Ich habe etwas gelesen und es hat mir geholfen

Lesen. Wir lesen jeden Tag hunderte von Informationen.

Das beginnt schon in jungen Jahren. Als erstes lernt man seinen Namen schreiben und ihn damit natürlich auch lesen. Neben der Familie, die meist sehr viel Wert darauf legt, dass man seinen eigenen Namen erkennt, begeistert man sich selbst noch für alles Neue.

Spätestens in der Schule geht es dann richtig los: mit dem Alphabet, dem Lesen, dem Schreiben und vor allem mit der Schönschrift. Letztere ist den Lehrern sehr wichtig, damit sie und die Klassenkameraden lesen können, was die Kleinen alles schreiben.

Ihr merkt sicher schon, dass wir uns im Kreis von Lesen und Schreiben befinden. Aber für heute wollen wir uns auf das Lesen beschränken.


Wie nützlich ist das, was wir lesen, eigentlich in unserem Alltag?


Nehmen wir mal den heutigen Tag als Beispiel. Ich sitze in der U9 vom Rathaus Steglitz zum Bundesplatz. Vor mir, hinter mir, neben mir: überall Schilder. Wollen wir doch mal sehen, was ich darauf so alles lese.

Schlafzimmer aus Skandinavien – Sehr hübsch. Sogar mit passendem Bild.

Gemeinsam gegen Vandalismus – Von mir aus.

Unruhige Beine? Hilfe bei unruhigen Beinen. Restless leg syndrom – Oho, dreimal derselbe Text auf einem Plakat.

Ohne Wohnung? Sozialpädagogisch betreute Wohngemeinschaft für Männer ab 18 bis ca. 35 Jahren – Fühle mich jetzt nicht wirklich angesprochen.

Hochwertiger Zahnersatz überraschend günstig – Brauche ich zum Glück noch nicht. Obwohl... die Frau auf dem Bild kann kaum älter als 25 sein.

Ausländerrecht § xy [und dazu irgendwas auf Türkisch] – Betrifft mich nicht, aber sicher einige meiner Berliner Mitbürger.

Erlebe die Vielfalt – Immer wieder gerne. Welche genau?


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Coffee to go


Jetzt bin ich Bundesplatz und laufe zum Umsteigen die Treppen hoch zur S-Bahn. Hier auf dem Bahnsteig und in der S-Bahn finden sich ebenfalls an vielen Stellen schriftlich fixierte Informationen begleitet von entsprechenden Piktogrammen und Grafiken.

Bundesplatz – Wie schön, dass die Bahn einem immer mitteilt, wo man gerade ist. Das hilft doch sicherlich den Touristen.

482 284-7 –Auch Zahlen zählen zu den Dingen, die wir tagtäglich lesen.

Werbung voll in Fahrt: 1 Million Fahrgäste sehen täglich ihre Werbung in der Berliner S-Bahn – Ich bin eine davon.

Nächste Station: Innsbrucker Platz – Laufende Schrift macht das Lesen doch gleich viel spannender.

Radio Gesichter – Radio höre ich normalerweise und Gesichter sehe ich. Was haben die denn jetzt wieder Neues erfunden?

Du bist auf dem besten Weg zu Ikea – Ach so? Das wusste ich ja noch gar nicht. Ich dachte, ich bin unterwegs zu Freunden. Einkaufen stand doch heute nicht auf meiner persönlichen Tagesliste. Oder doch? Da sehen wir mal wieder, Lesen bringt uns zum Nachdenken.

Fernzüge. Long-distance trains. Trains grandes lignes – Jetzt wird’s international.


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Coffee to go


Erneut steige ich um, diesmal von der S-Bahn in den Bus. Auf der kurzen Strecke zwischen beiden Verkehrsmitteln fällt mir wieder jede Menge Text ins Auge.

An kalten Tagen bitte Türen schließen: → $larr; Knopf drücken – Sogar mit Pfeil-Piktogrammen für Leseanfänger.

Etwas vergessen? – Tja, wahrscheinlich schon. Was man nicht im Kopf hat... Aber das ist schon mal hilfreich: Durch die gelesene Frage versuche ich, rauszufinden, ob ich an alles derzeit Wichtige gedacht habe.

