Ein Handy auf Abwegen

Mann, war mir langweilig! Diese dämliche Busfahrt zog sich mal wieder schier endlos hin. Meinen Ferienanfang hatte ich mir interessanter gewünscht. Aber nein, meine Alten bestanden mal wieder darauf, dass ich die ersten 3 Wochen bei Tante Anne in Arhus verbringe. Dabei fand ich’s da immer todlangweilig. Während meine Mitschüler mit ihren Eltern in den sonnigen Süden jetteten, blieb mir nur die dänische Kattegatküste mit ihrem unbeständigen Ostseeklima. Mist!

Während ich müde vor mich hin döste und mit zusammengekniffenen Augen durch die Scheibe auf die sich immer wiederholenden schleswig-holsteinischen Felder, mal abgemäht, mal voll im Korn stehend , blinzelte, hörte ich irgendwo ein paar Sitzreihen vor mir einen Handyklingelton., der von einer Fernsehserie stammte, dessen Titel mir aber nicht einfallen wollte. Immer wieder ertönte die Melodie, doch scheinbar war der Mitreisende tief und fest eingeschlafen oder gerade über die Treppe ins untere Deck zur Bordtoilette gegangen.

Mann, wann merkt der Anrufer denn endlich, dass da keiner ist der rangehen könnte? Und warum hat der blöde Besitzer von dem Ding nicht die Mailbox aktiviert? Mürrisch geworden stand ich auf und musste feststellen, dass ich der einzige Passagier auf dem Oberdeck war. Die Anderen waren entweder in Hannover oder Hamburg ausgestiegen oder hatten sich vor der mörderischen Hitze, die hier oben unter dem Dach herrschte, in den unteren Fahrgastraum in Sicherheit gebracht. Ich und das Handy. Allein auf weiter Flur. Na, was soll’s? Ich ging bis zu dem Sitz mit der Nummer 14 vor und da lag es, mutterseelenallein, kein Anzeichen dafür, dass dort noch jemand sitzt. Wahrscheinlich war es dem Besitzer unbemerkt aus der Tasche geglitten und er hatte den Verlust noch gar nicht bemerkt. Also gut.

Ich griff mir das Nokia-Teil und drückte auf Gesprächannahme. "Hula Hoop!" tönte es in mein Ohr. "Wie bitte?" fragte ich überrascht. "Hula Hoop, Boss. Du wolltest doch das Passwort wissen, mit dem der Bankdirektor den Safe gesichert hat. Er hat jetzt endlich die Schnauze aufgemacht. War gar nicht so einfach, ihn zum Reden zu bringen. Aber warum sagst du denn gar nichts, Chef?" Uuups. Blitzschnell drückte ich die Taste mit dem kleinen roten Telefon und beendete das Gespräch damit abrupt. Dann sprang ich die Treppe hinunter, zwängte mich im überfüllten Unterdeck zum Fahrer durch und rief ihm laut und wild gestikulierend zu: "Wir müssen sofort die Polizei verständigen!"

*

Zwei Stunden später verließ ich mit zwei Polizistinnen an meiner Seite die Hauptwache in Flensburg. "Na das hat ja prima hingehauen", sagte die Eine mit einem wohlwollenden Lächeln zu mir. "Dank der Handy-Ortung konnten unsere Kollegen in Pinneberg die Geiselnehmer überraschen und den Direktor und seine Familie in ihrer Villa befreien.

Und das der Drahtzieher des Ganzen so dumm war und bei der Zweigstelle der Busgesellschaft in Hamburg den Verlust seines Handys anzeigte, war unser Glück. Dabei wurde er dort gleich von der Hamburger Kripo in Empfang genommen. Wir fahren dich jetzt erst mal zu deiner Tante rüber. Was willst du denn in den Ferien in Dänemark so alles machen, Beate?" "Na schwimmen gehen! Was soll man denn sonst schon in so einem langweiligen Kaff am Meer anfangen?"

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* Prosa * Krimi *


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