte ich nicht. Als ich dir aber meine schicken neuen Sachen vorführte, schriest du, wie ich nur das Geld so verprassen könnte. Ich weiß auch nicht.

Einmal war ich in deinem Büro. Da brachtest du mir am Beispiel deiner Sekretärin bei, dass eine Frau ein leichtes luftiges Kleid aus dezent geblümtem Stoff tragen müsse. Du lobtest deine Sekretärin vor mir und machtest ihr viele Komplimente. Mich nahmst du zur Seite und sagtest: "Siehst du, die hat Geschmack. Sie weiß sich fraulich zu kleiden. Bestimmt ist sie auch sparsam." Ich solle ihr einen Milchkaffee spendieren und du scheuchtest mich zur Tür, ich solle schnell machen. Als ich noch einmal zu dir hinblickte, sagtest du: "Und geizig bist du auch noch. Du brauchst es gar nicht zu verhehlen." Beim Überreichen des Milchkaffees verschüttete ich vor lauter Aufregung und Eile ein wenig davon auf die Hand der Sekretärin. Daraufhin meintest du zu ihr: "Sie müssen entschuldigen. Meine Frau wollte eigentlich den Milchkaffee holen, den ich die Ehre habe ihnen auszugeben. Aber sie ist so schrecklich ungeschickt." "Schatz", sagtest du dann zu mir, "warum kannst du nicht einfach ein bisschen mehr Ruhe bewahren, dann würde dir so etwas trotz deiner Tollpatschigkeit nicht passieren." Ich entschuldigte mich. Die Sekretärin lächelte mich an, es wäre alles gut, versicherte sie mir und bedankte sich überschwänglich. "Sie hat sich immer so.", sagtest du in ihre Richtung und in meine machtest du eine wegwerfende Handbewegung.

Wenn ich jetzt daran denke, muss ich weinen. Warum warst du in dem Moment bloß so gemein? Herr Krause behauptet immer, du seist grob und gemein zu mir. Wahrscheinlich kennt er dich nicht gut genug. Heute jedenfalls stehe ich in meinem neuen Hosenkostüm vor dir. Es ist dezent mit stilisierten Blumen geschmückt. Ich drehe mich vor deinen Augen – und ja, du bist sprachlos vor lauter Zustimmung. Ich bin glücklich! Du warst nie ein Mann der vielen Worte – gerade war es mir, also ob du mir von deinem Sofa zugezwinkert hättest. Ich werfe mich auf dich. , schmiege mich dich umhalsend an dich. Weich landet deine Hand auf meinem Rücken. "Ich bin doch dein liebes Kätzchen, mein Oskaleinchen. Du gibst zu, dass du manchmal ungerecht mit mir warst, nicht wahr?" Aber ich verzeihe dir. Ich weiß ja, wie schwer es ist, so etwas einzusehen. , Aber, mein liebes Oskaleinchen, du bist in Wirklichkeit viel tapferer als du dich bisher gegeben hast. Du musst nichts sagen, ich nehme auch so deine leise Bitte um Vergebung an. Ich spüre das tiefe liebevolle Verständnis, das du für mich entdeckt hast. Dein Kopf fällt auf deine Brust. Autsch, du hast den meinen getroffen. "Jawohl mein Dickerchen, du kannst nicht immer alles verstehen, das ist doch normal." Wir werden von vorne anfangen. Alles wird gut, mein Lieber. Ab heute wird alles gut.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil VII

"Aber Liebling, schläfst du noch?". Wie lange du schon so da liegst? Und ich frage mich, ob ich dich zum Duschen auffordern soll. Du riechst ein wenig streng. Wenn ich das wagte, das würde einen Krach geben. Nach einer Weile nehme ich all meinen Mut zusammen und sage etwas. Und, oh Wunder, du bleibst ganz ruhig. Hast du nicht eben sogar zustimmend genickt?

