Eine literarische Weltformel, oder die Frage nach dem Universum, dem Leben und dem ganzen Rest.


Schweigend standen die Massen da. Ein Heer von nackten Schwänzen ragte lang und steif in die Luft. Keine traute sich ein Wort zu sagen. Nur eine kleine weiße Maus durchbrach die Stille. "42? Das ist kann doch wohl nicht wahr sein, das ist doch die größte Verarsche seit dem Urknall."

Die Zeit verging und ein noch größerer Computer, der die Frage auf die Antwort "42" finden sollte, wurde gebaut. Die Frage nach dem Universum, dem Leben und dem ganzen Rest. Dieser wurde die Erde genannt.

Eine kleine Gruppe rebellischer schwarzer Mäuse verfolgte derweil ein anderes Ziel. Auf einem abgelegenen Teil des Planeten, in einer ziemlich runtergekommenen Stadt, in einem Keller, in dem das Wasser von den Wänden tropfte, saßen sie, jeder mit einem Block Papier in der Hand, und schrieben. An der Wand hingen durchweichte Blätter, auf denen die Ziele der Gemeinschaft kaum noch zu lesen waren. Mathematik, 42 und literarische Wege waren noch das Deutlichste. Im Raum verteilt standen stapelweise Bücher mit Titeln wie Das Kapital, Sozialismus, Faschismus, Anarchismus, Kommunismus, Rattenismus und Mäusologie.

"Hat schon jemand etwas?", fragte Maus Nummer eins in die Runde. "Nee", riefen nacheinander alle anderen im Kreis herum. "Das kann so nicht weitergehen. In diesem Rattenloch wird das doch nie etwas. Ich sage, wir müssen raus in die Welt und die Antwort auf den Sinn des Lebens selber finden. 42 lässt sich einfach nicht ins Literarische übertragen. Computer sind Scheiße und die Idioten, die sich Mathematikwissenschaftler und Philosophen schimpfen, erst recht. Ich sage euch, die Antwort liegt gleich da draußen vor der Tür und wartet nur darauf aufgehoben zu werden." "Gleich da draußen?" fragte Maus Nummer drei." "Ja, gleich da draußen. Wir müssen nur hingehen. Am Anfang ist die Tat".

"Lass den Faust stecken, Goethe ist tot. Außerdem war der nicht einmal annähernd eine Maus, ja noch nicht einmal eine Ratte, von der Seite kann die Antwort nicht kommen", blaffte Maus Nummer sieben.

"Genau diese Einstellung bringt uns nicht weiter", schimpfte Nummer eins. "Die Weltformel muss alles umfassen. Sie muss jeden einbeziehen und jedem gerecht werden, ob Maus oder nicht Maus. Ganz ohne Frage." "Auch die Vogonen?", fragte die Kleinste der schwarzen. "Nee, die nich, die sind degenerierte Grütze ohne Verstand. Aber alle anderen schon." "Na gut, dann lasst uns doch einfach mal nachschauen und sehen was wir finden." Sie warfen ihre Blöcke hinter sich, standen auf und öffneten gemeinsam voller Spannung die Tür.

Eduard, der gerade vom Wocheneinkauf kam und nun nach Hause wollte, bog gerade um eine alte Häuserecke, als neben ihm eine verwitterte Tür nach außen aufschwang und ihm fast vor den Kopf schlug. Aus der Tür traten sieben schwarze Mäuse, welche abrupt stehen blieben. Eduard konnte einen Glanz in ihren kleinen Augen sehen, der immer intensiver wurde. Er fasste sich mit dem Zeigefinger an die Stirn und wollte gerade weiter gehen, als eine der Mäuse laut rief: "Ich möchte ein Maler werden", davon ging und glücklich wurde. Eine andere rief: "Ich möchte einen Garten anlegen", ging davon und wurde glücklich. Eduard hörte die anderen ähnlich abstruse Dinge rufen, ehe sie davon liefen. Er schüttelte den Kopf und schaute ihnen hinterher. "Ich will nur nach Hause", murmelte Eduard, schaute nach vorn und ging los.

Auf der der Tür gegenüberliegenden Mauer stand ein hingekritzelter Spruch. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Erich Kästner

Von Matthias Erdmann mit Dank an Douglas Adams


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* Prosa * Fantasy * Science Fiction *


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