DB – Da es sich hierbei um die Abkürzung der Deutschen Bahn handelt, findet sich diese Buchstabenkombination quasi überall auf den S-Bahnhöfen in Berlin.

Bargeld gibt es hier! – Zum Glück steht das an einem Geldautomat, sonst hätte ich wohl anfangen müssen, mir ernsthaft Sorgen über unsere Stadt zu machen.

Wir machen aus Ihrer Hofeinfahrt das Tor zur Welt. – Klasse, da brauche ich bloß noch einen Hof und schon öffnet sich mir die ganze Welt.

Bei uns sind sie willkommen. Vermietungsbüro. – Schön, wenn ich eine neue Wohnung suche, komme ich auf Sie zurück.

Verschenk doch mal Sonne statt Socken – Bin ich Petrus?


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Coffee to go


Der Bus selbst ist nicht so sehr mit Schildern und Plakaten zugepflastert, wie S- und U-Bahn. Dafür ist das, was man durch die Fenster sieht, variierter.

Neu: Alles schon drin – Was eigentlich?

Das Rundumwohlfühlbonon – Super, das besorge ich mir doch gleich. Warum nimmt das nicht jeder? Dann würden alle viel glücklicher aussehen.

Schwimm mal wieder. Seebad – Gute Idee, allerdings im Januar noch ein wenig kalt.

Zugelassen für: Stehplätze 66, Sitzplätze 33 – Es ist wichtig, informiert zu sein, doch heute ist der Bus zum Glück schön leer, so dass ich einen Sitzplatz habe.

Verbandskasten beim Fahrer – Man sollte wissen, wo die Erste-Hilfe-Utensilien sind.

Türraum bitte freihalten – Das kennt man ja: Der Bus ist voll, alle stehen wie in der Sardinenbüchse und der Fahrer sagt "Bitte mal die Türen frei machen." Denn die modernen Türen schlißen nicht, solange sich noch etwas im Sicherheitsbereich befindet. Und so wird dann noch mehr gequetscht und gedrängelt.

Schlossplatz Köpenick – Wir Preußen und unsere Könige... Moment, das ist doch hilfreich für mich: Ich muss hier nämlich aussteigen. Ohne die Busanzeige hätte ich fast meinen Ausstieg verpasst.


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Coffee to go


Auf der Straße reißt die Schilderflut auch nicht ab. Hier finden sich endlich auch die richtig großen Werbeplakate.

Sei Gast, sei willkommen, sei Berlin. Wir sind dabei und helfen gern. – So etwas steht auf einem BUS und ich sehe es beim Aussteigen.

Nachtflohmarkt – DIE Einkaufsmöglichkeit für Vampire und andere Geschöpfe der Nacht.

LMS – Ach ja, die wunderbare Welt der Abkürzungen und Akronyme. Sprache kann ja so vielseitig sein.

Frühfunk: Sonne für Berlin – Ich wusste gar nicht, dass seit neuestem die Radiosender für das Wetter verantwortlich sind. Vielleicht kann ich ja mal Wünsche anmelden...

Eine Stadt hat Wissenshunger – Berlin: die anthropomorphe Personifizierung der Großstadt

Krisenherd – Dazu auf dem Bild ein Plakat mit einem leeren Topf. Doch schon ein wenig subtiler als manch andere solcher Plakate.

Geile Story. Geile Musik. Geiles Ding. Hinter dem Horizont – Also eigentlich mag ich ja Musicals, aber wenn da so viel "geil" ist, frage ich mich langsam, ob ich da bei der Story was falsch verstanden habe.

Redline Cafe. The god old days – Ach ja, die guten alten Zeiten... Dabei bin ich doch noch gar nicht so alt.


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Coffee to go


Auf meinem Weg habe ich viel gelesen. Gerade in einer großen Stadt steht auf jedem Fleckchen etwas geschrieben. Aber ist das wirklich hilfreich? Nach dieser Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich sagen "Jein".

Die U-Bahn ist voller Werbung. In der S-Bahn und dem Bus liest man Interessantes beim Aus-dem-Fenster-Sehen. Dabei ist manches überflüssig, vieles betrifft mich nicht und einiges hat mir wirklich geholfen.

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Weitere bei dieser Schreibübung entstandene Texte gibt es hier


Genres:
* Prosa * Alltagsgeschichten *


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