Pralinen und Erdbeerbowle

"Und da sind wir wieder, zurück nach der Werbung, und wir danken noch unserem Sponsor, der ‚Zauberhafte Pralinen AG‘, bevor unsere Preisrichter nun die letzten drei Kandidaten bewerten. Welcher unserer drei Finalisten wird sich dieses Jahr den Titel Pralinenkönig oder-königin holen? Der smarte Daniel mit den feurigen Gewürzen, die zuckersüße Christiane oder der extravagante Florian? Nachdem diese drei in den vorangegangenen Kategorien bereits die übrigen Mitbewerber auf die süße Matte geschickt haben, stehen alle drei mit gleicher Punktzahl im Finale. Von den ursprünglich 30 Kandidaten sind nur noch diese drei übrig. Wer wird das Kopf-an-Kopf-Rennen gewinnen? Kommen wir nun zum ersten der drei, zu…"

Mia seufzte und drehte den Ton am Fernseher stumm.

"Das dauert bestimmt noch eine halbe Ewigkeit, bis Flo dran ist. Da koche ich mir erstmal in Ruhe einen Tee..."

Gesagt, getan. Kurz darauf saß sie mit einer Tasse Erdbeer-Zitronengras-Tee wieder auf der Couch und mummelte sich in eine Decke.

"Jedes Jahr dasselbe Theater. Flo rennt von einem Wettbewerb zum nächsten und ich muss mich dann allein um das Café kümmern. Dabei läuft der Laden doch jetzt ganz gut und wir sind nicht mehr so sehr auf diese Werbung angewiesen", dachte sie und probierte den Tee. Es handelte sich um eine neue, von ihr selbst kreierte Sorte, die sie erst testen wollte, bevor sie sie den Kunden im Café anbieten würde.


Die Sendung über den Pralinenwettbewerb plätscherte so vor sich hin, doch kurz bevor Flo endlich sein Können unter Beweis stellen konnte, fingen die Jury-Mitglieder an, miteinander zu streiten. Der beleibte Herr in der Mitte zeigte mit großen Gesten und hochrotem Gesicht immer wieder auf die Kandidatin Christiane. Mia machte den Ton wieder an.

"Skandalös, meine Damen und Herren! Skandalös, sage ich nur!", echauffierte sich der Herr.

"Wie kann man nur so von seinem eigenen Stil abweichen? Ich fordere Disqualifikation!"

Der andere Herr und die Dame, die außer ihm Teil der Jury waren, fingen an, gleichzeitig auf ihn einzureden: "Nein, das ist eine wunderbare Neuinterpretation des Bekannten!"

"Genau! Immerhin sollen die Kandidaten hier auch ihre Vielfalt zeigen!"

"Nein, das ist Plagiat!"

"Quatsch! Die Verwendung von Gewürzen in der Konditorei ist schließlich nicht copyright-geschützt!"

Mia drehte den Ton wieder aus. Das würde jetzt wahrscheinlich eine Weile dauern. Und der arme Flo musste solange weiter warten und saß bestimmt schon wie auf Kohlen. Nur gut, dass sie die ganze Sendung aufzeichnete, denn sie wollte noch beim Großmarkt einkaufen, bevor der schließen würde.

Sie suchte ihre Sachen zusammen und schaute dabei immer mal wieder auf den Bildschirm. Dort hatten die drei Juroren inzwischen einen richtigen Streit begonnen, während die Kandidatin in Tränen ausgebrochen war. Ihre Pralinenfüllung stand dabei immer noch im Hintergrund auf dem Gasherd, denn sie war während der Zubereitung unterbrochen worden. Unglücklicherweise war der Herd noch eingeschaltet und ohne ständiges Rühren fing die Masse an, überzukochen. Immer mehr und immer größere Blasen bildeten sich auf der Oberfläche und Schaum tropfte über den Rand in die Flammen. Diese züngelten weiter hoch, wodurch auch der restliche Inhalt in der Pfanne Feuer fing.

Mia rüttelte am Fernseher und rief: "Feuerwehr! Sieht denn keiner, dass es da brennt?!"