Es klingelt. "Nun ist es zu spät.", werfe ich in deine Richtung. Vor der Tür steht ein Mann in schottischem Anzug. Er hält mir seine Visitenkarte vor die Nase "Privatdetektiv". Ob ich ihm einige Fragen beantworten könne. Ich schaue mein Gegenüber an. "Gern, aber können wir nicht ein wenig hinausgehen? Vielleicht in ein Café?" Der Detektiv zögert ein wenig, dann nimmt er sich zusammen. "Ja, ja natürlich.", sagt er. Ich lächle. Siehst du Liebling, so habe ich dir eine Peinlichkeit erspart. Der Detektiv nimmt mich am Arm und führt mich die Treppe hinunter.

Gerade im Café angekommen stellt er mir unumwunden die Frage: "Was ist gestern Abend mit ihrem Mann passiert?"

"Gestern?", erwidere ich verblüfft, "Da war doch der Gärtner bei uns zu Besuch."

"Und? Ist irgendetwas Außergewöhnliches passiert?"

"Nein! Wieso denn?"

Er kam mir ganz nahe und packte mich am Ellbogen: "Wo ist ihr Mann?"

"Ähm", ich hole tief Luft, "zu Hause" und sage, sobald ich mich gefasst habe, mit fester Stimme, "Ich will wohl meinen, dass mein Mann zu Hause ist!"

"Gut", sagt er, "versuchen wir es anders. Am besagten Abend ist ein Schuss gefallen. Die Nachbarn können es bezeugen. Sie und ihr Mann befanden sich zu der Zeit in der Wohnung. Also was ist passiert?"

"Mein Mann hat sein Jagdgewehr herumgezeigt."

"War das Gewehr geladen?"

"Nicht das ich wüsste."

"Und der Schuss? Woher kam der?"

"Schuss? Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht ist aus Versehen ein Schuss losgegangen. Das wäre nicht das erste Mal."

"Der Gärtner", sagte der Detektiv, "sprach gerade mit einem ihrer Hausnachbarn, als der Schuss fiel. Beide waren sehr verwundert. Sie befanden sich beide zu dem Zeitpunkt im Hausflur. Der Gärtner war eigentlich auf dem Weg nach Hause."

"Das verstehe ich nicht." Tränen steigen in mir auf.

"Kommen Sie, wir gehen jetzt zu Ihnen nach Hause."

"Ja", sage ich und im nächsten Augenblick "Nein!" Ich muss mich erst wieder setzen.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil VIII

Am nächsten Morgen wache ich in meinem Schlafzimmer auf – ich bin nicht allein. Jemand beugt sich über mich. "Bist du’s?", flüstere ich schlaftrunken. Ich bemerke, dass ich in voller Kleidung in meinem Bett liege. An dem Schlafzimmerschrank hängt die karierte Jacke des Detektivs. Ich blicke in sein Gesicht – es ist diesmal ohne Schnäuzer und ich erkenne unseren Gärtner wieder. "Es ist alles gut, liebe Frau", sagt er. Ich frage ihn nach dir und er erklärt mir, dass du fort seist, er wisse nicht wohin. Ich nehme sein Angebot, für ein paar Tage bei mir zu bleiben, an.

Ein Traum kehrt regelmäßig wieder und lässt mich nicht mehr los:

Wir beide sind allein im Wohnzimmer. Du hältst dein Jagdgewehr in der Hand. "Wie lädt man es?", frage ich. In deiner gönnerhaften Art machst du es mir vor. "Mit einmal zusehen, begreife ich es noch nicht.", sage ich kleinlaut. Du zeigst es mir noch einmal. "Und wie schießt man?", will ich wissen. Du stellst dich hinter mich, hebst das Gewehr an mein Auge und richtest meine Arme daran aus. "So!" Ich übe unter deiner Aufsicht noch ein wenig. Auf einmal ziele ich mit dem Gewehrlauf auf dich. "Das ist ja geladen.", fährt es aus dir heraus. "Ja, du Schuft, und wie es geladen ist." Und ich habe abgedrückt. – Oh Liebling, ich kann mich selbst nicht verstehen. Wie kann ich nur so etwas tun? Woher kommen solche Gefühle?

