Regenbogenlolly

Karl-Uwe betrat hastigen Schrittes die Küche. Eigentlich hatte er einen ziemlich großen Hunger, aber für ein richtiges Frühstück würde die Zeit mal wieder nicht reichen.

Nachdem er die Kaffeemaschine in Gang gesetzt hatte und im Toaster zwei Scheiben Vollkornbrot angeglüht wurden, öffnete er die Kühlschranktür, um Margarine, Quark und Milch herauszunehmen. Dabei fiel etwas zu Boden, dass scheinbar auf dem Eierfach der Innentür gelegen hatte. Bei genauerem Betrachten entpuppte es sich als Regenbogenlolly, an dem jetzt einige Katzenhaare klebten. Wie oft hatte er seiner Tochter zu erklären versucht, dass sie die Dinger nicht irgendwo liegen lassen sollte. Sinnlos. Er schaltete noch das Radio ein, in dem sie gerade einen Beitrag über die Bedeutung der Lamperie im 19.Jahrhundert brachten. Wen interessierte denn so etwas?

Beim ersten Schluck aus der Kaffeetasse verbrannte er sich Lippen und Zunge. Mist! Zu wenig kalte Milch reingemacht. Einige Tropfen waren auf seine Krawatte gefallen. Sofort gab es ein paar hässliche braune Flecken auf hellblauem Grund. Oh je, die Seidenkrawatte hatte er von seiner Tochter zu Weihnachten geschenkt bekommen. Das Motiv, zwei zitronengelbe Schmetterlinge, hatte sie selbst darauf gemalt. Hoffentlich ginge die Flecken bei der 30°-Wäsche raus.

Karl-Uwe legte nach dem kurzen Imbiss das Geschirr und Besteck noch rasch in das Waschbecken, dann schlüpfte er im Flur in seine schwarzen Halbschuhe und wollte gerade die Haustür öffnen, als er seiner Tochter gewahr wurde, die schlaftrunken, nur mit ihrem Hello Kitty-Nachthemd bekleidet, die Treppe aus dem 1. Stock herunterkam. "Nanu Paps, wo willst du denn hin? Der Termin beim Notar wegen deiner Entmündigung ist doch erst um 13 Uhr!" Oh Mann, die Vergesslichkeit ihres Vater fand sie echt nervend. Gestern Abend war er auch von der Arbeit kommend direkt ins Bett gegangen, obwohl er doch dienstags mit dem Kochen dran war. Wer hatte bloß dieses Alzheimer erfunden?

hoch

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Genres:
* Prosa * Alltagsgeschichten *


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