Die Konferenz der Tiere zur Rettung der Menschheit

Mr. Bonasus saß auf einer Bank und wartete. Eine robuste Dame kam auf ihn zugeeilt: "Bin schon da, Vincent!" "Und wo ist Boris?", fragte er aufspringend. Die Dame drehte sich um und rief nach Boris. Dieser kam mit seinem Schulranzen schnell um die Ecke gelaufen. "Er musste sich unbedingt noch das Skript – du weißt schon, die Protokolle der diplomatischen Verhandlungen der Menschen, welche wir in alten Archiven gefunden haben – das musste er sich von einem Schulfreund geben lassen." Boris nickte. "Na, schön", sagte Vincent und nahm Boris an die Hand, "Los geht’s". Das Frühlingsfest der Gräser und Kräuter wurde an diesem Tag eröffnet und dieses Jahr wollte Vincent nicht mit den anderen Männern sondern seinem Sohn dorthin gehen. "Papa, mich haben diese Stände, Tänze und Paraden schon voriges Jahr angeödet, ich will viel lieber..." Vincent fing augenblicklich zu schimpfen an. "Aber unser neuer Unterhaltungspark der Menschentechnik ist viel interessanter", sagte Boris trotzig.

Auf einer Lichtung unterhielten sich ein Mann und eine Frau.

Er: "Wie stark doch die Frühlingssonne schon geworden ist." Sie: "Zweifelsohne, die aktive Jahreszeit hat begonnen" Er: "Und mit wem zu plaudern habe ich die Ehre?" Sie: "Mit Hexa, wenn ich bitten darf,– Hexa Protodon." "Meine Liebe, liberiensis, ich bin der, der im Fliegen jagt!", und er verschlang sie mit seinen Augen. "Mir ist so heiß", keuchte sie und fächelte sich mit einem kleinen Prospekt Luft zu. "Kommen sie, lassen sie uns Zuflucht im Unterholz suchen." Dort nahm er ihren Prospekt ab. "Nein", stöhnte Herr Jag War auf "nirgendwo ist man vor diesem Thema sicher. In unseren Städten und sogar im Wald wird nur noch über die Frage debattiert, wie sich die Restbestände der menschlichen Art erholen könnten. Was ist bloß so aufregend daran?" Hexa antwortete: "Aber fiele es nicht als Gewissensbelastung und Fluch auf uns zurück, wenn wir die Ausrottung der Menschheit zuließen?" "Nicht so sehr, Hexa, als dass ich mich jetzt nicht ihren lieblicheren Massen zuwenden würde."