Sie schien vergessen zu haben, dass sie im Studio ja niemand sehen und hören konnte. Die Leute im Studio waren völlig gebannt vom Disput der Jury und schienen den Brand nicht zu bemerken. Einige bange Minuten schrie Mia weiter auf das Gerät ein, bis sich der Moderator suchend umschaute. Anscheinend roch er endlich den Rauch aus der Pfanne. Er wandte sich um, ging zum Ausgang und griff beherzt nach dem dort an der Wand hängendem Feuerlöscher. Er entsicherte ihn, betätigte den Abzug und hüllte den ganzen Herd in weißen Schaum. Die Kamera schwenkte daraufhin zum Publikum, das wie wild klatschte und johlte. In diesem Moment wurde Werbung eingeblendet und Mia bekam Zeit, sich wieder etwas zu beruhigen.

Sie warf einen Blick auf die Uhr und ihr Puls schnellte erneut in die Höhe. Schon 18:30 Uhr! Jetzt aber schnell los zum Großmarkt!


Sie schnappte sich ihre Tasche, warf die Tür ins Schloss und stürzte fast die Treppe hinunter, um zu ihrem klapprigen himmelblauen Fiat Cinquecento zu gelangen. Gerade wenn sie es eilig hatte, so wie heute, wünschte sich Mia, dass sie sich auch ein neues Auto hätten leisten können, aber sie hatten alles Geld in das Café und Flos Pralinenherstellung gesteckt. Sie fuhr los und hoffte, es noch rechtzeitig zu schaffen. In einer halben Stunde würde der Großmarkt schließen und der normale Fahrweg dauerte schon 25 Minuten.

"Dann halt heute die Abkürzung über den Fluss", dachte Mia, "dorthin brauche ich nur zehn Minuten und komme direkt an der Rückseite vom Großmarkt raus."

Mit einigen Tempolimit-Überschreitungen brachte sie es sogar auf sagenhafte sieben Minuten Fahrzeit. Am Fluss angekommen, bremste sie jedoch erst mal stark ab und brachte den kleinen Wagen zum Stehen. Sie hatte nicht bedacht, dass der Fluss im Frühjahr wegen der Schneeschmelze immer ziemlich stark anschwoll. Das Wasser tobte regelrecht dahin und die Brücke schien auch schon bessere Zeiten gesehen zu haben.

"Der letzte Winter hat hier ganz schön Spuren hinterlassen. Sollte ich vielleicht besser umkehren?", überlegte sie.

Mia sah auf die Uhr. Wenn sie jetzt wieder zurück auf den anderen Weg wollte, würde sie es auf keinen Fall mehr schaffen. Aber sie brauchte unbedingt noch die frischen Erdbeeren, die es seit heute Mittag im Großmarkt gab, denn morgen sollte es im Café Erdbeerbowle für alle geben. Das hatte Flo den Stammkunden versprochen, wenn er unter die Top Drei kommen sollte, auch wenn die eigentliche Saison erst in ein paar Wochen beginnen würde.

Also nahm Mia ihren ganzen Mut zusammen und fuhr ein Stück rückwärts. Dann schaltete sie und trat mit voller Wucht auf das Gaspedal. Der himmelblaue Fiat ruckte an, machte einen Satz nach vorn und schoß dann förmlich über die Brücke. Diese wackelte dabei bedenklich und Mia schrie "Tschakka!".

Wieder auf festem Boden, lachte sie laut auf, und fuhr in gemächlichem Tempo direkt weiter auf den angrenzenden Parkplatz. Ein erneuter Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie für den gesamten Weg zum Großmarkt nur 15 Minuten gebraucht hatte. Erleichtert ging sie hinein und steuerte direkt die Obstabteilung an.


Zum Glück war noch einmal eine frische Samstag-Nachmittag-Lieferung eingetroffen, so dass Mia ihren ganzen Einkaufswagen vollladen konnte. Immerhin sollte die Bowle den ganzen Tag reichen. Währenddessen dachte sie daran, wie sie den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht und mit gefiebert hatte, um zu wissen, ob Flo ins Finale kommen würde.

Natürlich auch, weil sie das meistens tat, wenn Flo bei einem Wettbewerb antrat. Sie drückte ihm immer die Daumen und beim letzten Mal hatte sie sogar im Publikum gesessen. Dabei war Flo mit einer neuen Pralinenkreation mit Kaktusfüllung zum Thema ‚Sahara‘ immerhin auf Platz drei gelandet und die dortigen Preisrichter hatten ihn für den aktuellen Pralinenwettbewerb empfohlen. Sie lächelte in sich hinein. Durch die Fernsehübertragung zur besten Sendezeit auf einem beliebten Privatsender bekam auch ihr Café kostenlose Werbung.


