Ein Hinterhausgarten

Sie stand im Hinterhaus, im Garten, Frau Ö., ihre Hände umklammerten einen mit Gemüse gefüllten Weidenkorb. Frau Ös Haare flatterten im Herbstwind. Sie ging ein paar Schritte auf, ein paar ab.
Aufabgedanken.
Dort wo das Fahrrad stand, nicht das von Frau Ö., stellte sie ihren Weidenkorb ab. Frau Ö. klopfte sich Dreck von ihren Kleidern, zog am Gartenschlauch, säuberte - spritziges Wasser - ihre Hände. Es dämmerte bereits, leise Sonne, Frau Ö. zog ihren Mantel enger, zog ihn fest an sich, um sich, zog mit dem Band. Ein kratzendes Reißen des Stoffes schmiss sein farbloses Geräusch in diesen leblosen Morgen. Frau Ö. zuckte kurz, festgezurrter geschnürter Atem. Frau Ö. atmete noch etwas Stille, dann entkam sie sich selbst durch das Vorderhaus.

Dubrovsky betrat den Garten am späten Nachmittag, mutwillig, frisch, bereit, die Gartenschaufel in der Hand haltend. Seit Tagen schleppte Dubrovsky den Vorsatz vor sich her sein Gemüsebeet umzugraben. Heute würde ihn keine Ausrede für keine Sekunde von all dem Abhalten.

Der Kopf von Frau Ö. schmerzte jetzt, jetzt auf diesen Straßen. Vermengung-Vermengung. Ohrenrauschen. Frau Ö. war rastlos, schwamm von Mensch zu Mensch, durchglitt das graue schlechtgelaunte morgendliche Menschenmeer.

Hier schien es Menschen nur so zu regnen. Sie kamen von allen Seiten, schienen von oben, von Rolltreppen über sie herfallen zu wollen. Frau Ö. rauschte gerade so durch, stoppte an mehreren kleinen Läden. "Ich liebe so Kitsch" - „Ich liebe diesen Kitsch." Ihre feurigen Hände streichelten das Bunte seelenverliebt.

Feurige Füße trugen Frau Ö. immer bald weiter. Zurück zu sich. Weit von sich weg. Nach Westen vielleicht oder Osten oder dorthin wo es sie, Frau Ö. nie gab, nie geben würde. Frau Ö. musste feststellen, dass sie stank, jetzt. Frau Ö. hatte niemals stinken wollen.

Dubrovsky schaufelte, schaufelte seit dreißig Minuten, stand hin und wieder auf, stand sich im Weg, wischte sich sein schweißiges Haar aus der Stirn, streckte sich, hackte nach diesen Pausen härter in den Boden, vergaß sich, buddelte Löcher in einem Traum von Tomatenranken.

Fester.
Tiefer.
Härter.

Dann krachte es.

Seltsam?

Undefinierbar!

Ein blauer Müllsack mit Inhalt.

Hack.
Hack.

Weiche? Härte!

Haut. Knochen. Blut.

Ein haariger Kopf.

Starr blickte Dubrovsky auf, auf sie, auf Frau Ö. Frau Ö. jetzt hier, hier bei ihm im Hinterhof, dort wo die Beete sind. Frau Ös blutverschmierte Gesichtsfarbe.

" H-a-l-l-o. I-c-h b-i-n. B-i-n F-r-a-u Ö." Computerstimme. Roboterfrau. Die automatisch-automatisierte Telefonauskunftsstimme auf den Lippen von Frau Ö.

"I-c-h h-a-b-e i-h-n u-m-g-e-b-r-a-c-h-t, a-n-g-e-m-a-c-h-t."

hoch

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* Prosa * Krimi *


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