In der Konferenz-Pause trafen sich zwei Diplomaten in einem Café. "Was für ein gemütliches Nestchen in sicherer Höhe. Lassen sie uns hierhin setzen, Herr Ramphastos. Hoffentlich werde ich hier in ihrer wohltuenden Gesellschaft nicht selig hinwegdämmern." Herr Bonobos fasste ihn fast zärtlich am Arm. "Sie müssen mich in diesem Fall wach halten!" Versonnen begann Herr Ramphastos auf den fremden Fingern auf seinem Arm Klavier zu spielen und summte melodisch: "Oh, diese Stamm- und Ast-Ornamentik der Stühle und Tische hier ist ganz exquisit" Plötzlich fing er an zu picken. "Also bisher hat sich noch jeder in meiner Nähe das Schlafen abgewöhnt, machen sie sich da mal keine Sorgen, Herr Bonobos!" Dieser erstarrte und sah ihn mit aufgerissenen Augen an. "Nennen sie mich doch einfach Tukan. Mit meinen Eigenarten müssen sie schon zurechtkommen", quatschte er, während er seinen Schnabel an Herrn Bonobos rieb. "Schön, Herr Ramphastos, äh Tukan!", antwortete er seinerseits und rückte von ihm ab, "Also, ich kann mich doch nicht mit den Verhandlungsbedingungen, auf die wir uns geeinigt haben, um sie gegen die vorgeschlagenen Verhandlungsbedingungen der Steppenbewohner durchzusetzen, einverstanden erklären." Herr Ramphastos: "Sie wissen genau, dass wir über die Phase der Verhandlungen, in der vorerst bloß über die Rahmenbedingungen der Verhandlungen diskutiert wird, schleunigst hinwegkommen müssen." Herr Bonobos: "Wollen sie mir damit etwa drohen? Als ob gerade sie sich entsprechend benehmen würden." Tukan hob das eine Bein und dann das andere, er gebärdete sich ganz absonderlich und krächzte: "Heiliger Altar der Persönlichkeit, du bewahrst ein zartes schlagendes Herzchen. Dich streichle ich mit meinen Flügelspitzen. Wie ein Wirbelwind will ich dich umknicksen. Nimm meine flügelschlagende Ehrerbietung anstelle des Streites über die Vertragsbedingungen an.", und er wuschte Herrn Bonobos mit Blättern voll. "Sie sind unverbesserlich", entgegnete dieser sich schüttelnd. "Ach, wenn es doch nur Blätter wären, die ich um meine Nase wehen lassen soll. Das Menschenreservat soll in unser Revier hineinragen!" und er hielt sich die Nase zu "Und dann erst diese laufenden Automotoren!" Herr Ramphastos: "Darüber wollen wir uns ja gerade einigen. Unser tropischer Wald ist eben nicht für ein Menschenreservat geeignet. Die Tiervereinigungen der Steppen, Savannen und Wälder weigern sich bloß, die Last der Menschen allein auf sich zu nehmen. Sie behaupten, dass ihr Lebensraum für die Menschenart nicht bekömmlich sei." In diesem Augenblick kam ein Nachrichtenkurier zur Tür hinein, er bot das Neueste von der Gegenkonferenz. "Bevor wir zurück zu unserer Konferenz eilen, Tukan, lass uns doch noch ein paar phantastische Kommentare und irrwitzige Vorschläge von der anderen Seite anhören!"

Der Nachrichtenkurier fing zu berichten an: "Die kritischen Stimmen mehren sich inzwischen auch außerhalb der Gegenkonferenz. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass die Lebensbedingungen der Menschen eher den tierischen ähneln als den spezifisch menschlichen. Die Nachweise, dass die spezifisch menschlichen Lebensbedingungen für den menschlichen Organismus gar nicht förderlich sondern höchst schädigend sind, häufen sich." "Dass ich nicht lache", rief Herr Bonobos dem Nachrichtenkurier zu und Tukan zeigte mit seiner längsten Federspitze auf ihn, taumelte und hüpfte vor Vergnügen über so einen Unsinn.

