Gute Kumpels

Franco knabberte genüsslich an seinem Schokocroissant, während er die Zeitung aufschlug und versuchte, sich in seine allmorgendliche Lektüre zu vertiefen. Nebenbei schlürfte er an seinem Kaffee. Ein paar Sonnenstrahlen wärmten seine blanke Glatze. Draußen war es noch kalt, in den Pfützen stand das Eis. Ein paar Kinder nahmen Anlauf und veranstalteten eine Rutschpartie.

Morgen war Valentinstag und er hatte keine Idee, wie er den Tag mit Sabine verbringen sollte. Sie ging ihm in letzter Zeit ein wenig auf die Nerven. "Such dir einen Job, mach was," stichelte sie, wenn er auf dem Sofa saß und gemütlich sein Feierabendbier trinken wollte, nachdem er den ganzen Tag damit verbracht hatte, durch die Stadt zu streifen, ohne Plan und ohne Ziel. Es war in ihren Augen kein verdienter Feierabend, aber er war da anderer Auffassung. "Ein Künstler braucht Inspiration und keine Maloche!" hielt er ihr entgegen. "Ich arbeite hart, ich sammle Eindrücke in der Stadt."

Nötig hatte er es nicht. Er musste nicht arbeiten, denn er hatte vor fünf Jahren gut geerbt und versuchte sich nun als Maler. Mit mäßigem Erfolg, niemand schien sich wirklich für seine Werke zu interessieren.

Morgen also dieser blöde Valentinstag, er wusste, dass Sabine wert auf einen charmanten Abend legte, bei dem er ihr für ein paar Stunden die Welt zu Füßen legen und in der Rolle des vollendeten Gentleman aufzugehen hatte.

Er blätterte die Zeitung um, ohne einen Artikel gelesen zu haben. Gedankenverloren zündete er sich eine Zigarette an. ‚Gibt es denn hier keine Aschenbecher in diesem Mistcafé?’, dachte er ärgerlich, bis er das "Bitte nicht rauchen"-Schild an der Wand über der Theke bemerkte. ‚Scheiße, nicht mal Eine quarzen darf man hier!’ grummelte er in sich hinein. Die Bedienung schaute gelangweilt auf und widmete sich dann wieder ihren Fingenägeln: "Roochen nur draußen bitte!"

Franco stand auf und ging vor die Tür, um seine Zigarette im Freien weiter zu rauchen. ‚Mann, immer noch so kalt. Verdammter Winter, wann hört der endlich auf?’ Draußen kam Felix vorbei. Auch das noch, der hatte ihm gerade noch gefehlt. Felix begrüßte ihn überschwänglich und klopfte ihm kräftig auf die Schulter. "Hey Franko, alte Filzlaus, Herumtreiber, alles klar?" Franko musste husten und schaute Felix grimmig an: "Ja, alles Bestens, bis du kamst um mir auf die Eier zu gehen."

Felix bemerkte seinen Sarkasmus nicht einmal: "Mensch Franko, gut dass ich dich treffe. Ich habe da eine Bitte, du bist doch ein guter Kumpel." ‚Leck mich!’, dachte Franko, sagte aber: "Was willst du?" "Da sind so ein paar Typen hinter mir her, ich glaube, sie verfolgen mich. Den einen kenne ich sogar, aber ich bin mir nicht sicher, was sie vorhaben. Siehst du, da hinten an der Ecke stehen sie und gucken zu uns rüber. Vorsicht, nicht so auffällig... ja genau die."

Franko überlegte, was er nun für Felix tun sollte; wenn er Probleme mit diesen Halbstarken hatte, sollte er doch zu den Bullen gehen. "Was hast du wieder angestellt, du Schwerenöter?"

"Ja ja, ich weiß, ich sollte nicht soviel rumhuren. Ich war neulich auf einer Party und da war diese Braut, wenn du die gesehen hättest, die hättest du auch nicht anbrennen lassen."

"Lass mich raten, und der Typ da ist ihr Bruder?"

"Ich glaub schon."

"Na dann viel Spaß!"

"Du musst sie ablenken."

Franco schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Lust auf Ärger. Geh zur nächsten Polizeistation, oder geh einfach nach Hause, schließ dich ein und warte ab." Felix wurde unruhig und lächelte nervös. ‚Was für ein Idiot’, dachte Franco, ‚Erst mit den Weibern rummachen und dann nicht mit den Folgen fertig werden.’ "Tut mir leid, Felix, damit musst Du selbst klarkommen. Ich gehe jetzt wieder rein und lese weiter meine Zeitung. Wenn du Lust hast, kannst du ja noch einen Kaffee mit mir trinken." Felix guckte sich noch einmal nach seinen vermeintlichen Verfolgern um. "Nein, ich gehe lieber nach Hause. Wird schon schief gehen. Tschüß Franco!"

Als Franco wieder zu seinem Tisch kam, fiel ihm die Schlagzeile der BZ ins Auge: BRUTALE HINRICHTUNG! DIESER MANN WURDE BEI EIFERSUCHTSDRAMA MIT 13 KOPFSCHÜSSEN ABGESCHLACHTET. Daneben war das Foto eines Mannes abgebildet, der dümmlich lächelnd in die Kamera blickte, ein altes Passbild wahrscheinlich.

Eine leichte Sorge meldete sich in einer verborgenen Hirnwindung. Vielleicht hatten die Typen es wirklich auf Felix abgesehen? Felix war schon weg, und jetzt kamen auch seine Verfolger am Fenster vorbei. Einer von ihnen starrte Franco mit stechenden Augen ins Gesicht, ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. ‚Ziemlich finsterer Kerl’, dachte Franko, ‚Dem möchte ich auch nicht Nachts alleine auf der Straße begegnen.’


Er schaute zur Kellnerin.

– "Kann ich bitte noch einen Kaffee haben?"

hoch

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Genres:
* Prosa *


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