Jetzt frage ich mich tagtäglich, wo du bleibst. Das Sofa im Wohnzimmer ist leer. Unser Gärtner ist sehr lieb zu mir und kümmert sich rührend um mich. Immer wieder sagt er zu mir: "Machen sie sich keine Sorgen." Ich fühle mich wohl. Trotzdem vermisse ich dich irgendwie.

Eines Tages klingelt es und der Polizeikommissar steht vor der Tür. Ich solle aufs Polizeirevier folgen, er wolle mir einige Fragen stellen. "Ihr Mann ist tot und sie sind die erste Mordverdächtige." "Tot?", ich kann mich nicht mehr halten, "Wieso?" Unser Gärtner eilt mir auf das Polizeirevier nach. Er erzählt mir, dass die Polizei eine mit dem Blut meines Mannes verschmierte Decke gefunden hätte, nicht aber die Leiche. Ich werde bei dem Verhör auf dem Polizeirevier kühl bisweilen grob behandelt. Bereitwillig beantworte ich all ihre Fragen. Ich kann es nicht fassen, bin wie aufgelöst. Sollen sie mich doch verhaften und verurteilen. Unser Gärtner fährt mich zurück in unsere Wohnung. "Vielleicht ist er noch nicht einmal tot", sagt er mit Entsetzen in seiner Stimme. "Es gibt noch Hoffnung?", frage ich, "Kann ich ihn vielleicht noch einmal wiedersehen?" Er antwortet, "Das ist nicht ihr Ernst?" Ich schlucke. Naja, eigentlich fühle ich mich ohne meinen Mann viel ruhiger und auch viel wohler. "Aber es ist doch mein lieber Mann!", heule ich.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil IX

Einen Tag später befiehlt mir der Gärtner plötzlich, ganz schnell meine Sachen zu packen. Ich frage ihn: "Warum?", und gucke ihn groß an.

"Du bist verrückt.", platzt es aus ihm heraus, "Ich habe unten vom Hof aus genau gesehen, wie Du den Gewehrlauf auf den Kopf Deines Mannes gehalten hast."

"Lügner!", schreie ich, "Lügner!"

Der Gärtner packt mich am Arm "Los jetzt! Wie müssen gehen! Ich meine es doch nur gut mit dir."

"Zehn Minuten! Gib mir zehn Minuten", bettel ich. – Aber warum eigentlich? Es ist mir eh egal. Sollen sie mich doch holen.

"Eine Minute", sagt er ultimativ.

Ich schnappe soeben noch das Notwendigste und schon zerrt mich der Gärtner die Treppe hinunter zu dem vor der Tür stehenden Auto. Hektisch guckt er nach links und rechts. In rasantem Tempo fährt er an. Ich schreie auf. Auf der Fahrt erklärt er: "Ich bin gerne dein Komplice. Dein Mann hatte sehr dunkle Seiten. Wer das weiß, wird es verstehen können." Ich wehre ab: "Er lebt! Mein Mann lebt! Es gibt noch Hoffnung. Ich spüre es." "Tse, tse, Schätzchen", antwortet er. Wir fahren zum Flughafen und eilen zum Flugschalter. Die Reise geht in die Schweiz.