Mit dem vollen Wagen ging sie danach zielstrebig zur Kasse. Vor ihr stand ein junger Mann, der gerade diverse Obstsorten auf das Kassenband legte, zuletzt eine Honigmelone. Da erkannte Mia das Gesicht wieder. Wie gut, dass er noch nicht in ihre Richtung schaute. Sie überlegte, ob sie noch schnell zur anderen Kasse gehen könnte, doch diese wurde gerade geschlossen, wie sie mit einem kurzen Blick in die entsprechende Richtung erkannte.

Ihr Gesicht begann, sich heiß anzufühlen, und sie dachte, dass sie mittlerweile knallrot angelaufen sein musste. Voller Scham dachte sie an letzten Monat zurück. Eine große Honigmelone war ihr damals vor die Füße gerollt. Sie liebte Honigmelonen, denn daraus zauberte Florian die leckersten Törtchenfüllungen und im Großmarkt waren sie bereits ausverkauft gewesen. Blitzschnell hatte sie sie aufgehoben. Dann kam ein junger Mann heran und hob einen Korb mit Früchten auf, der ihm offensichtlich vom Motorrad gefallen war. Seine Augen glitten prüfend überall hin, blieben an der Honigmelone hängen, wanderten zu Mias Gesicht, blickten ihr in die Augen. Eine Augenbraue zog sich hoch. Sie war auch damals über und über rot geworden. Dabei hatte sie nur eine Millisekunde lang überlegt, die Honigmelone einfach mitzunehmen.

Und jetzt stand er vor ihr an der Kasse. Sie erblickte sein Motorrad direkt am Eingang.

"Oh nein!", dachte sie, "jetzt muss ich wieder an ihm vorbei!"

Sie begann, mit zitternden Fingern die Erdbeer-Schalen auf das Kassenband zu legen. Währenddessen nahm er den kleinen Holzbalken, um ihre Waren voneinander zu trennen.

"Sie brauchen aber viele Erdbeeren, obwohl es noch eine Weile hin ist bis zur Saison", sagte er, während er sich zu Mia umdrehte.

Diese hielt vor Schreck den Atem am. Ob er sie erkennen würde? Natürlich hatte sie ihm damals die Honigmelone in die Hand gedrückt, bevor sie quasi geflohen war, aber sein Gesichtsausdruck hatte Bände gesprochen.

Leicht überrascht darüber, dass von ihr gar keine Reaktion kam, blickte er ihr ins Gesicht. Daraufhin zeigte sich auch bei ihm Wiedererkennen und er setzte an, noch etwas zu sagen.

Doch die Kassiererin kam ihm zuvor: "So, das macht dann 85,19 Euro. Zahlen Sie bar, mit Karte oder auf Rechnung?" Er drehte sich wieder zur Kasse, murmelte "mit Karte" und zückte seine Brieftasche.

Dann verstaute er sein ganzes Obst wieder in dem Korb, den sie schon damals gesehen hatte, während die Kassiererin anfing, nun Mias Erdbeeren einzuscannen. Sie half ihr auch, alle Schalen wieder in den Wagen zu laden und fragte dann: "Wie immer auf Rechnung Frau Schönfeldt?"

"Ja, bitte. Vielen Dank Frau Becker", sagte Mia und schob ihren Wagen zum Ausgang, nachdem sie den Kassenbeleg unterschrieben hatte.

"Wir drücken alle die Daumen für Herrn Nettmann!", rief ihr die Kassiererin hinterher.

"Danke", antwortete Mia, ohne sich umzudrehen. Sie wollte nur so schnell wie möglich in die Sicherheit ihres himmelblauen Gefährtes und dann nach Hause.


Ihr Fiat war das letzte Auto auf dem Kundenparkplatz. Mia lud mit klopfendem Herzen so schnell sie konnte die empfindlichen kleinen Früchte ein und brachte dann den Einkaufswagen zum Eingang zurück. Dort stand noch immer der junge Mann mit dem Motorrad.

"Sie kennen Herrn Nettmann?", fragte er Mia und sie meinte, in seinem Gesicht positive Überraschung zu sehen.

"Ja", antwortete sie kurz angebunden und wollte sich wieder in Richtung Auto begeben. Da streckte er seinen Arm aus, wie um sie zurück zu halten.

