S.O.S. - Kunst rettet die Welt

Das Raumschiff der Außerirdischen landete östlich von Tokyo im Pazifischen Ozean. Da der Aufprall auf die Wasseroberfläche mit großer Geschwindigkeit erfolgte, wurde davon eine Tsunamiwelle von enormer Höhe ausgelöst, die sich umgehend in Richtung Küste auf den Weg machte.

Die Fremden waren unentdeckt in unser Sonnensystem eingedrungen und hatten sich auf der erdabgewandten Seite des Mondes versteckt. Von dort aus hatten sie die Erde eine Zeit lang beobachtet und entschieden, diesem blauen Planeten einen direkten Besuch abzustatten.

Bei dem Raumschiff handelte es sich um einen Transporter, der hunderte kleiner Shuttles an Bord trug. Sobald er sich auf der Wasseroberfläche stabilisiert hatte, stiegen Aufklärer aus dem Mutterschiff auf, um Erkundungsflüge über der gesichteten Küstenregion durchzuführen.

Vier der fünf unbemannten Drohnen trafen auf unbewohnte Küstenabschnitte, das letzte auf einen schmalen Sandstreifen, auf dem seine Sensoren winzige Lebewesen ausmachten. Als die vom Mutterschiff ausgelöste Tsunamiwelle nahte, bewegten sich plötzlich die kleinen Punkte am Boden hin und her, aber alle vom Wasser weg. Doch schon stürzte die Wasserwand heran, überspülte den Küstenstreifen und riss einen Teil der Lebewesen ins Meer hinaus.

Als alle Aufklärungsdrohnen wieder an Bord des Raumtransporters zurückgekehrt waren, entschieden sich die Außerirdischen, das Festland mit Bodentruppen zu besetzen, weil man von diesen hilflosen Bewohnern des Planeten nichts zu befürchten hätte.

Die ersten Landungstruppen der Aliens verließen am Strand ihre Shuttles und begaben sich dann durch die Wälder auf ins Landesinnere. Sie stießen vereinzelt auf Spuren der Bewohner, aber direkt zu Gesicht bekamen sie niemanden.

Nach dem Auftreffen der Tsunamiwelle auf die Küste war nämlich der Katastropheneinsatzplan der japanischen Regierung, den diese nach dem Jahre 2011 erlassen hatte, sofort angelaufen. Alle Bewohner der Region hatten sich in Schutzräumen in Sicherheit gebracht, wo sie 7 Tage abwarten sollten, wie sich die Lage entwickelte.

Die Außerirdischen hatten sich, auf ihren sechs Gliedmaßen vorwärts bewegend, schon eine ganze Anzahl von Kilometern ins Landesinnere vorgearbeitet. Wälder waren ihnen gänzlich unbekannt und so kamen sie nicht sehr schnell voran. Sie kommunizierten untereinander mittels Telepathie und plötzlich vernahmen alle gleichzeitig den ausgestoßenen Panikgedanken eines an vorderster Linie befindlichen Artgenossen. Dieser war urplötzlich auf eine große Lichtung gestoßen und erblickte vor sich ein riesiges, hoch aufgerichtetes Lebewesen, dessen Kopf sich hin und her bewegte und dabei ein todbringendes Gebiß fletschte, während sein langer, gepanzerter Schwanz wie eine riesige Peitsche auf und nieder fuhr. Zwei weitere Aliens erreichten ihren Artgenossen, der sie gewarnt hatte und auch sie erstarrten vor Schreck und gaben dabei einen unhörbaren Angstschrei von sich. Sofort änderten alle Außerirdischen ihre Laufrichtung um 180° und eilten schnellstmöglich zu den Landungsbooten am Ufer zurück, die sie in einem chaotischen Gerangel bestiegen und mit Vollgas in Richtung Raumtransporter rasen ließen. Kaum waren alle an Bord eingetroffen, wurden auch schon die Haupttriebwerke des Mutterschiffes gestartet. Es erhob sich kurz darauf von der Wasseroberfläche und schoß mit Fluchtgeschwindigkeit davon. Die Teleskope auf der Erde konnten den Kurs noch bis zum Verlassen unseres Planetensystems verfolgen.

Doch was hatte die Erde vor einer Invasion der Außerirdischen gerettet? Was hatte diese so sehr in Panik versetzt?

Der Grund war eine lebensgroße Plastik des japanischen Künstlers Koichi Matsumoto. Anläßlich ihres 30. Godzilla-Films hatte die Toho Gesellschaft seinem ewigen Kassenschlager ein Monument erbauen wollen. Es sollte authentisch und lebendig wirken und der Künstler arbeitete dabei eng mit der Special-Effects-Abteilung des Filmstudios zusammen. Die Energie für die beweglichen Teile lieferten Solarzellen und als Standort wählte man eine große Waldlichtung im Nationalpark Ibaraki aus, die sofort zu einem Wallfahrtsort für japanische und ausländische Filmfreunde wurde.

Und so hat Godzilla in seinem 31. Abenteuer keine japanische Großstadt in eine Ruinenlandschaft verwandelt, sondern die Welt vor einer Alieninvasion gerettet.

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Genres:
* Science Fiction *


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