Schon nach einer Woche dort schlägt der Gärtner ohne den geringsten Anlass ganz andere Seiten auf. Immer wieder sagt er: "Es ist alles Deine Schuld. Worauf habe ich mich bloß eingelassen?" Und wenn ich mich dann entschuldige, ihm anbiete, mich doch einfach meine Wege gehen zu lassen, fährt er mich an: "Du Flittchen, so einfach, meinst Du Dich aus der Affäre ziehen zu können." Ich halte ganz still und tue alles, was er will. Aber er wiederholt nur: "Im Grunde bist Du eine Mörderin." Manchmal ist er ganz sanft und streichelt meinen Kopf, "Armes Frauchen, armes Frauchen", sagt er dann. In mir wächst inzwischen die Gewissheit, dass du lebst. Du bist nicht tot. Manchmal fällt mich eine Panikattacke an. Eines Tages werden der Gärtner und ich verhaftet. Doch sie können deine Leiche nirgendwo finden. Auch der Gärtner weiß letztendlich nicht weiterzuhelfen.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil X

Du bist nicht tot. Ich weiß es. Ich spüre es. In meinem Traum kommst du zur Wohnzimmertür hinein und würgst... - meine Kehle -, nein, du nimmst mich in die Arme. Du stauchst mich zusammen, wie ich es vielleicht auch verdient habe. Aber du nimmst mich auf behutsamste und zärtlichste Art in die Arme und drückst mir in tiefster Innigkeit einen Kuss auf die Lippen. Ich erkenne dich nicht, wo ist dein Gesicht? Da ist ein Monstrum. Geh weg! – Komm schnell! Ich habe Angst.

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil XI

Ich sitze in einem Café. Der Kellner trägt einen weißen Kittel und bringt mir Espresso. – den durchsichtigen in einem durchsichtigen viel zu kleinen Plastikbecher. Ich kippe ihn in einem Zug hinunter. Kann ich noch einen haben? "Sie sind nicht der einzige Gast hier.", erwidert der Kellner in Weiß. Ich warte noch eine halbe Stunde, zünde mir eine Zigarette an und sehe mir durch die Fenster die Passanten im Regen an. "Herr Kellner, zahlen!", rufe ich, "zahlen!" Ich bin hier doch eigentlich die Gläubigerin, denke ich, und zahle. Der Kellner führt mich zur Tür, auf die ich zielstrebig zugehe. Wir gehen hindurch, aber ich befinde mich jetzt in einem noch größeren Raum desselben Cafés. "Wo geht es hier nach draußen?", frage ich und bekomme zur Antwort, "Sie müssen hier bleiben." "So gut ist ihr Espresso auch wieder nicht", sage ich laut. "Preisfrage", bekomme ich von so einem in Weiß zu hören, "Wo ist ihr Mann?"

"Ich weiß noch nicht einmal, ob er lebendig oder tot ist. Woher soll ich wissen, wo er ist?"

Dies ist keine Kriminalgeschichte Teil XII

An dieser Stelle von "Dies ist keine Kriminalgeschichte" brach sich der Unwille der Verfasserin Bahn: "So jetzt will i c h endlich auch einmal ein Wörtchen mitreden. Wozu denkt Ihr, schreibe ich diese ganze Ich-Erzählung von Lina Strecker eigentlich?", versuchte sie sich Luft zu machen. Und so ging es dann weiter:

Ohne Leiche gibt es auch keinen Toten. Oskar ist in sich gegangen und hat sich zur Bußzeit ganz weit weg verzogen. Die Kriminalbeamten sind, wie Ihr alle wisst, doof. Die Flügeltür zum Café Service in Weiß ist ganz weit aufgeflogen und unser Gärtner kam strahlend hinein gerauscht. Die Kellner in weißen Kitteln bildeten kniend ein Spalier für ihn. Hinter seinem Rücken hielt er einen wunderschönen Blumenstrauß versteckt und glitt direkt auf unsere Herzdame zu, welche mit übereinander geschlagenen Beinen von ihrer Espressotasse aufsah, von der sie soeben genippt hatte. Sie stiegen in einen weißen Käfer, der sie direkt ins Honeymoonland fuhr.

Happy Schluss Punkt Aus

hoch

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Genres:
* Prosa * Krimi *


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