"Warten Sie! Ich… also… er ist mein Vorbild! Ich liebe seine Pralinen und insbesondere seine außergewöhnlichen Füllungen! Wissen Sie vielleicht, ob ich mich mal mit ihm unterhalten oder ob er mir berufliche Tipps geben kann?!"

Mia starrte ihn entgeistert an.

"Klar, ich bin ein völlig Fremder für Sie", sprach er weiter, "was müssen sie nur von mir halten… Aber… ginge es denn?"

Mia versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen und bekam schließlich heraus: "Morgen... gibt es eine kleine Feier... im Café ‚Zeit zum Genießen‘... Dafür sind auch die Erdbeeren."

Der junge Mann lächelte sie erfreut an: "Danke. Ich werde da sein."

Dann fuhr er mit seinem Motorrad davon.

Mia murmelte noch "und die Honigmelone?" vor sich hin, bevor auch sie sich auf den Weg machte.


Zurück nahm Mia dann lieber den längeren Weg, der nicht über eine wackelige Brücke führte. Bis sie endlich die Erdbeeren im Kühlraum des Cafés verstaut hatte und wieder zu Hause angekommen war, war es doch recht spät geworden.

Der Wettbewerb war mittlerweile vorbei und im Programm wurden nur noch Kommentare und Rezepte gesendet. Leider gab es auch um 22 Uhr noch kein genaues Ergebnis, denn die Jury diskutierte immer noch heftig über eine mögliche Disqualifikation. Wenigstens hatte Flo nach über einer Stunde Wartezeit noch die Gelegenheit bekommen, am selben Tag wie die anderen seine Konditoren-Künste zu zeigen. Die Bekanntgabe der Gewinnerin oder des Gewinners war auf den nächsten Morgen um zehn Uhr verschoben worden. Mia stellte die Video-Aufzeichnung entsprechend ein und fiel müde ins Bett. Flo und die anderen Teilnehmer waren bis zum Ende des Wettbewerbs in einem Hotel neben dem Studio untergebracht.


Als Mia am nächsten Morgen um sechs erwachte, fühlte sich ihre Begegnung mit dem Obst-Mann noch immer unwirklich an. Sie wollte sich von diesem seltsamen Gefühl ablenken und ging deswegen kurz darauf ins Café, um schon mal mit den Vorbereitungen für die Feier am Nachmittag zu beginnen.

Die Erdbeerbowle war schnell gemacht und stand schon früh für die Gäste bereit. Nicht nur Mia, sondern auch einige ihrer Stammgäste und ihr Schwester waren schon sehr früh auf und so kam es, dass sie um zehn Uhr nicht alleine vor dem kleinen Fernsehgerät aus Großmutters Zeiten stand, das eigentlich schon längst hätte entsorgt sein sollen. "Gut, dass wir nie dazu gekommen sind", dachte sie, "sonst hätte ich das Café noch geschlossen lassen müssen, um das Ergebnis zu Hause sehen zu können."

"So, meine Damen und Herren, nach diesem spannenden Wettbewerb mit Kopf-an-Kopf-Rennen und Plagiatsvorwürfen kommen wir nun zum finalen Ergebnis. Unsere Preisrichter hatten alle Mühe, sich zu einigen, und haben sich die ganze Nacht um die Ohren geschlagen, um Ihnen, liebe Zuschauer, rechtzeitig eine Entscheidung kundgeben zu können", begann der Moderator.

"Aber nun wollen wir Sie nicht weiter auf die Folter spannen. Ich öffne jetzt den Umschlag... und auf den dritten Platz geschafft, hat es...Christiane!"

Applaus brandete auf. Mia und ihre Gäste hielten den Atem an.

"Auf den zweiten Platz kommt... Daniel! Und somit ist der diesjährige Pralinenkönig... Florian!"

Im Studiosaal und im Café jubelten die Gäste. Mia konnte es kaum glauben. Nach so vielen Jahren mit Stress und Panik und Angst und Streit und Kompromissen hatte Flo es endlich geschafft! Er war Erster bei einem der wichtigsten Wettbewerbe der Konditorei-Branche geworden.

"Ich glaube, die Party heute wird wohl ein bisschen größer", meinte eine Stammkundin lächelnd, nachdem sie Mia gratuliert hatte.

"Wir sollten ihn gebührend empfangen", sagte ein anderer.