Seit einigen Jahren befassten sich die animalistischen Wissenschaften mit dem homo sapiens sapiens. Diesen Namen hatten sie aus der Überlieferung und empfanden es als eine außerordentlich schwere Forschungsaufgabe, die Herkunft dieses Namens für den Menschen zu erschließen. Sie hatten herausgefunden, dass zur Zeit der größten Ausdehnung der Menschheit auf dem Planeten - Es handelte sich sage und schreibe um beinahe 9 Milliarden Exemplare – auch die irdische Verwüstung, die CO²-Konzentration und die langwellige Infrarot Strahlung zu einem Höhepunkt gekommen war. Daraus zogen sie den Schluss, dass der Mensch mit der Schaffung einer solchen tierfeindlichen Umwelt seine eigenen Lebensbedingungen optimiert haben müsse. Um also den menschlichen Restbeständen auf diesem Planeten unter die Arme zu greifen, beschlossen die Menschenfreunde unter den Tieren, diese in der Wüste anzusiedeln und sie mit CO² zu begasen. Unter diesen Bedingungen, die fortan menschenspezifische Lebensbedingungen genannt wurden, - so die Hoffnung - müssten sich die Menschen wieder explosionsartig vermehren. Zwar deuteten die Tiere die Röte und das Abpellen der Haut, auch Deformationen als Zeichen des menschlichen Wohlbefindens. Als sich dann aber die Bestände radikal dezimierten, war klar, dass die sogenannten menschlichen Lebensbedingungen stark zu modifizieren waren. Also brauchte der menschliche Organismus doch wohl ein gehöriges Maß an Wasser. Doch musste es nach wie vor einen Zusammenhang zwischen dem prächtigen Gedeihen der Menschenkultur und der hohen CO²-Konzentration und den Verwüstungen geben. Die Menschenzüchter unter den Tieren verzichteten vorerst auf eine starke und direkte Sonneneinstrahlung und ergänzten die CO²-Begasung mit Methan und FCKW. Dass Hitze und Kohlenstoffdioxid eine wohltuende Wirkung auf den menschlichen Körper haben müsse, galt als gesichertes Forschungsergebnis, von dem kein renommierter Wissenschaftler abrücken würde. Wer kritisch seine Stimme dagegen erhob, wurde als radikaler Leugner der tierischen Humanforschung angesehen. Diese Unorthodoxen und Radikalen organisierten die Gegenkonferenz "Pro Homo" auf Grundlage der These, dass die tierischen Lebensbedingungen auch dem Menschen am besten bekommen müssten.

"Ist das nicht seltsam! Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity), Rio de Janeiro 1992, Cartagena Protokoll zur Biologischen Sicherheit 2000, 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, Bonn 2008 ", Hoatzin blätterte die frischgedruckte Broschüre über die menschlichen Protokolle vor und zurück. "Anscheinend haben die Menschen einst über die Erhaltung unserer Artenvielfalt debattiert. Sie redeten vom drohenden Aussterben der Tiere. Ist es sicher, dass sich unsere Philologen der menschlichen Sprachen nicht einfach täuschen?" Übrigens sprach sie zu sich selbst. Gerade steckte sie in den Vorbereitungen, um wie jedes Mal um diese Zeit eine Reihe von Schülern zu empfangen.

Sie ging zum Teich in den Garten, um Salatalgen zu pflücken. "Überblick über die Argumentationsketten, wie sie sich aus den Protokollen herauslesen...", ging es ihr durch den Kopf. "Die Tier- und Pflanzenwelt hat ein Recht auf Existenz, sofern an ihr Geld gespart und verdient ... Die genetische Vielfalt soll in künstlichen Genpools konserviert (.), bevor die Pflanzen und Tiere aus wirtschaftlicher Notwendigkeit aus dem Weg ... ." Sie durchsuchte das Gebüsch nach geeigneten Blättern und Beeren. Und sie rezitierte innerlich aus der Broschüre: "Die Natur schuldet den Menschen die Vorteile der Biodiversität, weil sie nicht ausreichenden Gewinn aus sich herauspressen lässt. Diese Einstellung allein bot aus Sicht der Menschen eine realistische Perspektive des Umwelt- und Artenschutzes." Als sie in der sonnenhellen Mitte des Garten stand, deklamierte sie: "Aus lauter Schuldigkeit gegenüber den Menschen soll die Sonne scheinen." Eile war geboten. Arm in Arm zog eine Horde Schüler singend die Straße herunter: "Wir sind die Größten, Schönsten und Besten!" Erschreckt ließ sich Hoatzin in den Teich plumpsen. "Was ist bloß in euch gefahren", fragte sie, nachdem ihr Kopf wieder an der Wasseroberfläche aufgetaucht war. "Das sind Inspirationen, zu welchen uns das Lesen der Broschüre über die Menschen brachte", antwortete ein junger Quittenwaran, "Wir wollen daraus ein Theaterstück, vielleicht eine Komödie, machen. Aber der Schuldirektor will es uns aus Gründen der Pietät verbieten."

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Genres:
* Prosa * Märchen * Satire *


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