Ein gefangenes Gelage

Nach stundenlangem Kochen will der Herr ein Werk
So exquisit, dass es dem feinsten Gaumen reicht.
Es stand viel Wild und Meergetier auf dem Vermerk.
Mal sehen ob der erste Anblick seinem Wunsche gleicht.

Den Hummer hat der Küchenchef schön rot gekriegt.
Die Jäger schossen ihre Köcher leer im Wald,
Sodass die Tafel sich vor Wohlgefallen wiegt
Und lange nicht mehr "Waidmanns Heil" am Tag erscheint.

Da liegen nun die fett gesottnen Hühner tot
Und ganze Schweine drehen glänzend sich am Spieß.
Ein Ferkel quiekt noch – angsterfüllt, in höchster Not.
Im Topf verrührt ein Diener Milch und Weizengrieß.

Der Braten wird gepfeffert, Rotwild rasch zerteilt.
Ein Fass zum Anstich hebt man aus dem letzten Loch.
Der Koch fragt wütend wo der Küchenjunge weilt –
Der schnarcht in Frieden. Bald schon findet man ihn doch.

Die Suppe kocht. Kartoffeln backen vor sich hin.
Der Duft von Möhren, Erbsen, Mais, Tomaten schwebt
Dem Hausherrn wohlig um das lang behaarte Kinn.
Der Fisch samt Bierpanade hat noch grad gelebt.

Und erst der dicken Soße dunkelbraune Kraft
Umspült das zart gekochte Essen mit Geschmack,
Zerfließt im klaren, ausgeschwitzten Fleischessaft.
Am Ende ruht ein stiller See im Magensack.

hoch

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Genres:
* Poesie *


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