Der absolute Weichbirnenschwachsinn

von LaBomba Tedesca

Mein Freund, du bist nun ein Teil der Familie. Ich weiß, es grassieren die unglaublichsten Vorstellungen darüber, wie wir hier miteinander umgehen, was wir tun, was wir nicht tun. Aber ich sage dir, vergiss, was du gehört hast. Wenn du glaubst, wir sind ein gesetzloser Verein von Halbstarken, die bei jeder Gelegenheit durch die Gegend ballern wie irgendwelche Cretini, dann hast du dich geirrt. Es gibt für alles eine Regel und du hältst dich besser dran.


Erste Regel: Wenn il Padrone auf amerikanische Namen steht, dann heißt du Larry, auch wenn deine Mutter dich Giancarlo Matteolo Umberto de Firenze ruft.

Zweite Regel: Denk nicht an deine Mutter, wenn il Padrone dich Larry nennt. L'Ognipotente wird dich es dir nicht verzeihen.


Es begab sich zu einer Zeit, als die Welt noch voller Schwung war, die Prohibition dörrte den Arbeitern die Kehle aus und in den dämmrigen Spelunken Chicagos hatte die illegale Prostitution Hochkonjunktur. Il Padrone war in seinen späten Zwanzigern, er hatte ein süßes Grübchen im Kinn, sexy braune Augen sowie einen Arsch, auf die die Weiber abfuhren wie il Padrone nur auf eine einzige Person – Larry, den Aushilfskellner, der bei ihm montagnachmittags auch den Boden schrubbte, um sich ein Zubrot zu verdienen, denn Montag war Liefer- und Ruhetag sowie um 19 Uhr die Partie Stronzo infernale di merda di berlusconi futuro presidente. Und während der Rest der Familie sich in die Karten vertiefte,vertiefte sich il Padrone in Larry.


"Oh merda, Bastardo americano", stöhnte il Padrone, während Umberto Formaggini gerade sein Ass aus dem Ärmel zog und sich über den Staub wunderte, der vom schon den ganzen Abend ominös schwankenden Kronleuchter über dem Stronzotisch rieselte. "Matteo, mio amico, hast du nicht die Köder für die Ratten ausgelegt? Die kriechen im Gebälk, gerade so wie jede Woche."

Matteo zog an seiner Zigarre und seufzte über das schlechte Blatt auf seiner Hand. "Ich habe Giacomo vor drei Tagen Bescheid gesagt, vielleicht war er noch nicht bei- ", weiterer Billigputz regnete ihnen in die Hutkrempen, und die Heizungsrohre summten etwas, das wie "Gib's mir, gib's mir, du spaghettifressender Scheißkerl!" und "Te lo do, to lo do!" klang.

Matteo aschte ab und fuhr fort: "...bei Signora Olivia, drüben in der Reid Avenue. Immer am Tagträumen, der Junge."

Das elektrische Licht flackerte für einen Moment und es donnerte ein "Oh, Oh, Oh, damnazione!" durch das Haus.

"Sag, Umberto, was hältst du eigentlich von den neuen Aschenbechern, die Bruno am Mittwoch mitgebracht hat?"

Umberto hob den Blick, als irgendetwas im oberen Stockwerk scheppernd umkippte. "Molto bene, mio amico, molto bene."


"Stronzo!", deklamierte Gianluca am Kopfende. Triumphierend und unter allgemeinem Aufseufzen sowie den dahergemurmelten Flüchen schlechter Verlierer warf er die Karten auf den Tisch. Gerade wollte er seinen Mantel nehmen und sich bis zur nächsten Woche verabschieden, da legte ihm Matteo die Hand auf den Arm. Gianluca sah ihn fragend an, doch il Padrone übernahm bereits: "VENGOOOOOOOO!!"


Matteo grinste schwach: "Setz dich, mein Junge. Du hörst doch, dass il Padrone auch noch eine Runde spielen möchte. Es wäre unhöflich zu gehen, wenn er kommt."

Gianluca hob eine Braue, während Umberto sich übel an seinem Glas Wasser verschluckte. "Si... si. Wenn il Padrone kommt, darfst du nicht gehen."


Und so war das damals, zu Zeiten der Prohibition. Unglücklicherweise starb il bastardo americano drei Jahre später, als Matteo versehentlich das Rattengift in seiner Pasta deponiert hatte, statt im Gebälk, ein tragischer Unfall, an dem il Padrone noch heute zu knabbern hat. Seitdem muss immer einer der Larry sein, sonst laufen die Familiengeschäfte nicht richtig.


Merke dir also auch die letzte Regel: Il Padrone ist nicht sentimental, er pflegt nur gerne liebgewonnene Angewohnheiten. Und einem alten Mann seinen Spaß zu gönnen ist nun wirklich nicht zuviel verlangt, e?


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