"Bis zum Studio ist es gar nicht so weit."

"Ja, lasst ihn uns gemeinsam dort überraschen."

"Wir sollten ihn abholen."

"Sind doch nur acht Stationen."

So ging es munter weiter. Alle fingen plötzlich an, wild durcheinander zu reden, und kurz darauf war ein kleines Empfangskomitee, bestehend aus Mia und fünf Stammgästen, zusammengestellt, um Flo abzuholen. Da das Café aber den ganzen Sonntag geöffnet sein sollte, beauftragte Mia ihre Schwester, sich um alles zu kümmern, was diese auch sehr gern tat.

Schon ging es los. Sie nahmen die U-Bahn, denn die acht Stationen waren zum Laufen zu weit, gerade für Oma Trautchen, die als eine der treuesten Gäste natürlich mit von der Partie war. Im Zug redeten alle ausgelassen weiter durcheinander. Die Euphorie hatte ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht.

Da setzte sich ein junges Punker-Pärchen mit drei Hunden in die angrenzende Sitzgruppe und der Mann begann, sich eine Zigarette zu drehen. Missbilligend schaute Oma Trautchen ihm zu, sagte aber nichts.

Erst als er die Zigarette anzündete und seinen Rauch im Waggon verteilte, erhob sie schließlich die Stimme: "Junger Mann! Würden Sie bitte sofort dieses Ding wieder ausmachen. Das gehört sich hier nicht. Im gesamten Verkehrsnetz herrscht Rauchverbot. Es wäre schön, wenn auch Sie sich daran halten würden."

"Wat willste Alte?", war die unfreundliche Antwort, unterstrichen durch eine frisch ausgepustete Rauchwolke in Oma Trautchens Richtung.

"So ja nun nicht!", sagte daraufhin Herr Kunz, ein weiterer von Mias Stammgästen.

Er stand auf, ging zu dem Punker und nahm ihm blitzschnell die Zigarette aus der Hand. Er trat sie aus und, weil der Zug gerade hielt, ließ er den Rest auf die Gleise fallen.

"Ey, wat soll’n dat?!"

Der um seine Zigarette gebrachte Raucher stand ebenfalls auf, während seine Begleitung nur gelangweilt mit den Schultern zuckte, und kam bedrohlich in Herrn Kunz‘ Richtung. Doch da erhob sich auch der Rest der Café-Gruppe. Von der plötzlichen Überzahl verunsichert, floh der Punker schnell aus der Bahn. Das Mädchen folgte ihm gemütlich mit der Hundemeute.

Herr Kunz seufzte erleichtert auf und zuckte mit den Schultern.

Die anderen lachten befreit auf und Oma Trautchen fing an: "Diese Jugend heutzutage..."

"Ach nein", fiel Mia ihr schnell ins Wort, "heute wollen wir feiern."

Sie griff in ihre Tasche und förderte einen kleinen Plastikbeutel zu Tage: "Hier erst mal für jeden eine leckere Praline."

Herr Kunz warf einen Blick auf den Stationsnamen: "Wir sind fast da."


Flo freute sich sehr über seinen Abholservice. Auch die Feier im Café wurde ein voller Erfolg. Es gab reichlich Erdbeerbowle und prämierte Pralinen für alle, auch Mias neue Teemischung kam gut an. Der Höhepunkt war Flos Live-Vorführung seiner Pralinenherstellung.

Der junge Mann mit dem Motorrad war auch anwesend und hatte ihnen sogar frisches Obst, unter anderem eine Honigmelone mitgebracht. Mia kam nach ein paar stotterigen Versuchen dazu, ihm zu sagen, wie peinlich ihr das alles gewesen war. Doch er lachte nur und meinte, dass er ja durch sie nun endlich mit seinem großen Idol sprechen konnte.

Es wurde viel gelacht und zu fortgeschrittener Stunde legte Herr Kunz sogar Tanzmusik auf. Er begann, Oma Trautchen durch das Café zu wirbeln.

"Die beiden können das richtig gut", sagte Mia, während sie mit Flo eine eher gemütliche Sohle auf das Parkett legte.

"Jetzt ist erst mal Schluss mit diesen ganzen Wettbewerben, oder?", raunte sie ihm ins Ohr.

"Aber ich habe doch schon wieder eine neue süße Idee...", antwortete er.

hoch

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Genres:
* Prosa *


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